Blumberg "Die Blumberger Sauschwänzlebahn hat viel Potenzial"

Seit 40 Jahren fährt die Blumberger Sauschwänzlebahn, die seit 2014 als GmbH der Stadt Blumberg wirtschaftet. Bürgermeister Markus Keller ist Vorsitzender des Aufsichtsrats. Im SÜDKURIER-Interview äußert er sich über die aktuelle Situation.

Herr Keller, die Blumberger Eisbahn hat dieses Jahr mit fast 11 000 Besuchern einen neuen Rekord erlebt. Die Eisbahn wird von der Blumberger Bevölkerung angenommen. Weshalb klappt das bei der Sauschwänzlebahn nicht, obwohl sie dieses Jahr seit 40 Jahren besteht? Die letzten Jahre werden pro Saison 90 000 bis 100 000 Fahrgäste gezählt, doch das sind fast alles Auswärtige.

Die Eisbahn ist ein Angebot, das sich insbesondere an die Kinder und Jugendlichen richtet – ein Vergleich mit der Sauschwänzlebahn ist daher im Hinblick auf die Zielgruppe der Bahn nicht möglich. Wir haben bei der Bahn ein sehr gutes Marketing – ebenso wie bei der Eisbahn- aber eben eine andere Zielgruppe. Die Umfrage zur Stadtentwicklung im Jahr 2012 hat gezeigt, dass sich die Blumberger mit der Sauschwänzlebahn identifizieren – die Bahn wurde als Bezugspunkt unserer Stadt sehr oft genannt. Wir bieten seit wenigen Jahren auch Sonderveranstaltungen wie die Whisky-Fahrten, Benefizveranstaltungen für Menschen mit Behinderung, den Märchentag oder Prosecco-Fahrt an – hier sind viele Menschen aus Blumberg und der Region mit dabei.


Wie viele Blumberger fahren pro Saison mit der Bahn, wenn man von der Fahrt zum Saisonstart mit Ihnen und den Stadträten absieht?

Hierzu gibt es keine aktuelle statistische Erhebung. Subjektiv wird mir in Gesprächen mit den Bürgern immer wieder gesagt, dass gerade die Sonderevents gerne von den Menschen in Blumberg angenommen werden. Wenn ich mir den Imagefilm der Bahn anschaue, sehe ich auch dort viele bekannte Gesichter.


Sie haben sich nach Ihrem Amtsantritt 2010 auch um die Museumsbahn intensiv gekümmert. Unter Ihnen wurde eine langjährige Forderung aus dem Gemeinderat, aus dem Eigenbetrieb Museumsbahn eine GmbH zu gründen, verwirklicht. Welche Vorteile hat die Stadt dadurch?

Bereits vor meinem Amtsantritt war es der politische Wille des Gemeinderats, die Bahn zu privatisieren. Diesen Prozess haben wir vollzogen. Generell haben wir durch die GmbH-Form insbesondere mit dem Instrument des Aufsichtsrats ein schlagkräftiges Entscheidungsinstrument, um schnell reagieren zu können. Zudem ist der Geschäftsführer mit großen eigenverantwortlichen Kompetenzen ausgestattet – damit können notwendige Entscheidungen schnell, und am Markt orientiert, getroffen werden. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass in der alten Rechtsform der Gemeinderat beispielsweise über einen Schienenaustausch beraten und ihn dann beschlossen hat, obwohl die Maßnahme bereits vollzogen war.


Nach der Streckensperrung im Herbst 2011 gab es Meinungsverschiedenheiten zwischen der Stadt als Eignerin der Museumsbahn und dem Verein Wutachtalbahn e.V., der das rollende Material stellte. Der Verein beklagte einen zu hohen Abrieb an den Rädern seiner Lokomotiven und Waggons. Die Stadt wollte den Fahrbetrieb ausweiten, um mehr Einnahmen zu erzielen, der Verein machte da nicht mit, es kam zur Trennung. War die Trennung aus heutiger Sicht ein Fehler?

Nein – wie Sie ja wissen, hatte der Verein im Rahmen des neuen Vertrages das rollende Material lediglich am Wochenende zur Verfügung gestellt. Der Grund für die Trennung war nicht die Ausweitung des Fahrbetriebes, sondern die Einschränkung beim Zugriff auf das rollende Material. Daher mussten wir einen eigenen Fuhrpark anschaffen und diesen dann auch konsequent mit eigenem Personal fahren.


In den letzten Jahren war die Blumberger Sauschwänzlebahn vor allem wegen der Mopsfledermaus in den Schlagzeilen, und das bundesweit. Die Wirkung war katastrophal, weil in den Köpfen vor allem das Wort Fahrverbot statt Winterfahrverbot hängen blieb. Hätte man nicht mit einem vollen Dampfzug im Sommer mehr Einnahmen gehabt als mit den Nikolaus- und anderen Winterfahrten?

