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Bad Dürrheim Im Gedenken an Anton Häring: „Er war ein großartiger Mensch“

Nach dem überraschenden Tod von Unternehmer Anton Häring erinnern sich Wegbegleiter, beruflich und privat, an den gebürtigen Bubsheimer. „Er war ein großartiger Mensch“, sagte etwa Freund Egon Dehner.

Anton Häring ist tot. Durch sein starkes soziales Engagement brachte er viel Gutes in die Kur- und Bäderstadt. Er ließ den Vereinen große Unterstützung zukommen. Durch sein Schaffen wurde aus einem Ein-Mann-Betrieb in der elterlichen Scheune in Bubsheim ein Unternehmen, das heute weltweit 3000 Mitarbeiter beschäftigt. Der in Bad Dürrheim wohnhafte Unternehmer verstarb am vergangenen Montag im Alter von 75 Jahren überraschend an einem Herzinfarkt.

Firmengründung in der Scheune

Geboren wurde Anton Häring am 3. Oktober 1940 in Spaichingen, wuchs im nahe gelegenen Bubsheim auf. Er absolvierte eine Lehre als Mechaniker und Techniker. 1961, im Alter von 21 Jahren, legte Anton Häring den Grundstein für sein heutiges Unternehmen in der Scheune auf dem elterlichen Grundstück, zuhause in Bubsheim. Dort stellte er Normteile wie Schrauben und Muttern mit zwei Abstechautomaten her. Schon bald, 1964, baute er die erste Betriebshalle in Bubsheim, und sieben Jahre nach Firmengründung stellte Anton Häring die ersten Auszubildenden ein, erzählt der Prokurist der Anton Häring KG, Robert Pemsel. Mittlerweile waren 14 Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt. Diese lagen Anton Häring besonders am Herzen. Er wird ihnen gegenüber als fürsorglich beschrieben, baute für sie etwa eine Betriebskantine, die eher einem Restaurant gleicht, und ließ ihnen bereits ab 1968 soziale Leistungen durch Renten- und Lebensversicherungen zukommen. Jedoch die Entscheidung, keinen Betriebsrat zuzulassen, brachte Häring Kritik ein.Nach und nach wuchs das Unternehmen, das sich auf Präzisionsdrehteile für sicherheits- und leistungskritische Komponenten der Automotive-Industrie spezialisiert hat. Zunächst am Standort in Bubsheim – heute arbeiten hier 660 Menschen – und dann in der Welt: Ein Werk wurde in Polen (1900 Mitarbeiter) eröffnet, eines in China (500 Mitarbeiter) und momentan ist eines in den USA in der Entstehung, 2017/18 soll Eröffnung sein.In seiner Firma wirkte Anton Häring bis zuletzt tatkräftig mit. Die Geschäftsführung hatte er bis zuletzt zusammen mit seinem Sohn Jürgen.Seine Mitarbeiter schätzten Anton Häring sehr. „Er war im positivsten Sinne ein Unternehmer des alten Schlags“, erinnert Prokurist Robert Pemsel. Er sei ein Vorbild gewesen, habe immer den richtigen Weg gefunden. „Man konnte viel von ihm und seiner Lebenserfahrung lernen und immer einen Rat erbitten.“Anton Häring schenkte dem Nachwuchs besondere Aufmerksamkeit und förderte ihn im Speziellen. Um eine bestmögliche Ausbildung zu gewährleisten, gründete er die Häring-Akademie, das Unternehmen hat Kooperationen mit Bildungseinrichtungen wie etwa der Spaichinger Berufsschule, der Erwin-Teufel-Schule. Hier war Anton Häring bis September vergangenen Jahres Vorsitzender der Interessengemeinschaft - 25 Jahre lang. Der Bubsheimer Unternehmer initiierte dort den Anton-Häring-Förder-Preis, der für die schulbesten Abschlüsse als Zerspanungsmechaniker, Industriemechaniker und Mechatroniker vergeben wird.

