Das Land will mit Bildungspartnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen dem drohenden Fachkräftemangel begegnen
VS-Villingen – Der 16-jährige Michael Fritz hat es geschafft: Im September beginnt seine Ausbildung zum Mechatroniker beim Autozulieferer Continental in Villingen. Das wäre an sich nichts Besonderes, doch wäre das ohne die Kooperation seiner Schule mit dem Unternehmen wohl ungleich schwieriger gewesen. Fritz war nicht nur Praktikant bei „Conti“. Er durfte auch während des Unterrichts mit anderen Schülern die Lehrwerkstatt besichtigen und konnte sich so im Gespräch mit unwesentlich älteren Jugendlichen über Vor- und Nachteile der Ausbildung unterhalten. Neun Schüler hat die Realschule am Salinensee in Bad Dürrheim dank der Bildungspartnerschaft schon bei Continental untergebracht. Damit ist man in guter Gesellschaft: 62 Prozent aller weiterführenden allgemeinbildenden Schulen im Schwarzwald-Baar-Kreis sind diese neuartigen, schriftlich fixierten Kooperationen bereits eingegangen – nach dem Willen des Regierungspräsidiums sollen bald alle dabei sein.
Regierungspräsident Julian Würtenberger hat das Thema Bildungspartnerschaften zur Chefsache erklärt. Er spricht von einer Bringschuld der Schule und einer Holschuld der Unternehmen: Während die Bildungseinrichtungen aktiv nach Partnern suchen und das Angebot in den Unterricht integrieren müssen, sind die Firmen gefordert, an Schulen aktiv nach potenziellem Nachwuchs zu suchen. Martin Voßler vom Regierungspräsidium: „Wir haben nicht das Rad neu erfunden, sondern es geht um langfristig angelegte und systematische Zusammenarbeit.“
Mit im Boot sitzen auch die IHKn und die Handwerkskammern. Zwar hat sich die Zahl der Bildungspartnerschaften schon deutlich erhöht. Würtenberger sieht aber noch Potenzial: „Wir hoffen, bis Ende des Jahres deutlich näher an den 100 Prozent zu sein“, sagt er. Mit regionalen Arbeitskreisen in den jeweiligen Regionen will das Regierungspräsidium Schulen und Firmen hier unterstützen.
Gut funktionieren die Kooperationen auch am Thomas-Strittmatter-Gymnasium St. Georgen. Fünf Jahre läuft das Programm dort, heute hat die Schule 18 Partnerbetriebe. Laut Rektor Ralf Heinrich wird so nicht nur Schülern der Berufseinstieg erleichtert – auch die Schule profitiert, da durch den Austausch mit Unternehmen Bildung ganzheitlich angegangen werde.
Das Beispiel des Gymnasiums beweist aber auch, dass Bildungspartnerschaften nicht der Weisheit letzter Schluss sind. Rektor Heinrich sagt: „Mit nur einem großen Partner kann die Schule in Abhängigkeit geraten.“ Man ist daher nicht nur mit einigen großen Firmen sondern auch mit kleineren Betrieben Kooperationen eingegangen. Dass das Engagement des wohl größten Partners, des Zeitschalttechnik-Herstellers Grässlin – sogar so weit geht, dass Schüler bei Messen dabei sein und jedes Jahr vier Jugendliche an einem weltweiten Austauschprogramm teilnehmen dürfen, kann man dann guten Gewissens akzeptieren.