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Bad Dürrheim Schul-Rektor zieht vor Fasnet die Mobbing-Notbremse

14.02.2012
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Nach massiven Mobbing-Attacken gegen Lehrer zieht der Schulleiter Frank Müller der Realschule Bad Dürrheim die Notbremse und bläst den Fasnet-Ball ab.

Übles Lehrer-Mobbing, Graffiti-Attacken, Sachbeschädigungen

Es sind erschreckende Zeilen, die Realschulrektor Frank Müller in einem zweiseitigen Elternbrief an die Eltern seiner Schüler schrieb: Seit Beginn des Schuljahres würden er und die Lehrer eine "deutliche Verschlechterung" im Umgang der Schüler untereinander und gegenüber Lehrern feststellen.

Man wolle einer Verschlechterung des Schulklimas vorbeugen. Als eine erste Konsequenz hat Frank Müller die Fasnet-Party der Schülermitverantwortung (SMV) am Donnerstag gestrichen. Sollte keine Besserung eintreten, könnten „weitere Maßnahmen folgen“.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, trug sich Anfang Februar zu: Bislang Unbekannte haben an das Garagentor einer Lehrerin persönliche Anfeindungen gesprüht. „Leider müssen wir davon ausgehen, dass unter Umständen Schüler die Durchführenden oder daran beteiligt waren“, schreibt Rektor Müller in seinem Brief.

"Problem so früh wie möglich eindämmen"

Die Tat sei bei der Polizei angezeigt worden. Erste Hinweise auf einen möglichen Täter konnte die Polizei ermitteln, erklärt Konrektorin Stephanie Martin. Weitere Delikte, wie etwa das Bloßstellen und Beleidigen der Lehrer in sozialen Netzwerken im Internet, würden den negativen Trend ebenso fortsetzen wie die andauernden Sachbeschädigungen und die ruppige Art untereinander, die das Gesamtbild zusätzlich prägen.

Von einer „akuten Situation“ möchte Martin aber nicht sprechen. „Wir haben nun den Punkt erreicht, an dem wir von uns aus sagen, dass wir uns dem Problem stellen müssen.“ Die stellvertretende Rektorin schränkt ein: „Es ist nicht so, dass momentan alles ausartet und eskaliert.“

Man wolle das Problem so früh wie möglich eindämmen. Es seien zudem selbstverständlich nicht alle Schüler, die sich schlecht verhielten. Dennoch muss der Ball für alle ins Wasser fallen. Jonathan Kreischer, der stellvertretende SMV-Vorsitze und der Hauptorganisator der Fasnet-Party sagt, er könne beide Seiten verstehen: Die enttäuschten Schüler, aber auch die Schulleitung, die zu dieser drastischen Maßnahme greife.


Handlungs- und Beratungsbedarf

„Bislang konnte ich noch nicht so etwas wie Misstrauen unter uns Schülern feststellen, weil man sich nicht sicher ist , wer zu den Quertreibern gehört“, sagt der Neuntklässler.

Schulsozialarbeiterin Astrid Gauggel, die Schüler an der Realschule sowie der Werkrealschule betreut, sagt, die 20 Fälle, die sie seit Anfang November an der Realschule hatte, seien anders begründet gewesen. „Aber so, wie es scheint, herrscht offensichtlich Handlungs- und Beratungsbedarf.“

Bei der Berufsbörse in der Realschule am Wochenende brachten Familien ihre Betroffenheit zum Ausdruck. Eine Großmutter sagte, gerade weil die Realschule am Salinensee so einen guten Ruf genieße, habe man sich für diese Schule entschieden.

Natürlich sei man nun beunruhigt und mache sich Gedanken. Ein anderes Elternpaar bekräftigte, die Kinder müssten sich bewusst werden, dass sie in der Schule „nur Gast“ seien. Auch bei der Schulleitung sind Reaktionen der Eltern eingegangen, sagte Konrektorin Martin.

„Wir haben positive Rückmeldungen bekommen. Einige Eltern sind für die Information dankbar, andere dafür, dass sich die Schulleitung dafür einsetzt.“ Ein Grund des Briefes ist auch, dass die Eltern, die nicht zu den Sprechstunden oder Elternabenden kommen, über die Geschehnisse informiert werden.

Schulungen zu Cyber-Mobbing und Datenschutz

Nach all diesen Vorkommnissen sei man nun in der Realschule vermehrt bestrebt, die Verantwortung wieder gemeinsam mit Schülern, Eltern und Lehrern zusammen zu tragen. „Dabei müssen alle Seiten ihren Beitrag leisten“, sagt Stephanie Martin.

Ein erster Schritt zur Besserung wurde in Angriff genommen. So bekommen die Schüler Schulungen zu Cyber-Mobbing und Datenschutz. Ein zweiter und weiterer Schritt sei die pädagogische Seite. Wie es in der Realschule weiter geht und welche möglichen Maßnahmen im Falle einer Nicht-Besserung ergriffen werden, will die Konrektorin nicht verraten.

„Nur soviel: wir werden pädagogische Maßnahmen ergreifen. Darüber müssen wir noch in Konferenzen sprechen. “ Außerdem würden die Aufräum-Dienste der Schüler nun wieder ins Zentrum gerückt werden.

 

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