Man kann das Eine tun ohne das Andere zu lassen. Das Angebot von Winterfahrten sollte kein Ersatz für Züge im Sommer sein, sondern eine Ergänzung. Bei anderen Museumsbahnen haben die Winterfahrten zusätzliche Märkte erschlossen – dies war auch bei uns der Plan.


Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg hat der Stadt Blumberg zwei Mal Recht gegeben und die Winterfahrverbots-Erlasse des Landratsamts im Schwarzwald-Baar-Kreis beziehungsweise des Regierungspräsidiums Freiburg ganz oder teilweise für rechtswidrig erklärt. Wie sehen Sie die Chancen für Schadenersatzforderungen?

Diese Angelegenheit wird durch unsere Fachleute und Anwälte geprüft und begleitet. Die Chance auf Schadensersatz ist realistisch – schließlich ist uns auch ein finanzieller Schaden entstanden der kausal mit der Streckensperrung zusammen hängt. Gerade die Tatsache, dass Instandsetzungen nicht – wie in den Jahrzehnten zuvor – in den Wintermonaten durchgeführt werden können, hat erheblichen Mehraufwand gekostet. Ich bin kein Anwalt und auch kein Richter – daher kann ich das Ergebnis nicht voraussehen. Ich weiß nur, dass ohne den Versuch eines Ausgleichs die Chance gleich Null ist.


Die Bahnbetriebe Blumberg GmbH & Co. KG mussten 2013 bis 2015 rund 1,5 Millionen Euro aus den Rücklagen entnehmen. Wie hoch war der Verlust 2016, wie kommt es zu der optimistischen Prognose für 2017 von nur noch minus 7000 Euro?

Das Ergebnis für 2016 steht noch nicht fest und wird rechtzeitig im Aufsichtsrat und Gemeinderat beraten und beschlossen. Es ist mit einer deutlichen Verbesserung des Ergebnisses zu rechnen– dies soll sich auch 2017 fortsetzen. Beispielsweise bei den Kosten des Fahrbetriebs Dampf konnten wir die Kosten um mehr als 150 000 Euro reduzieren, vor allem durch einen günstigeren Kohleeinkauf und weniger Fremdpersonal. Der Wirtschaftsplan für 2017 wurde Ende 2016 beraten und beschlossen. Der Aufsichtsrat hat sich akribisch mit der Planung 2017 in zwei Sitzungen mit insgesamt fast acht Stunden auseinandergesetzt. Dadurch war dieses Zielergebnis möglich und ist auch bei einem regulären Betrieb realistisch.


Kann die Stadt angesichts von Großaufgaben wie Schulcampus und Breitbandausbau die Sauschwänzlebahn mit dem Fahrbetrieb und der Museumsstrecke auf Dauer alleine tragen oder müsste man nicht andere mit ins Boot holen, etwa den Schwarzwald-Baar-Kreis?

Der Schulcampus wird durch den Kernhaushalt getragen werden, der Breitbandausbau durch den Eigenbetrieb Breitbandausbau Blumberg und die Geschäftsanteile der Bahnbetriebe sind – wie die Geschäftsanteile der Energieversorgung Südbaar (ESB) – im Eigenbetrieb Stadtwerke. Die verschiedenen Projekte und Einrichtungen stehen nicht in Konkurrenz miteinander.


Wo sehen Sie das größte Potenzial der Sauschwänzlebahn?

Die Sauschwänzlebahn ist nach dem Glacier-Express die beliebteste Museumsbahn in Europa. Ich denke, dass wir mit den Sonderveranstaltungen auf einem guten Weg sind und es auch schaffen können aus Besuchern der Sonderveranstaltungen regelmäßige Gäste der Bahn zu machen. Das Zielfoto ist, die Bekanntheit der Bahn weiter zu steigern und den Fahrbetrieb mittel- bis langfristig ohne Rücklagenentnahme zu bewerkstelligen- der Plan 2017 zeigt schon in die richtige Richtung.


Fragen: Bernhard Lutz


Zur Person

Bürgermeister Markus Keller Bild: Stadt Blumberg
Bürgermeister Markus Keller Bild: Stadt Blumberg | Bild: Stadt Blumberg

Markus Keller ist seit Januar 2010 Bürgermeister von Blumberg. In seiner Amtszeit wurde die Museumsbahn Wutachtalbahn, wie die Sauschwänzlebahn offiziell heißt, von einem städtischen Eigenbetrieb in die Bahnbetriebe Blumberg GmbH & Co. KG umgewandelt, seit der Umwandlung 2014 ist der Bürgermeister Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bahnbetriebe, deren einzige Gesellschafterin die Stadt Blumberg ist. Bevor Keller nach Blumberg kam, war er sechs Jahre Geschäftsführer der Kur- und Bäder GmbH Bad Dürrheim. Zu seinen Schwerpunkten zählt Marketing. 

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