Neuanfang im Freiburger Klinikum: Professor Jörg Rüdiger Siewert (71) aus Heidelberg und Reinhold Keil (52) aus Essen haben jetzt als Leitender Ärztlicher Direktor bzw. kaufmännischer Direktor die Führung des größten Krankenhauses in Südbaden übernommen.
Siewert ist ein international angesehener Chirurg und Klinikchef, Keil ein bundesweit gefragter Verwaltungschef. Zu ihren großen Aufgaben zählen der Start des gemeinsamen Herzzentrums von Freiburg und Bad Krozingen sowie die Umsetzung eines Bauprogramms mit dreistelligem Millionenaufwand im Klinikum.
Die neu berufenen Direktoren beenden das fast zwei Jahre lange Führungsvakuum im Vorstand. Der wurde seit März 2010 von einem kommissarischen Ärztlichen und Kaufmännischen Direktor geführt, nachdem Wolfgang Holzgreve und Frank Wertheimer nach Führungsquerelen von Aufsichtsrat und Wissenschaftsminister zum Rücktritt gedrängt worden waren. Professor Siewert hat 20 Monate lang neben seiner Aufgabe als hauptamtlicher Leitender Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik Heidelberg auch die des Leitenden Ärztlichen Direktors in Freiburg kommissarisch übernommen. Anja Simon führte vorübergehend die kaufmännische Direktion. Sie scheidet jetzt aus der Führung aus und sucht sich vielleicht anderswo eine neue Herausforderung, berichtete die Klinikleitung. „Wir wünschen ihr eine erfolgreiche Beerbung auf eine kaufmännische Direktorenstelle“, so Siewert, „sie hat gezeigt, dass sie es kann.“
Die neue Doppelspitze trat erstmals gemeinsam beim Neujahrsempfang in der Frauenklinik auf, wo sie förmlich von Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer in ihr Amt eingeführt wurde. Sie sprach von einer „hervorragenden Lösung“, die „kein Übergangsmodell“ sei, sondern „eines zum Durchstarten“. Der Rektor der Universität Freiburg, Professor Hans-Jochen Schiewer, versicherte, Professor Siewert und Reinhold Keil seien eine hervorragende personelle Antwort auf die zukünftigen Herausforderungen in Klinik und Lebenswissenschaften. Bauer sprach von einem neuen Kapitel nach einer langen Phase des Übergangs.
Das Führungsduo mit Siewert und Keil hat seine hohe Exzellenz schon nachgewiesen. „Bei beiden handelt es sich um sehr erfahrene und renommierte Klinikmanager“, sagte Theresia Bauer. Professor Siewert sei ein Wissenschaftler mit umfangreicher wissenschaftlicher und klinischer Erfahrung als Chirurg. Auch Reinhold Keil gehöre bundesweit zu den renommiertesten Klinikmanagern und werde gemeinsam mit Professor Siewert ein starkes und versiertes Führungsteam bilden, um das Uniklinikum Freiburg kompetent für die Herausforderungen der nahen Zukunft aufzustellen. Die Berufung durch den Aufsichtsrat erfolgte einstimmig.
Neu in Freiburg ist Reinhold Keil, 52-jähriger Wirtschaftswissenschaftler und Diplomkaufmann, der seit November 2001 als Verwaltungschef am Universitätsklinikum Essen arbeitete. Der bekennende Fußballfan von Schalke 04 zog mit seiner Familie um und ließ sich in Hinterzarten nieder. Im ersten Jahr seiner Amtszeit wird er daran gemessen werden, ob es ihm gelingt, das Klinikum weiterhin wirtschaftlich profitabel zu führen. Sein Vorstandschef Siewert sagte gegenüber der Presse, er strebe 2012 eine schwarze Null im medizinischen Bereich an.
Der Fokus des Vorstandes liegt auch auf dem Bauprogramm mit zahlreichen Neubauten (u. a. Operationszentrum, Radiologie, Krebsforschung, Kinderklinik), die voraussichtlich rund 350 Millionen Euro bis 2022 kosten werden. „Jetzt müssen wir zügig bauen, damit die Uniklinik Freiburg wieder an die Spitze in Deutschland kommt“, erklärte Siewert. Ohne beste Arbeitsbedingungen werde es schwer, so Siewert weiter, tatsächlich die besten Köpfe nach Freiburg zu holen. Es stehen laut Dekan Professor H. E. Blum 16 Berufungen an, darunter die Besetzung des Lehrstuhls für Onkologie. Wissenschaftsministerin Bauer versicherte, die Modernisierung in Freiburg sei unbestritten notwendig. Zur Rückkehr an die Spitze soll das schon seit Jahren vorbereitete gemeinsame Universitäts-Herzzentrum Freiburg-Bad Krozingen beitragen, das als größtes in Deutschland gilt und im Frühjahr 2012 endgültig an den Start gehen wird. Es biete die Möglichkeit, die Forschung auf internationalem Spitzenniveau zu befördern, sagte Rektor Hans-Jochen Schiewer.