Freiburg (kie) „Geschirrservice, Ton, Beleuchtung – an diesem Tag ist alles am Anschlag.“ Thomas Holtz, der Manager der Markthalle hat keine Zeit. Die haben die Besucher dafür umso mehr. An Heiligabend wird die ehemalige Druckerei zwischen Gerberau, Grünwälder- und Kaiser-Joseph-Straße zum Treffpunkt von Freunden und Cliquen. Appetitlich locken frische Früchte am Eingang zur Grünwälderstraße hin, doch das Ziel der nach Hunderten zählenden Gästeschar an diesem Mittag ist ein anderes.
Fast im Minutentakt köpfen Dominique Besset, ein gebürtiger Pariser, und seine Mitarbeiter unterm Kristallleuchter in der Mitte der Halle die Champagnerflaschen. Wohl der und dem, die sich bis hierher durchkämpfen konnten durch die Gruppen und Grüppchen, die sich um die Stände mit argentinischen und indischen, italienischen und badischen Spezialitäten lagern. Gedeckte Kleidung ist Trumpf, schließlich schneit es draußen unaufhörlich und bis zur Bescherung zuhause ist es nicht mehr weit.
Die Bescherung hat Claude Wisser schon jetzt: im Gedränge ist dem Schweizer Rotwein auf den Pullover gekippt. Er nimmt's gelassen. Seit ein paar Jahren verbringt er die Feiertage bei Freunden in der Stadt. „Der Besuch in der Markthalle an Heiligabend gehört einfach dazu“, sagt er. Letzte Einkäufe habe viele Besucherinnen und Besucher hinter sich gebracht, wie Einkaufstüten zwischen Menschen- und Stehtischbeinen beweisen. Und während draußen um 14 Uhr die Geschäfte zugesperrt werden, hinter Schaufenstern ein erstes Aufräumen beginnt, stecken hier drinnen die Menschen die Köpfe zusammen, damit angesichts des Geräuschpegels ein Gespräch überhaupt noch möglich ist.
„Jedes Jahr kommen mehr und mehr Leute. Auch viele ehemalige Freiburger. die jetzt anderswo leben, trifft man an dem Tag“, erzählt Dominique Besset. Probleme, genügend hilfreiche Hände an so einem trubeligen Tag zu finden hat er keine: Ehemalige Mitarbeiter melden sich und bieten ihre Hilfe an. So sorgen drei Träger für nichts anderes, als Leergut weg- und Nachschub an den Stand zu bringen. „Die Stimmung ist einfach toll“, sagt Besset – der Umsatz an diesem Tag wohl auch. „Geh'n wir oder nicht?“ Ein Pärchen entschließt sich gegen 15 Uhr den Champagner-Stand zu verlassen. Draußen im Martinsgässle treffen sie Freunde. Küsschen links, Küsschen rechts. „Jetzt erst mal eine Zigarette.“ Zugig ist es hier, die Wangen sind gerötet – vom Champagner oder der Winterluft oder von beidem.
Um 16 Uhr schließt die Markthalle, es dauert immer ein Weilchen, bis auch die letzten Gäste draußen sind.