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Kanton_Basel Eine Nacht mit Kunst und Kultur

16.01.2012
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Ein Freitag der Dreizehnte ist für manche noch finstrer als die Nacht. Die Veranstalter der zwölften Basler Museumsnacht legten diese auf den vermeintlichen Unglückstag und machten den Aberglauben neben dem programmatischen Sujet der dunklen Tageszeit in einigen Ausstellungen und Aktionen zum inhaltlichen Thema der nächtlichen Reise durch die Stadt.

Bis zwei Uhr zogen rund 30 000 Besucher durch die 38 beteiligten Museen und Gastinstitutionen in Basel und um Basel herum.

Um 18 Uhr fiel der Startschuss für diese zwölfte Nacht der Museen. Bereits einige Minuten später standen lange Schlangen vor der Fondation Beyeler in Riehen, im Hof wurden bereits heiße Würstchen und Glühwein serviert. Fürs Warten belohnt wurden die zahlreichen Gäste nicht nur mit einer schwarzen Melone zum Mitnehmen à la René Magritte, dessen Gemälde in der derzeit laufenden Surrealismus-Ausstellung in Riehen zu sehen sind. Vielmehr war es das Rätsel der surrealistischen Kunst selbst, das in Führungen, Workshops und Ratespielen zum Thema wurde und seine Parallele zeigte zur Unergründlichkeit des irrationalen Aberglaubens. Ob bei amüsanten Suchspielen in surrealen Bildwelten, Aktionen zum Thema Traumdeutung oder beim Kinderkunstkurs, in dem mit den Techniken der Frottage und Collage Fabelwesen und Monster aus Papier erschaffen wurden: Überall wurde deutlich, dass beide, der Surrealismus und der Aberglaube, der Realität ebenso poetisch wie beängstigend nahe kommen, wie sie sich auf die gleiche Weise von ihr distanzieren.

Das Museum.BL in Liestal nutze das Thema der Nacht zur Werbung für seine Sonderausstellung „Bschiss“. Diese widmet sich ab April dieses Jahres dem Lügen und Betrügen und fragt: Warum lügt der Mensch, welche Gefühle jagen den Lügner und wie fühlt sich der Betrogene? Doch auch wenn die Lüge nur eine Stiefschwester des Aberglaubens ist und andere Motive kennt als der Volksglaube vom Pech, kamen der Lügenbaron und der Astronaut, der kein Astronaut war, gut an auf ihrem Stand am Barfüsserplatz. Dort logen und veräppelten die beiden Schauspieler im Auftrag des Liestaler Museums, bis sich die Balken und vor allem die Kinder vor Lachen bogen. Heiße Kartoffelsuppe und warmer Kirschsaft für alle taten ihr Übriges, um die gute Stimmung in der eiskalten Januarnacht zu halten.

Nur ein paar Schritte weiter rannten die Besucher die Türen des Historischen Museums in der Barfüßerkirche ein. Dort wurden tierisch-musikalische Entdeckungsreisen von der Antike bis heute veranstaltet, eine Bildshow über die Kirche gezeigt und freilich war die neue Dauerausstellung „Wege zur Welterkenntnis“ zugänglich, die Bildteppiche, Münzen und archäologische Funde zeigt. Am dichtesten am Thema des Abends war auch hier das Kinderprogramm: Die kleinen Besucher konnten sich in einem Ratespiel bis Mitternacht auf die Suche nach den Zehennägeln des Teufels machen und jede Stunde den Geschichten über Drachen und Einhörner lauschen.

Dass auch die Medizin nicht unverschont blieb vom Aberglauben der Menschen, zeigte das Pharmazie-Historische Museum der Uni Basel: Dort demonstrierten nicht nur Apotheker, wie das Arbeitsleben ihrer Zunft vor 150 Jahren ausgesehen hat, sondern es wurde auch in einem extra angelegten Parcours die Beziehung zwischen pharmazeutischer Entwicklung und Geisterglaube erklärt, Amulette und Talismänner gebastelt und ein Spaziergang durch den Geisterwald unternommen: Vierblättrige Kleeblätter, Schornsteinfeger, Scherben – der spukig eingerichtete Wald erklärte, warum sie Glück bringen sollen, und gab Besuchern die Möglichkeit, eigene Vorstellungen von Glücks- und Pechbringern anzubringen. In die Zeit, als der Aberglaube noch den Alltag der Menschen bestimmte, führte auch das Puppenhausmuseum. Dass vor allem Jugendliche den Weg dorthin gefunden haben, lag möglicherweise am demonstrierten Fahrsimulator und Eyetracker, der Fahrverhalten unter Alkoholeinfluss simuliert. Vielleicht waren es auch Farbenblindheits- und Sehtest und die Demonstration optischer Täuschungen aus der Brillen-Sonderausstellung, die in ihren scheinbaren Verbindungen von sinnlich Erfahrbarem Verwandtschaft zum Volksglauben belegten. Oder es waren einfach die Teddys und die Puppen und die Faszination für ihre friedlichen Welten, die noch um Mitternacht für lange Schlangen vor den Puppenhäusern und verstopfte Treppenaufgänge sorgten.