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Kanton Basel Narrenschiff will stürmischer See trotzen

14.08.2012
Kanton Basel -  Der Basler Schwabe-Verlag eröffnet die Buchhandlung wieder, obwohl das Internet enorm starke Konkurrenz bedeutet

Ein Blick von außen auf die geisteswissenschaftliche Oase.  Bild: DW

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Gedruckte Medien sind in der Defensive und der Buchhandel kämpft nicht weniger mit den Errungenschaften der digitalen Revolution, verschwindet dieser Tage nach und nach aus den zentralen Ladenzonen. Der Basler Schwabe-Verlag verhält sich da geradezu antizyklisch. Mit dem „Narrenschiff“, der bis vor kurzem im Basler Schmiedenhof untergebrachten und nun in der Steinentorstraße wieder eröffneten Buchhandlung, will der Verlag auch in stürmischen Zeiten Fahrt aufnehmen und sich dem Wind stellen, der nicht nur dem Basler, sondern dem Schweizer Buchhandel insgesamt scharf unter die Buchdeckel bläst.

Denn zur elektronischen Konkurrenz im Internet kommt noch der Sondereffekt des starken Franken dazu. Keine gute Zeit also für Buchhandlungseröffnungen. Dennoch ist Anne Rose Fischer, in der Verlagsleitung für Marketing und Vertrieb zuständig, verhalten optimistisch. „Das Buch wird nicht untergehen. Noch nie wurde ein Medium von anderen vertrieben“, sagt die in Kandern-Riedlingen lebende Deutsche. Dass es künftig keine Telefonbücher mehr geben wird, hält sie für keinen Verlust. Beim Lexikon ist sie gespaltener und glaubt, dass künftig beides Anhänger haben wird – die Online-Version und die auf Papier, nicht nur historische Lexika zum Stöbern und Schauen werde es weiter geben. Tatsächlich steht im eingeschossigen „Narrenschiff“ das dtv Taschenbuch-Lexikon, wie es einst oft zur Konfirmation verschenkt wurde. Überhaupt findet sich vieles hier, wo andernorts auf die Datenbank der großen Zwischenbuchhändler zurückgegriffen werden muss.

Schwabe ist ein altehrwürdiger Verlag, der sich gar auf Johann Gutenberg berufen kann. Johannes Petri, Drucker bei Gutenberg in Mainz, führte die schwarze Kunst auch am Oberrhein ein und ist Stammvater des Verlags. Noch immer hat der Verlag einen geisteswissenschaftlich-philosophischen Schwerpunkt und in den Regalen stecken die Werke der Geistesgrößen aller Jahrhunderte und aller Richtungen. Natürlich viel Nietzsche hier in Basel, wo der Gott-ist-tot-Philosoph zeitweise lebte und als Professor wirkte, Schopenhauer genauso wie Kant, auch der rumänisch-französische Denker Emile Cioran ist zu entdecken oder der Kult-Philosophe dieser Tag Slavoj Zizek. Selbstverständlich würdigt auch das „Narrenschiff“ den 50. Todestag des Deutsch-Schweizerischen Dichters Hermann Hesse. Genauso wie andere Schweizer Schriftsteller dieser Tage. Anne Rose Fischer setzt auf Vielfalt statt der Einfalt der Bestseller-Listen, wie sie sagt. Das „Narrenschiff“, das seit zwölf Jahren dem Schwabe-Verlag gehört, ist eine Oase der Geisteswissenschaft, unweit des Theaters. Ob es ein Wagnis ist, in Zeiten des Internet-Handels weiter auf lokale Präsenz zu setzen?

Marianne Sax, Verbandspräsidentin des Schweizer Buchhandels, sah das Buch bei der Eröffnungsfeier am Freitag als Medium immer noch vorne und den Buchhandel als Ort, wo sich Bücherliebhaber treffen und Buchhändler die sind, die Leser durch den Bücherdschungel leiten können. Der amerikanische Internet-Versand sei nur ein Logistikunternehmen, dem für den Export in die Schweiz auch noch der Mehrwertsteuerwegfall entgegen käme. Hinter der Firma storyworld.ch verberge sich ein Stuttgarter Zwischenhändler, der ebenfalls vom Wegfall der Mehrwertsteuer profitiere und die Schweiz, seit die Preisbindung aufgehoben ist, mit Dumping-Preisen überflute. Umso mehr freut sie sich über den Mut zur Nischenbuchhandlung wie das „Narrenschiff“ und stößt mit dem Verlag auf dessen Zukunft an, mit Sekt aus Müllheim-Britzingen übrigens.

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