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Kanton Basel Ein Blick in ferne Galaxien

03.09.2012
Kanton Basel -  Seit Urzeiten begeistern Sternenhimmel und Universum die Menschheit. In der Sternwarte St.

Auch bei Tage kann man interessante Beobachtungen machen. Bild:  Bild: privat

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Margarethen auf dem Basler Bruderholz können Besucher freitagabends dieser Faszination auf den Grund gehen und mit verschiedenen Teleskopen einen Blick zu den Sternen werfen.

Ein hellgrüner Strahl schießt in den Nachthimmel über Basel. Er jagt über die Fläche, bleibt einen Moment in der Dunkelheit stehen, dann erlischt er. Es ist Freitagabend und Besucherzeit in der Sternwarte St. Margarethen in Binningen bei Basel. Manfred Grünig hat den Strahl mit seinem extra starken Laserpointer losgeschickt, um die Sternenformation des Sommerdreiecks zu erklären. „Es besteht aus den Sternen Wega, Deneb und Altair", sagt Grünig.

Er ist Mitglied im Astronomischen Verein Basel (AVB), der seit 1954 die öffentliche Sternwarte St. Margarethen führt. Sie befindet sich hoch über den Dächern der Stadt, auf dem Gelände des ehemaligen Astronomischen Instituts der Universität Basel und lockt an klaren Freitagabenden zwischen 30 und 50 Besuchern an. Die können kostenfrei und unter Anleitung einen Blick durch die Teleskope werfen und den Sternenhimmel erkunden.

Knarzend dreht sich die holzverkleidete Kuppel der Sternwarte, als das Teleskop auf einen Stern nahe Wega ausgerichtet wird. Es ist ein Refraktor-Teleskop aus dem Jahre 1878. „Aber die Qualität ist auch heute noch gut", sagt Grünig. Ursprünglich stand der Refraktor im Bernoullianum, einem Departementsgebäude der Universität Basel. Aber irgendwann sei die Lichtverschmutzung in der Stadt so groß gewesen, das man es nach Binningen gebracht habe, erklärt Grünig.

Seit 1995 ist er Mitglied im AVB. „Ich habe mich schon immer für den Himmel interessiert, irgendwann wollte ich einfach mehr wissen", sagt der Hobbyastronom. So wie ihm geht es fast allen der rund 150 Mitglieder des Vereins, kaum einer hat beruflich etwas mit den Sternen oder dem Universum zu tun. Mit rund 30 Aktiven kümmert sich Grünig um das Gelände der Sternwarte, das bis 2007 vom Astronomischen Institut der Universität geführt wurde. „Aber die mussten aus finanziellen Gründen schließen", sagt Grünig. Seitdem kümmert sich der Verein alleine darum, dass die Besucher jeden Freitagabend einen Blick zu den Sternen werfen können.

Neben den öffentlichen Führungen bietet die Sternwarte auch private sowie Kindergeburtstage an. Da ist der AVB auch auf schlechtes Wetter vorbereitet. Das Ersatzprogramm läuft im Vereinsheim ab, per Beamer wird der Sternenhimmel an die Wand projiziert. „Wir können dann die komplette nördliche Hemisphäre sehen", sagt Manfred Grünig. „So, als würde man sich hier ins Gras legen und den Himmel beobachten." In der Simulation ist sogar die Kuppel der Sternwarte zu sehen. Einen Unterschied zum wirklichen Blick nach oben gibt es aber trotzdem. Denn der Himmel in der Simulation ist immer klar, die Aufnahmen sind gestochen scharf und man kann viel näher an die Objekte heranzoomen, als es mit den Teleskopen des AVB möglich ist.

Neben dem Betrieb der Sternwarte bietet der AVB aber auch etwas landesweit Einzigartiges an. In der vereinseigenen Werkstatt können Interessierte ihr eigenes Teleskop bauen. Zwei Werkbänke stehen in der Mitte des kleinen Raums, am hinteren Ende ist ein halbfertiges Fernrohr zu sehen. An der Wand hängen Baupläne, Werkzeug und Bücher liegen herum. An einer der Werkbänke steht Willem Alexander Jörg, der die Fernrohrbau-Kurse leitet. „In dieser Zeit entsteht eine persönliche Bindung zu dem Teleskop, die man bei einem gekauften niemals haben wird", erklärt Jörg. Das Interesse für die Astronomie sei schon während der Schulzeit entstanden, erzählt er. Inzwischen ist der gebürtige Niederländer seit 40 Jahren Mitglied im AVB.

Ein Mal pro Woche trifft er sich abends mit den maximal fünf Teilnehmern und arbeitet in der Werkstatt an den Teleskopen. Wer das komplett selber herstellen will, der muss mit einem Spiegelschleifkurs anfangen. Sechs Monate dauert der, in dieser Zeit schleifen die Kursteilnehmer das Rohmaterial mit anfangs groben und zunehmend immer feinerem Pulver. Sind die Spiegel perfekt, dann kann man sich an den Bau des eigentlichen Teleskops begeben. Der Kurs dauert noch einmal sechs Monate.

Wer die Zeit investiert, der spart ordentlich Geld. Denn ein maschinell gefertigtes Teleskop in vergleichbarer Qualität würde ungefähr 5000 Franken kosten, für die Marke Eigenbau werden gerade mal 1000 fällig, für den Kurs weitere 200. „Und die Qualität der Teleskope ist super", sagt Willem Alexander Jörg. Die Spiegel seien beispielsweise bis auf einen tausendstel Millimeter genau.

Inzwischen ist es 22.30 Uhr und Jupiter steht hoch am Himmel. Hoch genug jedenfalls, damit der Refraktor auf den Planeten ausgerichtet werden kann. Danach machen sich Grünig und seine Vereinskameraden auf die Suche nach Andromeda, der uns am nächsten Gelegene Galaxie. Ein schwaches Licht, ein Schimmer, ein Nebel, mehr ist kaum zu erkennen. Und doch ist es der Blick auf eine fremde Galaxis, und die ist nur eine von Milliarden weiteren im Universum.