Blumberg Behörde nimmt Stellung zum Vorwurf, Orchideen-Biotop wurde zerstört

Beim Kleinen Buchberg sei ein Orchideen-Biotop zerstört worden, beklagte Naturfreund Bruno Köb. Sein Leserbrief "Orchideen-Biotop wurde zerstört", den wir am Mittwoch veröffentlichten, sorgte für Diskussion.

Blumberg (blu) Beim Kleinen Buchberg sei ein Orchideen-Biotop zerstört worden, beklagte Naturfreund Bruno Köb. Sein Leserbrief "Orchideen-Biotop wurde zerstört", den wir am Mittwoch veröffentlichten, sorgte für Diskussion. Eine Recherche des SÜDKURIER ergab, dass das Regierungspräsidium Freiburg zuständig ist, und die Behörde gab für die Orchideen Entwarnung: Das Blasse Knabenkraut werde die nächsten Jahre wieder blühen, weil die Wurzelknollen tief in der Erde lägen, heißt es in einer ausführlichen Stellungnahme.

Lebensraum für Gelbringfalter

"Die Maßnahme wurde von uns veranlasst", teilt Behördensprecher Matthias Henrich auf Anfrage am Freitag mit. Es handle sich um eine Maßnahme, die schwerpunktmäßig der Entwicklung der Lebensräume des Gelbringfalters (Lopinga achine) diene. Dieser Tagfalter habe sein landesweit bedeutendstes Vorkommen am Buchberg-Südhang. "Die Populationen dieser Art waren in Baden-Württemberg über viele Jahrzehnte stark zurückgegangen, so dass ein Aussterben der Art kurz bevor stand." Die Art sei daher in das Artenschutzprogramm Schmetterlinge aufgenommen worden. Es handle sich um eine sogenannte „Lichtwaldart“. Sie könne weder auf offenen Magerrasen, noch im geschlossenen Wald existieren. Deshalb würden die Standorte mit Restvorkommen der Art ganz speziell gepflegt.

Alle paar Jahre wird gemulcht

Im Abstand von einigen Jahren werde der Unterwuchs in dem Wald gemulcht. "Dadurch werden die Futterpflanzen der Art gefördert, ohne dass der Lichtwaldcharakter verändert wird." Es gibt seit einigen Jahren eine deutlich positive Entwicklung der Population des Gelbringfalters am Buchberg (dafür wurde ein begleitendes Monitoring durchgeführt), ein Zeichen dafür, dass die Maßnahmen wirksam waren. Auch sehr viele andere Pflanzen- und Tierarten hätten von den Maßnahmen profitiert. Der Buchberg-Südhang ist zu einem Schwerpunkt der Biodiversität geworden, nicht zuletzt durch die seit circa 20 Jahren dort durchgeführten Pflegemaßnahmen.

Zum Leserbrief von Bruno Köb merkte Pressesprecher Matthias Henrich an: Das Mulchen der Kraut- und Strauchvegetation in einem lichten Wald sei natürlich ein massiver Eingriff in die Natur. Unmittelbar nach einer solchen Maßnahme sieht das nicht schön aus. Es sei allerdings die einzige Möglichkeit, um den Zielzustand, einen lichten Kiefernwald mit magerrasenartigem Unterwuchs, zu erreichen. In drei bis vier Wochen werde man nach Austreiben der Krautvegetation an den meisten Stellen fast nichts mehr von den Mulchresten sehen. Lediglich an wenigen Böschungssteilhängen werden noch über ein bis zwei Jahre offene Bodenstellen verbleiben, aber auch diese seien wichtige Lebensräume für rohbodenbesiedelnde Tierarten. Das angesprochene Blasse Knabenkraut (Orchis pallens) kommt tatsächlich am Buchberg-Südhang vor. Es handelt sich um eine sehr früh blühende Orchideenart, die ebenfalls in lichten Wäldern und vor allem im Bereich von Gebüschsäumen vorkommt. Insofern sei es vermutlich auch richtig, dass Standorte der Art am Buchberg-Südhang jetzt mit gemulcht wurden. Die Art werde dann dieses Jahr dort nicht zur Blüte kommen. Da die Speicherorgane der Orchideen (die Knollen) tief im Boden überdauerten, seien die Pflanzen aber nicht vernichtet. Sie werden in den kommenden Jahren an den gleichen Stellen wieder auftauchen. Es gebe außerdem am Buchberg sehr viele Standorte von Gebüschsäumen am Waldrand, so dass die Art in keinster Weise gefährdet sei. Zwar sei Orchis pallens keine häufige Orchidee, sie ist aber weit verbreitet und gehört im Naturraum nicht zu den gefährdeten Arten.

Die Naturschutzleute im Regierungspräsidium hätten in den letzten Jahren schon mehrfach Exkursionen an den Buchberg-Südhang angeboten, um die besondere Bedeutung dieses Gebiets vor Ort zu erläutern. Bei entsprechendem Interesse wären die Fachleute bereit, wieder eine Exkursion anbieten, um die Pflegemaßnahmen vor Ort zu erläutern.

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