Mein

Kanton Basel Eine Generation ohne Grenzen

13.10.2012
Kanton Basel -  Viele trinationale Studienanfänger folgen der Einladung von Regierungspräsident Guy Morin in das Basler Rathaus

Guy Morin hatte im Basler Großratssaal viele Hände zu schütteln.  Bild: MAHRO

Service
Artikel drucken  Artikel drucken
  Artikel versenden

  Newsletter
  RSS-Feed


So voll war der Basler Ratssaal lange nicht mehr. Mehr als 100 Studienanfänger in trinationalen Bachelor- und Masterstudiengängen, Professoren und Gründungsmitglieder waren der Einladung von Regierungspräsident Guy Morin zur Begrüßung in den ehrwürdigen Großratssaal des Basler Rathauses mit anschließendem Büfett gefolgt. Fünf grenzüberschreitend ausgerichtete Studiengänge bieten die Basler Uni und die Fachhochschule Nordwestschweiz derzeit an, zwei davon in Kooperation mit der Lörracher Dualen Hochschule.

„Und wie fühlen Sie sich auf dem Platz des Ratspräsidenten“, lacht Guy Morin gleich zu Beginn über die Schulter zurückblickend, hatten doch die Studierenden, kaum war das Halbrund der Parlamentariersitze gefüllt, ohne rechte Ehrfurcht auch alle übrigen Plätze eingenommen und es sich auch auf den Regierungsrängen bequem gemacht. Der Satz mit dem Morin am Ende seine zweisprachige Rede schloss, hätte hier schon den ersten bildhaften Aufhänger gefunden: „Sie sind die zukunftsweisende Generation, die mit Grenzen anders umgehen wird.“ Das taten sie. Der Großratspräsident, in dessen Aufgabengebiet auch die Pflege der Basler Außenbeziehungen fällt, war aber schon eingangs wieder ernst geworden.

Morin, der derzeit auch noch als Präsident des trinationalen Eurodistricts (TEB) fungiert, betonte gegenüber den Studenten und Studentinnen einmal mehr die Bedeutung der Agglomeration, die trotz der Grenzen einen funktionalen Raum bilde. Die Grenzgängerentwicklung seit 1999 nahm er zum Anlass, auf die Bedeutung der Kenntnis der Sprache des anderen hinzuweisen. Kamen doch von 26 000 Grenzgängern in Basel-Stadt damals noch 9500 aus Deutschland und 17 000 aus Frankreich. Von heute 35 000 täglich nach Basel einpendelnden Arbeitnehmern kommen aber inzwischen gleich viele aus beiden Ländern, woraus sich ein Zuwachs allein zugunsten der Beschäftigten aus Deutschland errechnet.

Auf die Bedeutung der hier gesprochenen Sprache hätte Morin indes nicht hinweisen müssen, hatten die trinationalen Studiengänge doch von je her und nicht zuletzt dem größten Lohn- und Gehaltsgefälle geschuldet, den größten Zulauf aus Frankreich.

Auch praktische Beispiele für die trinationale Zusammenarbeit zählte Morin einmal mehr auf und nannte neben den Tramverlängerungen nach Weil am Rhein und Saint-Louis und der Regio-S-Bahn auch die aus dem Schweizer Agglomerationsprogramm für 2015-2018 geforderte Summe von 2,7 Milliarden Schweizer Franken für Infrastrukturprojekte, von den viele über die Grenzen reichen. Wer aber die Jugend mit Argumenten und Beispielen anstiften will, sich mehrsprachig zu bilden, tut das am glaubhaftesten, indem er selbst über anderthalb Worte in der Fremdsprache hinauskommt.

Auch wenn Morins Muttersprache trotz seines Namens nicht Französisch ist, spricht er es fließend, was er den Studenten, mehrfach innerhalb seiner Rede zwischen den Sprachen wechselnd, denn auch bravourös demonstrierte. Für beides, Form und Inhalt der knapp 30-minütigen Ansprache zollte ihm das Auditorium brandenden Applaus.