Freiburg Winzer verdienen weniger
Die Verbandsspitze ist unzufrieden: „Die Einkommen der Winzer reichen bei weitem nicht aus“, räumt Weinbaupräsident Kilian Schneider ein. Unser Bild zeigt einen Weinberg bei Ehrenkirchen. Bild: Zurbonsen
Nach Einschätzung des badischen Weinbauverbandes müssen die Winzer dringend bessere Markterlöse erzielen und ihre Kosten senken, sonst können sich ihre Produkte und Betriebe nicht am Markt behaupten. Trotzdem sei die Lage der Weinbaubetriebe nicht so dramatisch, dass ein Winzersterben auf breiter Front drohe, sagte Hauptgeschäftsführer Peter Wohlfarth in der Neujahrspressekonferenz.
Die Einkommen der Winzer sind laut badischem Bauernverband von 19 129 auf 7403 Euro je Familienarbeitskraft (FAK) zurückgegangen. Mit diesem Einkommen liegen die Weinbauern mittlerweile am Ende der Einkommensskala der landwirtschaftlichen Betriebe. Sogar Milcherzeuger und Schweinemäster schnitten besser ab als die Winzer. Die in zahlreichen südbadischen Betrieben übliche Kombination von Wein- und Obstbau habe sich im Einkommen sogar stabilisierend ausgewirkt, so Bauernpräsident Werner Räpple. Im Gegensatz zu den Winzern haben sich die Bauerneinkommen in 2011 sogar leicht auf durchschnittlich 22 126 Euro verbessert.
„Die Einkommen reichen bei weitem nicht aus“, räumte Weinbaupräsident Kilian Schneider (Kaiserstuhl) gegenüber Journalisten ein. Den Beleg dafür lieferte Europas größte Erzeugerkellerei, der Badische Winzerkeller in Breisach. „Unsere Auszahlungsleistung ist unbefriedigend“, erklärten die Vorstände Axel Hahn und Wilfried Dörr mit Hinweis auf ihren Auszahlungspreis von 7300 Euro je Hektar. In der Ortenau und im Markgräflerland sollen die Auszahlungspreise durchschnittlich zwischen 10 000 und 12 000 Euro liegen, in Einzelfällen sogar über 20 000 Euro.
Ein Weinbauer benötigt mindestens 10 000 Euro je Hektar, um existieren zu können. Wenn nicht, sind die Folgen gravierend: Betreibe schließen, Flächen wandern ab, immer mehr Winzergenossenschaften müssen unterm Kostendruck kooperieren oder fusionieren, zuletzt die Erste Markgräfler Winzergenossenschaft Schliengen-Müllheim mit den Winzern vom Silberberg in Bahlingen.
Hoffnung macht das Jahrgangsergebnis aus 2011. Menge und Preise stiegen. Nach Darstellung des Verbandsgeschäftsführers Peter Wohlfahrt betrug die Gesamterntemenge im vergangenen Jahr rund 140 Millionen Liter (2010: 101). Die Qualitätsweinprüfung bestanden 12 973 Weine und 59 Perlweine sowie 459 Sekte. Das badische Gütezeichen wurde 2 901 Weinen verliehen. Diese Ergebnisse belegen laut Weinbauverband, dass Baden seinen Anspruch auf Qualität erfüllt. Mengenmäßig hat die Lese auf den Rebflächen der neun Anbaugebiete bis heute ständig zugelegt. Der Ertrag je Hektar stieg auf knapp 90 Hektoliter (Vorjahr: 64,5 hl/ha). Mehr Wein wurde in den vergangenen 20 Jahren nur 1992, 1998 und 1999 geerntet. Die höchste Erntemenge mit 135, 5 hl/ha wurde 1982 erzielt, die bisher geringste mit 34,4 hl/ha im Jahr 1980. Aufgrund von Frost- bzw. Dürreschäden fiel der Ernteertrag in Tauberfranken mit 20 hl/ha und im Kraichgau mit 67 hl/ha unterdurchschnittlich aus. Die Winzer im Markgräflerland ernteten mit 101,7 hl/ha die größte Menge und konnten so einen guten Vorrat für eine hohe Nachfrage anlegen. Die Leseergebnisse im Einzelnen: Am Bodensee wurden 80,1 hl/ha (Vorjahr: 66,2 hl/ha), im Markgräflerland 101,7 (76,8), am Tuniberg 98,3 (69,6), am Kaiserstuhl 93,6 (66,7), im Breisgau 80,2 (57,9, in der Ortenau 80,0 (59,5), im Kraichgau 67,0 (48,4), an der Bergstraße 60,0 (47,1) und in Tauberfranken 20,0 hl/ha (58,1) geerntet. Wegen der großen und qualitätsvollen Erntemenge verkleinerte sich der Anteil der Qualitätsweine von 65,8 auf 56,2 Prozent. Dagegen kletterte der Anteil der Prädikatsweine von 33,9 auf 43,5 Prozent, wobei besonders die Mengen an Kabinett, Spätlese, Auslese und Bärenauslese nach oben schossen. Die Tafelweine wurden mit 319 077 Litern (Vorjahr: 283 955) registriert.