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Blumberg 13 langjährige Jagdpächter werfen ihre Flinten ins Korn

Es sind vor allem die Regie- und revierübergreifenden Drückjagden, die alteingesessenen Jägern nicht passen.

Der Frust sitzt tief, weil sie ihrer großen Leidenschaft in Zukunft nicht mehr so nachgehen können, wie sie sie zum Teil über vier Jahrzehnte lang gelebt haben: 13 Jagdpächter, deren Verträge am 31. März auslaufen, haben sich nicht um deren Verlängerung bemüht. In einem dieser Zeitung vorliegenden offenen Brief begründen sie ihren Schritt, der letztendlich auf einen  Beschluss des Blumberger Gemeinderats  von Ende September vergangenen Jahres zurückgeht.

Damals hatte das Gremium mit 19:10 Stimmen Regie-Jagden und revierübergreifende Drück-Jagden eingeführt, die Zahl der Reviere von zwölf auf 19 erweitert und den Pachtzins erhöht. Zu den Kritikern der neuen Regeln zählt auch Ekkehard Jeserich. Er habe den Brief, so betont er ausdrücklich, als Jagdpächter unterzeichnet und nicht als Leiter des Hegerings. In dem Zusammenschluss der Blumberger Jäger möchte er auch in Zukunft mitarbeiten. So wie die meisten anderen Jäger, die ihre Reviere aufgeben. Ihr offener Brief, so schreiben sie, verfolge das Ziel, „Gerüchtemacherei entgegenzuwirken“.

Es sind vor allem die Regiejagden, die die Unterzeichner in ihrer ausführlichen Stellungnahme anprangern – weil diese mit ihrem Verständnis von Jagd nichts zu tun hätten. Im Wortlaut: „Wir lehnen diese Art der Jagd aus ethischen Gründen ab. Das sind für uns keine Jagdreviere, sondern Waldbereiche zur Ausrottung des Rehwilds.“ Außerdem sei mit den neuen Revierstrukturen der Streit zwischen Reviernachbarn vorprogrammiert. Zugleich werde dadurch die jagdliche Entwertung auch der Nachbarreviere in Kauf genommen.

Die verschärften Pachtbedingungen sind vor vier Monaten vor allem mit den Verbissschäden im Blumberger Wald begründet worden. Dazu meinen die Kritiker: „Wir haben mehrfach dargelegt, dass wir für alle Blumberger Reviere Verbissgutachten bis 2015 haben, die bezüglich Verbiss keine besonderen Maßnahmen verlangten. Forstinterne Diskussionen kennen wir nur am Rande. Ist es in einem solchen Fall nicht üblich, dass neue Situationen ergebnisoffen besprochen werden und nicht gleich die Keule ,Regiejagd' ausgepackt wird?“

Ein weiterer Aufreger ist für die Autoren des offenen Briefs der Pachtzins für Wald und Feld, der von acht auf 10 Euro erhöht wurde. Für den Wald sei dieser Betrag zu akzeptieren, nicht aber für das Feld – weil in den Feldfluren mit Wiesen und Maisanbau die Pächter eine „enorme Arbeitsleistung“ erbringen müssten. Im ganzen Schwarzwald-Baar-Kreis gebe es keinen Feldpachtpreis von zehn Euro je Hektar.
 

Weshalb melden sich die 13 Jagdpächter über vier Monate nach der Gemeinderatsentscheidung erneut zu Wort. Wollen sie nur nachkarten? Ekkehard Jeserich, der Sprecher der Gruppe, verneint diese Frage mit gutem Grund. Man habe so lange gewartet, bis die neuen Pachtverträge auf dem Tisch gelegen hätten. Und das habe bis Ende Januar gedauert. In sieben Punkten wichen die neuen Verträge von den „beinharten Vorschriften“ ab, die zunächst diskutiert worden seien.

Die Unterzeichner gestehen durchaus ein, dass in ihrem Sinne nachgebessert wurde. So fehle laut Jeserich zum Beispiel der Paragraf, in dem festgehalten werden sollte, dass der Förster jederzeit in solchen Revieren zur Waffe greifen dürfe, in denen zu wenig Wild erlegt werde. Allerdings: Dem pensionierten Lehrer und seinen gleichgesinnten Jagdkameraden kam die Stadt nicht genügend entgegen.

 

Die Unterzeichner

Folgende Jäger geben Ende März dieses Jahres ihre bisherigen Pachten schweren Herzens auf. Sie alle haben einen offenen Brief an Bürgermeister Markus Keller und die Blumberger Stadträte unterzeichnet: Erwin Hauser, Wolfgang Spelz, Udo Bausch, Leonhard Treiner, Bernhard Keller, Ekkehard Jeserich, Werner Knöpfle, Heinz Weber, Ernst Bausch, Fritz Kurz, Edwin Pachur, Robert Schöndienst, Andreas Bausch.

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