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Bad Dürrheim Nach Eklat: Enttäuschung bei der Sunthauser Feuerwehr

Die Feuerwehrabteilung Sunthausen ist enttäuscht. Nach eigenen Angaben enttäuscht darüber, dass Bürgermeister Walter Klumpp trotz seines Versprechens, nicht auf die Feuerwehr-Fahrzeug-Problematik einzugehen, dies doch tat. Nun sieht es so aus, als wäre das Tuch endgültig zerschnitten.

Den Feuerwehrmännern aus Sunthausen hat es am Samstagabend gereicht. Der Kassierer der Sunthauser Abteilung, Arno Engesser, ist maßlos enttäuscht: „Uns wurde bei einem Gespräch in der vergangenen Woche vom Bürgermeister zugesichert, dass das derzeitige Problem der Feuerwehr Sunthausen in dieser Versammlung keine Rolle in der Tagesordnung spielen soll.“ Außerdem sei den Feuerwehrmännern zu diesem Zeitpunkt zugesichert worden, dass es weitere Gespräche geben werde, in denen noch offene Fragen geklärt werden sollen. Engesser betont mehrfach, dass die Abteilung so vielzählig wie möglich bei der Wahl des Gesamtkommandanten aufgetreten ist, „weil wir Volker Heppler und Karl-Heinz Kienzle mit ordentlich vielen Stimmen wählen und ihnen den Rücken stärken wollten“.

Doch dann hielt Bürgermeister Walter Klumpp seine Ansprache und fand klare Worte – für die Sunthauser war damit der Bogen fast überspannt: „Das Fahrzeug entspricht nicht ganz den Vorstellungen der Abteilungswehren, aber es ist für den Einsatz im Rahmen unserer Konzeption absolut tauglich und entspricht den DIN-Vorschriften.“ Weil die Stadt auch andere kommunale Themen im Blick haben müsse, seien die finanziellen Anforderungen immens. „Ich bitte die Feuerwehrabteilungen um Verständnis und möchte heute alle auffordern, im Interesse eines für unsere Bevölkerung guten Brandschutzes weiter in guter Weise motiviert zusammenzuarbeiten.“
 

 
Heppler: "Müssen uns natürlich erst noch finden"
 
  • Der neue Gesamtkommandant Volker Heppler. | Bild: Naiemie
    Der neue Gesamtkommandant heißt Volker Heppler, ist gebürtiger Oberbaldinger, 41 Jahre alt, von Beruf Elektroniker und arbeitet bei Continental in Villingen.
     
  • Ein neuer Gesamtkommandant bedeutet Veränderungen. Was steht an?

    Im Bereich der Führung müssen wir uns natürlich erst noch finden. Vorab geführte Überlegungen gingen dahin, insofern eine neue Führungsstruktur aufzubauen, dass verschiedene Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt werden. Beim Einsatz und auch intern, damit nicht alles nur an zwei Personen hängt. Da Karl-Heinz Kienzle und ich aus den Ortsteilen kommen, muss zum Beispiel auch geklärt werden, wie wir beim Einsatz anfahren und das Kommandofahrzeug holen.
  • Vor welche Aufgaben sehen Sie sich als Erstes gestellt?

    In erster Linie sind es bereits laufende Projekte wie die Alarmierungsumstellung, die fortgeführt werden müssen. Der Kreis hat die Alarmierung umgestellt (die Alarmstichworte geändert) und diese muss jetzt örtlich angepasst werden. Hier soll ein neuer Bedarfsplan Soll- und Ist-Situation aufzeigen. Zum Beispiel: Welches Personal wird mit welchem Stichwort alarmiert und was muss man machen, um dieses Personal auch zu kriegen.
  • Und was steht sonst noch auf der Agenda?

