Freiburg – Der seit 2008 laufende Preispoker um die 1993 gegründete Privatklinik für Tumorbiologie (KTB) in Freiburg geht weiter. Das landeseigene Universitätsklinikum Freiburg, das bereit ist, die Fachklinik und die 350 Mitarbeiter zur Ergänzung der eigenen Krebsforschung und Raumplanung zu übernehmen, konnte sich bisher mit dem Eigentümer, der privaten Marx-Median-Gruppe in Berlin, nicht auf einen Kaufpreis einigen.
„Man ist seit Mitte Januar wohl wieder im Gespräch“, sagte eine Uniklinik-Sprecherin, „es gibt aber noch keinen Abschluss.“ Freiburgs Bundestagsabgeordneter Gernot Erler (SPD) bot sich als Vermittler an, um den Erhalt der Arbeitsplätze sicherzustellen.
Zwischen Kaufangebot und Kaufpreisforderung soll derzeit weiterhin eine Lücke von drei Millionen Euro klaffen, teilte ein Betriebsrat auf einer Protestaktion mit. Das Universitätsklinikum habe 28 Millionen Euro für den Ankauf der KTB geboten, so ein Mitarbeiter, der Eigentümer verlange 31 Millionen Euro. Eigentümer der KTB, die vor 18 Jahren gegründet wurde, sind die Berliner Unternehmer Erich Marx und Axel Steinwarz von der privaten Marx-Median-Gruppe, die mehrere Kliniken und Reha-Zentren unterhält. Sie verhandeln seit über zwei Jahren mit dem Vorstand des Universitätsklinikums Freiburg über den Ankauf der vor 18 Jahren als hoffnungsvolle Krebsfachklinik gestarteten Tumorbiologie.
Freiburgs direkt gewählter SPD-Bundestagabgeordneter, Gernot Erler, sagte anlässlich der Kundgebung zu, sich für den Erhalt der Arbeitsplätze in Berlin und im Uniklinikum einzusetzen. Er sprach von einer langen Hängepartie und bot Mitarbeitern und Geschäftsführung seine Hilfe zur Problemlösung an. Der Betriebsrat und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kämpfen seit vielen Monaten um den Erhalt ihrer 350 Arbeitsplätze, die bei einem möglichen Verkauf der Privatklinik an die Universitätsklinik verloren gehen könnten.
Im Fall des geplanten Verkaufs der Klinik für Tumorbiologie seien die Arbeitsplätze gefährdet, da die Käufer nur die Immobilie übernehmen wollte, mutmaßten Gewerkschaft und Betriebsrat. Es sei ungeklärt, ob die KTB Tumorforschung GmbH mit ihren etwa 80 Beschäftigten und die Rehaklinik unter universitärer Trägerschaft weitergeführt werden könne. Die Uni-Klinik hatte tatsächlich wiederholt keinen Zweifel daran gelassen, dass sie hauptsächlich am Gebäude und an der Forschungsabteilung interessiert sei. „Ein Verkauf des Gebäudes wäre für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der KTB die schlechteste Lösung“, so Verdi, „dies würde eine Zerschlagung der KTB und ihres Konzeptes bedeuten.“
Vor dem Eingangsportal wurde jetzt schon die sechste Protestkundgebung abgehalten, um der Öffentlichkeit die Gefahr des Arbeitsplatzverlustes vor Augen zu führen. Es sei es derzeit völlig unklar, wie es mit der Tumorklinik weiter gehen werde, berichtete ein Betriebsrat. Ein Auftritt von Axel Steinwarz in einer Personalversammlung sei kurzfristig wieder abgesagt worden. Über den aktuellen Stand der Gespräche hatte zuletzt Freiburgs Interims-Uniklinikchef Professor Jörg-Rüdiger Siewert vor dem Jahreswechsel informiert. Dabei deutete er an, dass es noch eine Einigung über den Verkaufspreis geben könnte. Andererseits hielten die Eigner der Tumorklinik weiterhin an ihrer Preisforderung fest. Auch das Uniklinikum taktiert. Es verordnete den Gesprächen mit den Eigentümern zunächst eine Denkpause, stellte ihnen dann ein Ultimatum und nahm die Kontakte zur Marx-Median-Gruppe wieder auf. Konsens und greifbare Ergebnisse konnte es allerdings nicht erzielen. Vielleicht auch deshalb hat die Uniklinik Hoffnungen auf einen baldigen Abschluss der Verhandlungen über den Ankauf der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg aufgegeben. Es aktivierte Überlegungen für alternative Raumplanungen, die auf dem Gelände der alten Personalhäuser an der Breisacher Straße umgesetzt werden könnten.