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Bad Dürrheim Der Mörder kommt aus Unterbaldingen

30.06.2012
Bad Dürrheim -  Sie schreit. Sie schreit nach Leibeskräften und wehrt sich gegen den Mann, der sie an ihren Haaren gepackt am Schwimmbadbecken entlang zieht.

Sechs Szenen werden während der Dreharbeiten im Minara aufgenommen. Dabei geht es um die Momente vor, während und nach dem (Film-)Mord an einer jungen Frau. Regisseur Alexander Dummer springt selbst ins Wasser und macht mit einer Stirnkamera Unterwasseraufnahmen. Gemeinsam schauen sich die Beteiligten die Aufnahmen an.  Bild: Kurz/ MOntage: Wenk

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Er gewinnt über sie und taucht mehrfach ihren Kopf in das sonst still ruhende Wasser. Das blonde Mädchen zappelt – der Mann ist stark. Ihre Zuckungen werden schwach und schwächer. Dann gleitet der Körper der jungen Frau ins Wasser und schwebt dort leblos.

„Danke“, schreit Alexander Dummer so laut, dass es auch die junge Frau unter Wasser hört. Elena Untenberger (19) taucht auf und lacht. Diese Szenen sind im Kasten. Die Kleider samt Schuhe kleben an ihr. „Das ist schon ein bisschen unangenehm“, sagt Elena und zieht noch im Wasser Schuhe und Socken aus. Draußen am Beckenrand des menschenleeren Minara steht Alexander Dummer. Er hat eine Kamera mit angebautem Bildschirm und schaut sich die Aufnahmen an. Dabei blickt ihm seine Freundin Sandra über die Schulter. Sie hält während der Dreharbeiten die Tonangel, ein Mikrofon mit Verlängerungsarm.

Alexander, 23 Jahre alter Filmstudent, begann gestern Morgen um fünf Uhr im Minara seinen Abschlussfilm „Blind Mind“ zu drehen. Insgesamt fünf Tage hat er dafür eingeplant. Die Geschichte, die er sich mit seiner Freundin Sandra Untenberger überlegt hat, handelt von einem Drogenabhängigen, der sich einen Heroin-Schuss setzt. Danach ist nichts mehr wie es einmal war: Für Jonathan Crinner verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Wahnsinn. „Der Film soll eine Warnung vor den Auswirkungen von Drogenkonsum sein“, erklärt er. Vor mehreren Monaten suchten sich die beiden Musikstücke aus, zu denen sie sich dann die Handlung und Szenen überlegten.

Als Darsteller hat der 23-jährige gebürtige Villinger Bekannte gewählt: Elena, das Mordopfer, ist die Schwester seiner Freundin. Diese wiederum ist eine „Schauspielkollegin“ vom mörderischen Barkeeper, Sebastian Gillmeister. „Wir waren in der Schule, dem Gymnasium am Deutenberg, gemeinsam in der Theater-AG und kennen uns daher“, berichtet Gillmeister. Der Unterbaldinger feiert zu dieser frühen Morgenstunde eine Premiere: es ist seine erste Rolle als Mörder.

Das still-unberührte Wasser spritzt plötzlich hoch und aus der Tiefe taucht jemand auf: Alexander Dummer macht Unterwasseraufnahmen. Mit einem Gummiband um seine Stirn befestigt er das Gerät. „Es sieht super aus, wenn du die Luft ausatmest“, sagt er und reibt sich das Chlorwasser aus den Augen. Die Ausstattung, diverse Kameras und Technikteile, gehören dem Filmstudenten. „Außer der Beleuchtung. Die hat einen Wert von mehreren zehntausend Euro. Ich habe mir sie geliehen.“

Als die Dreharbeiten um sechs Uhr vorüber sind, kommen bereits die ersten Frühschwimmer in das Bad. „Eine zeitliche Punktlandung“, sagt Alexander Dummer. „Aber um jetzt noch einmal ins Bett zu gehen, bin ich viel zu aufgekratzt. Ich mach mich jetzt an die Nachproduktion, schneide die Szenen und versehe sie mit Spezialeffekten.“ Insgesamt werden von dem Drehmorgen im Minara etwa zwanzig Sekunden zu sehen sein.

Dann, als die sechs Beteiligten, abgetrocknet und die Kisten gepackt sind, der Alltag ins Minara allmählich einkehrt, beginnt auch langsam der Tag in der Kurstadt. Die Marktstände werden vor dem Rathaus aufgebaut, Hunde werden spazieren geführt – und die Rasensprinkleranlage beim FC hat ihren Dienst für den Tag erledigt.

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