Bei Städteplanung hat man lange Zeit nicht an Landschaft gedacht. Die Einbeziehung von Landschaft in die urbane Entwicklung wird in der heutigen Architektur indessen als bedeutsam anerkannt, weshalb auch die Internationale Bauausstellung (IBA) Basel 2020 hier einen ihrer Schwerpunkte setzt. Rund 250 Teilnehmer unternahmen beim Landschaftskongress am Freitag eine „Reise zur Landschaft“ im Dreiland.
„Die Landschaft und ihre Gestaltung bietet ein ungeheures Potenzial für die Renaissance der Stadt“, sagte Professor Angelus Eisinger am Ende der Reise, die mit Schiff und Bussen entlang des Rheins, aber auch auf den Tüllinger Berg führte und gemäß des Grundsatzes der IBA „Gemeinsam über Grenzen wachsen“ alle drei Länder berührte. Unterwegs gab es Vorträge zum Thema Städtebau und Landschaft und zu konkreten IBA-Projekten. Die IBA will die Trinationale Agglomeration Basel qualitativ weiterentwickeln, die grenzüberschreitende Kooperation verbessern und gemeinsame Trägerschafts- und Finanzierunsgmodelle entwickeln. Ein wichtiger Punkt dabei ist das Entdecken, Schaffen und Nutzen von Freiraumqualitäten der Landschaft. So stellte Emmanuel Jalbert beispielhaft das Projekt der Stadt Lyon vor, wo Brach- und ehemalige Industrieflächen entlang der Rhône zu einem städtischen Erlebnis- und Erholungsraum umgestaltet wurden. Lyon hat dafür allerdings 30 Millionen Euro aufgewendet.
Auch im Dreiland soll der Rhein, wie das in der Innenstadt von Basel bereits der Fall ist, stärker in das urbane Umfeld integriert und für die Menschen nutzbar gemacht werden, es sollen aber auch wertvolle Landschaften unter Schutz gestellt werden. „Erst wenn Stadt und Landschaft zusammen gedacht und entwickelt werden, lassen sich Bedürfnisse stillen und Konflikte lösen“, sagte Eisinger, der die romantische Landschaftsästhetik für kein zukunftsfähiges Modell hält. Man müsse dem Bürger die Möglichkeit geben, an den Fluss zu gelangen und man dürfe nicht etwa eine Entwicklung vom Primat des Autofahrens angehen, sondern müsse Alternativen aufzeigen, sagte er.
IBA-Projekte, die sich mit dem Zugang zum Rhein beschäftigen, gibt es mehrere. Von Rheinfelden bis Bad Bellingen gibt es Bestrebungen, Wege entlang des Ufers auszubauen. Der Landschaftspark Wiese, der mit der IBA weiterentwickelt werden soll, war ebenso Thema wie das Projekt „Schänzli“, wo an der Birs ein extensiv nutzbares Naherholungsgebiet mit der renaturierten Birs und der geschützten Auenlandschaft entstehen soll. „Wir sollten die Landschaft nicht als Restfläche der Siedlung begreifen, sondern als eigenständige Qualität aktiv entwickeln“, sagte Thomi Jourdan, Gemeinderat von Muttenz. Christian Renner, Leiter des Stadtbauamtes Weil am Rhein, stellte die „Entwicklungsvision – 3Land“ vor. Ziel dieses grenzüberschreitenden Großprojekts ist es, einen gemeinsamen Masterplan für das Gebiet zwischen Dreirosen- und Palmrainbrücke zu erstellen und als neuen Stadtteil in die Region einzubinden. Dabei spielt auch das Umnutzen des Basler Rheinhafens eine wichtige Rolle. „Der Fluss wird zum verbindenden Element, liegt im Zentrum und nicht mehr am Rand, er teilt nicht, sondern bringt zusammen“, sagte die Architektin Françoise-Hélène Jourda.
„Der Weg muss zurück zum Wasser führen“, fand Angelus Eisinger, der aber auch die Großzügigkeit der Weiden und Flächen am Tüllinger Berg hervorhob, die keinesfalls als Restflächen angesehen werden dürfen. Er stellte auch fest, dass man sich auf einem „terrain vague“ befinde und erst am Anfang eines Diskurses stehe. Aber: „Die Stadt muss in der Landschaft sein, und wenn nicht, dann wird sie auch nicht Stadt sein“, schloss Eisinger.