Starke Nachwuchsförderung

Anton Härings Einsatz für die Jugend war nicht unbedingt mit unternehmerischem Interesse verknüpft. Er sah den Nachwuchs als allgemeines Potenzial. So ließ der Unternehmer Hauptschülern an Samstagen eine zusätzliche Förderung zukommen, belohnte sie dafür mit einer finanziellen Anerkennung.Dieses Engagement hebt auch Dieter Teufel, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg in Villingen-Schwenningen, hervor: „Anton Häring war eine große Unternehmerpersönlichkeit, die vielen Menschen sichere Arbeitsplätze garantiert und der Jugend durch sein Engagement in der beruflichen Ausbildung Perspektiven gegeben hat.“ Teufel würdigt ihn als einen „Mittelständler und Familienunternehmer, dem die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg ungemein viel zu verdanken hat.“ Herausragend sei sein großes unternehmerisches, gesellschaftliches und ehrenamtliches Engagement sowie seine Umsicht, Heimatverbundenheit und sein Weitblick gewesen, so Teufel wörtlich.Sein Unternehmen war das eine für Anton Häring. Das andere war sein soziales Engagement. Den Bad Dürrheimer Vereinen ließ er großzügige Unterstützung zukommen. Dem Blasorchester beispielsweise ermöglichte Anton Häring neue Instrumente, die Narrenzunft bedachte er, ebenso wie den Geschichts- und Heimatverein – um nur einige zu erwähnen.Und durch seine Spende des Grundstocks konnte die Bürgerstiftung Bad Dürrheim überhaupt ins Leben gerufen werden. Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Hans Buddeberg, erinnert daran: Mindestens 50 000 Euro werden benötigt, um eine Stiftung gründen zu können. „Als Anton Häring diesen Betrag zur Verfügung stellte, war klar, dass die geplante Bürgerstiftung eine Zukunft hat.“

Häring ermöglichte Bürgerstiftung

Der langjährige Freund, Egon Dehner, dankte erst beim Stiftertag im vergangenen Jahr Anton Häring für seine Verdienste um die Bürgerstiftung. „Ich sagte in meiner Ansprache: Eigentlich müsste die Bürgerstiftung Anton-Häring-Stiftung heißen.“ Auch dass heute der Stifterbrunnen den Platz gegenüber vom Hindenburgpark ziert, ist dem gebürtigen Bubsheimer zu verdanken. „Er und seine Frau Irma haben den Ausschlag zur Verwirklichung gegeben“, berichtet Egon Dehner. Er weiß, was Anton Häring am Gedanken der Bürgerstiftung besonders gefiel: „Ursprünglich wollten wir eine Stiftung gründen, die auf Kunst ausgerichtet ist.“ Sie findet immer noch festen Bestandteil im Wirken der Stiftung. Und Kunst, dafür interessierte sich der Unternehmer sehr. „Er war großer Kunstsammler und hat die schönsten Gegenstände in seinem Haus“, erzählt Wegbegleiter Egon Dehner. Nach asiatischer Philosophie ließ Anton Häring seinen japanischen Garten anlegen. „Am Abend fütterte er immer seine Koi-Karpfen.“ Wichtiger Bestandteil im Leben des Unternehmers war auch die Religion. Pater Georg Augustin zählte zum Freundeskreis der Familie Häring.Entspannung fand Anton Häring beim Jagen und Golf spielen. „Mit seiner zweimotorigen Propellermaschine reiste der passionierte Flieger gerne nach Ascona, wo er ebenfalls Mitglied im Golf-Club war.“ Das exakte Abbild des Bad Dürrheimer Familien-Anwesens finde sich ebenfalls in dem idyllischen Ort am Lago Maggiore. Egon Dehner beschreibt Anton Häring als einen „großartigen Menschen. Er war der bedeutendste Mäzen Bad Dürrheims, der stillschweigend und ohne groß Aufsehen zu erregen viel bewirkt hat. Er war ein guter Freund.“Auch Bürgermeister Walter Klumpp behält Anton Häring als einen Menschen in Erinnerung, der viel für die Bad Dürrheimer Vereine und die Bürgerstiftung getan hat.Anton Häring hinterlässt seine Frau Irma, mit der er seit 1965 verheiratet war, sowie Sohn Jürgen und zwei Enkelkinder.

Die Trauerfeier für Anton Häring wird am kommenden Samstag, 9. Januar, in der katholischen Kirche St. Johann abgehalten. Beginn ist um 13 Uhr. Die anschließende Beisetzung wird im engsten Familienkreis stattfinden.


Große Auszeichnungen

Für sein großes unternehmerisches und soziales Engagement wurden Anton Häring große Auszeichnungen verliehen. So war der Unternehmer Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande, Träger der Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württemberg und hat 2010 die IHK-Ehrennadel in Platin – die höchste Auszeichnung der Industrie- und Handelskammer – erhalten. Außerdem war Anton Häring Ehrenbürger seines Heimatortes Bubsheim. (suk)

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