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Kultur:  Alice Cooper: Saufen für den Glauben

11.02.2012
Alice Cooper

Alice Cooper sieht seine Konzerte als «Fahrt mit der Geisterbahn». Foto: Hendrik Schmidt



Alice Cooper erlebte ein Wunder und kehrte zum Christentum zurück.

Alice Cooper. Schon der Name lässt an dicken schwarzen Kajalstrich denken, an blutunterlaufene Augen und an Gruselmonster unterm Kinderbett. Jede Meldung über den Musiker ist unweigerlich von dem Attribut „Schockrocker“ begleitet. In Sachen Schockrock ist Alice Cooper ein alter Hase, da macht ihm so schnell keiner was vor. Jüngst gab er wieder eine neue Kostprobe seines Könnens, als er in einem Interview anmerkte, seine Alkoholsucht im Nachhinein nicht vermissen zu wollen. Und warum nicht? „Weil sie mich zurück zum Christentum geführt hat.“ Saufen für den Glauben? That's shocking…

Schon Coopers panischer Kollege Udo Lindenberg behauptete: „Realität ist eine Illusion, die sich aus Mangel an Alkohol einstellt“, was ja im Umkehrschluss so viel bedeutet, dass uns der Alkohol Gewissheit verschafft, gemäß dem Wort „In vino veritas“ – Im Wein liegt die Wahrheit. Aber hilft das auch dem Glauben weiter? Und vor allem: trank Alice Cooper Wein?

Das Christentum hat ja traditionell ein eher gespaltenes Verhältnis zum Alkohol, wobei deren Vertreter feine Unterschiede machen: „Bier ist Menschenwerk, der Wein aber ist von Gott“, wusste beispielsweise Martin Luther. Und tatsächlich ist in der Bibel fast immer vom Wein die Rede, nicht aber von Whisky oder Wodka. Jesus als Rebstock und so, man kennt das ja. Der erste Winzer aber war Noah. Was genau er anbaute, wissen wir nicht, sicherlich irgendeine bodenständige Traube, die auch auf dem Berg Ararat gedieh, dort, wohin es Noah mit seiner Arche verschlug.

Allerdings trieb es Noah dann doch ein bisschen weit mit dem Weinkonsum. Die entsprechenden Zeilen in der Bibel klingen jedenfalls merklich nüchtern: „Und da er von dem Wein trank, ward er trunken und lag im Zelt aufgedeckt“. Will sagen: Noah war so betrunken, dass er vergessen hatte, sich etwas anzuziehen. Was seine beiden Söhne wiederum mächtig schockierte. Von hier bis zu Alice Cooper ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.

Zurück also zu Coopers schockierendem Glaubensbekenntnis. Seinen Angaben zufolge geht seine Wiedererleuchtung auf ein veritables Wunder zurück. Wer aber nun glaubt, dass Jesus persönlich ihm die Aufwartung gemacht hat, um ihm nach Art des Weinwunders sein Glas Wasser in einen Drink zu verwandeln, liegt völlig falsch. Es verhielt sich eher umgekehrt, also so, dass ihm der Wein zu Wasser verwandelt wurde: „Das Wunder war, dass Gott meine Sucht einfach wegnahm. Ich hatte nie wieder das Verlangen nach einem Drink. Ich konnte sofort Leuten gegenübersitzen, die tranken, und verspürte nicht das geringste Bedürfnis.“ Eine Art Wunderheilung, über die selbst die Ärzte staunten. Wer's glaubt… Doch wenn diese wunderbare Geschichte nicht wahr ist, so ist sie zumindest shocking gut erfunden.

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