Mit der Eröffnung des Beobachtungspavillons am oberen Weiher am Wochenende erreicht der 2003 begonnene Ausbau einen vorläufigen Zwischenhalt. Entlang des Bahndammbogens von der Ponyweide bis zum Haupteingang ist der Park dann neu.
Noch sind die Handwerker eifrig am Hämmern und Schrauben. Bis zum Pro Specia-Rara-Bauernmarkt am Sonntag soll der hölzerne Beobachtungspavillon, neudeutsch „Hide“ genannt, am oberen Weiher fertig sein. Die Anlage bietet durch ein unverglastes Fenster und mehrere Scharten in verschiedenen Höhen Groß und Klein eine ganz neue Perspektive auf das Leben von Enten und Schwänen. In den kommenden Wochen werden im Pavillon noch Terrarien für drei typische Schilfbewohner eingebaut. Jene für Ringelnatter und Zwergmaus sind bereits finanziert. Für das Laubfrosch-Domizil fehlen noch 20 000 Franken. Damit der Hide wirklich zum Versteck wird, braucht der Erlen-Verein weitere 40 000 Franken für die Schilfbepflanzung. Neben Sponsoren und Gönnern ist der Verein für den Unterhalt des Parks auf die Unterstützung seiner derzeit 9500 Mitglieder angewiesen. Der Jahresbeitrag liegt bei 25 Franken. Der Unterhalt kostet 4000 Franken – pro Tag.
Entlang den Bogen des Bahndamms ist der Park mit der Eröffnung des Hide seit 2006 umgepflügt, schreibt Peter Lachenmeier, Präsident des Erlen-Vereins, in der Vereinszeitung. Derzeit laufen die Planungen für weitere Projekte, um den 2003 vorgelegten Masterplan im Detail weiterzuentwickeln. Das Augenmerk gilt beispielsweise dem in die Jahre gekommenen Parkrestaurant samt Spielplatz und Haupteingang. Im Betriebshof sollen moderne Futterküchen, Lager- und Sozialräume eingerichtet werden. Und wenn der Erlenparkwerg, der beliebte Strecke für Radfahrer aus und in Richtung Basel auf den Wiesedamm verlegt ist, kann der Park zum Fluss hin vergrößert werden, was Platz schafft, für neue Gehege, etwa für Wisent und Elch.
Vor allem zahlreiche Jungtiere ziehen die Blicke der Parkbesucher auf sich. Bei den Rothirschen etwa sind im Juli zwei Kälbchen zur Welt gekommen, Mitte August folgte ein Nachzügler. Der stellvertretende Tierparkleiter Urs Wassmer lockt den noch etwas scheuen Nachwuchs mit Futterwürfeln zum Pressefoto. Der Hirsch, der bereits erste Brunftschreie ausstößt, ist noch in einem abgetrennten Gehege. Erst Mitte September bekommt er Zugang zu den Hirschkühen, welche sich aber durch einen Sicherheitsschlupf für Ruhephasen zurückziehen können. Zu unerwarteten Attraktionen haben sich die beiden Spiegelkarpfen entwickelt, die nicht vom Erlen-Verein ausgesetzt wurden, sondern die jemand gebracht haben muss oder die auf natürlichem Weg ins die Gewässer des Parks gelangt sein müssen. Um den gesamten Fischbestand zu dokumentieren, werden die Weiher demnächst abgefischt.
Nachwuchs – zwei rasch herangewachsene Männchen – hat es auch bei den Uhus gegeben. Bereits verlassen ist nebenan der Storchenhorst. Die Störche sind bereits auf dem Weg nach Süden. Für die Tierpfleger ein untrügliches Zeichen, dass der Winter nicht mehr weit ist. Die im Juni geborene kleine Poitou-Eselstute wurde inzwischen auf den Namen Bonita getauft.
Der Erlen-Verein ist bemüht, die Tierhaltung qualitativ zu verbessern. Bisher wurden die Diepholzer Gänse am späten Nachmittag in den Stall gesperrt, um sie vor Räubern wie Fuchs oder Marder zu schützen. Nun haben sie davor einen Auslauf mit Drahtgeflecht bekommen. „Sie können selbst entscheiden, wann sie sich zum Schlafen ins Innere zurückziehen“, erläutert Edwin Tschopp, Geschäftsführer des Erlen-Vereins. Er hofft, dass die Tiere die Investition mit Nachwuchs danken. Auch beim neuen Meerschweinchengehege im Erlebnishof, das bis Sonntag fertig sein soll, installieren Basler Metallbaulehrlinge eine sichere Überdeckung mit gleichem Zweck. Die Fehkaninchen, bei denen die Meerschweinchen ausgezogen sind, sollen 2013 eine erhalten.
Immer wieder geht es tierisch zu am Hochrhein. Ob freilaufende Wölfe oder Diskussion um Hundekot, hier lesen Sie alle Meldungen rund um das Tier.