    Weiter muss die Entschädigungssatzung angegangen werden. Es ist zu klären, ob weiter die Fortzahlung erfolgt, wie es jetzt der Fall ist, oder ob eine Direktauszahlung erfolgt. (sgn)


Ihm sei es ein wichtiges Anliegen, die Sunthauser Abteilung zu bitten, der Gesamtwehr treu zu bleiben. Die Sunthauser Feuerwehrmänner empfanden bereits das als „Schlag ins Gesicht“. Aber als dann auch noch Kreisbrandmeister Manfred Bau das Thema ansprach, war es zu spät: den Feuerwehrmännern platzte endgültig der Kragen, erzählt Arno Engesser. Die 31 Feuerwehrmänner verließen den Saal. Dem Vorwurf der anderen Kameraden, durch diese Aktion hätten sie bewusst in Kauf genommen, die Wahl platzen zu lassen, treten die Sunthausener energisch entgegen: „Niemand, wirklich niemand wollte die Wahl kippen. Keiner der Kameraden ging in der Absicht nach Oberbaldingen, die Versammlung vorzeitig zu verlassen.“
 

Gemeinsam seien alle noch viele Stunden im Feuerwehrgerätehaus gesessen. „Es herrschte blanke Enttäuschung.“ Emotional aufgeladen sei die Stimmung keineswegs, sagt der Abteilungskassierer. So wie auch zu keinem anderen Zeitpunkt. Die Abteilung stehe geschlossen zusammen und hinter ihrem Kommandanten. Aber welchen Ausweg es geben könnte, weiß auch er nicht. Nur: „Bis Samstag waren wir alle überzeugt, alle könnten mit einem Kompromiss leben und mit ein bisschen Diplomatie könnten alle ihr Gesicht wahren.“ Doch dazu sei es nun zu spät. „Ich kann mir vorstellen, dass langsam eine Austrittswelle anrollt.“
 

Der eigentliche Stein des Anstosses liegt nach Ansicht der Wehrmänner in der Sparentscheidung des Gemeinderats. Die vorhandene Ausrüstung wird von den Kameraden als „miserabel“ bezeichnet. Dennoch hätten sie durch Weiterbildung und Wettkämpfe in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, „dass wir nicht nur notdürftig einsatzfähig bleiben, sondern sogar vorbildlich ausgebildet, eine gute Truppe mit einer guten Altersstruktur vorweisen können. Wir haben nun die Faxen dicke. Die Feuerwehrkameraden haben es satt, immer nur abgespeist zu werden.“ Sparen sei lobenswert, aber man müsse nicht immer bei den Gleichen sparen. „Das Problem, das wir heute haben, ist auch nicht isoliert zu betrachten – es ist ein gewachsenes Problem.“

Bürgermeister Walter Klumpp sagte gestern, er habe zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts Weiteres unternommen. „Ich muss das alles erst einmal sortieren und hoffe, dass wir mit der Sunthauser Feuerwehr im Gespräch bleiben.“ Er hofft, noch einen Weg zu finden, „wobei mir klar ist, dass das nicht einfach wird“.

Die Sunthauser Feuerwehrmänner haben Anfang Februar mit geschlossenem Austritt gedroht, sollte die Stadt ein wasserführendes Fahrzeug mit Doppelkabine anschaffen. Sie bevorzugen eine teurere Variante mit integrierter Kabine, in der die Atemschutzgeräte während der Anfahrt angezogen werden können.

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Fahrzeug-Streit der freiwilligen Feuerwehr Sunthausen: Die Abteilung der freiwilligen Feuerwehr Sunthausen möchte ein Fahrzeug mit integrierter Kabine, in der sich die Feuerwehrmänner bereits auf der Einsatzfahrt mit Atemschutzgeräten ausrüsten können. Dieses Fahrzeug kostet jedoch 30.000 Euro mehr als die von der Stadt einkalkulierten 160.000 Euro. Am 31. Dezember wollen die Kameraden darüber entscheiden, ob sie deswegen geschlossen aus der Feuerwehr austreten. Im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie alle Artikel und Bilder rund um den Fahrzeug-Streit.
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