Die Ermittler verschwiegen sechs Fälle unter anderem aus Opfingen und Hugstetten. Das sei aus „taktischen Überlegungen“ geschehen, erläuterte Polizeisprecher Karl-Heinz Schmid. Die Polizei versprach sich von ihrem Verhalten einen Fahndungsvorteil gegenüber dem Pferdeschänder. Eine betroffene Pferdebesitzerin durchbrach die Nachrichtensperre. Sie informierte die Medien und brachte so die Öffentlichkeit auf den tatsächlichen Stand der seit drei Monaten andauernden Tierquälereien.
Die bisher bekannt gewordenen 14 Fälle ereigneten im Breisgau, am Tuniberg und im Markgräflerland. Zum ersten Mal trat der Täter am 2. August in Vörstetten auf. Die Stute wurde an ihrer Hinterhand gefesselt, aber nicht verletzt. Offenbar sei der Täter gestört worden, teilte die Polizei mit. Wenige Wochen später wurde dieselbe Stute, die auf einen Hof in der March verlegt worden war, doch noch Opfer des Tierschänders. Die Polizei rätselt, ob das Zufall oder Absicht war? Der zweite Fall von Tierquälerei folgte am 13. August in Zähringen. Darauf folgten jeweils sechs Pferdeschändungen im September und im Oktober, darunter in Tiengen, Munzingen, zwei Mal erneut in Zähringen, in Opfingen, Weingarten, Staufen und Waltershofen sowie drei Mal in Hugstetten. In den meisten Fällen verwendete der Täter ein sehr scharfes Messer oder ein Skalpell, mit dem er den Stuten im Genitalbereich lange und tiefe Schnitte zufügte. Ein Pferd aus St. Georgen musste eingeschläfert werden, ein anderes, auch Tiengen, in einer Tierklinik in Iffezheim operiert werden.
In den vergangenen drei Monaten ist die Polizei nicht wirklich vorangekommen. Es herrsche überall Aufregung, weil der Täter noch nicht gefasst sei, räumte die Polizeidirektion Freiburg ein. Der Pferdeschänder schleicht sich schon seit Anfang August unbemerkt in Ställe und auf Koppeln, um Stuten mit Messern oder spitzen Gegenständen zu verletzten und sogar zu missbrauchen. Der Täter ist trotz 150 Hinweisen aus der Bevölkerung und intensiver Fahndungsmaßnahmen der Polizei noch auf freiem Fuß. „Wir können leider nicht alle Weiden und Ställe überwachen“, erklärte Polizeisprecher Karl-Heinz Schmid, Streifen seien jedoch rund um die Uhr auf Beobachtungsfahrten. Die auf zehn Mitarbeiter aufgestockte Ermittlungsgruppe „Koppel“ und auch die verstärkt eingesetzten Zivilfahnder konnten dennoch bisher noch keine heiße Spur entdecken. Der in der vergangenen Woche bei einem Pferdehof im Dreisamtal aufgespürte Mann scheidet als Täter aus. Er habe sich kein dringender Tatverdacht ergeben, bestätigte die Polizei, der Mann verfüge über ein wasserdichtes Alibi.
Die Pferdeliebhaber sind schockiert und in Angst und Schrecken um die Sicherheit ihrer Tiere. Die Aufregung sei groß und die Emotionalisierung hoch, stellte die Polizei fest. Diese Fälle lassen niemanden kalt, so Polizeisprecher Schmid, überall werde er auf diese Vorgänge angesprochen. Die meisten Pferde- und Stallbesitzer haben bereits Hilfe zur Selbsthilfe ergriffen. An vielen Pferdehöfen wurden Stallwachen eingerichtet. Von einer privaten Fahnderin kam auch der Tipp auf einen zunächst verdächtigen Mann im Dreisamtal. Sie griff nicht ein, sondern rief die Polizei. Polizeisprecher Mirko Steffl sagte: „Wir sind weiterhin auf die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger, Pferdebesitzer sowie aller Reit- und Pferdehofbesitzer angewiesen.“ Gleichzeitig warnte die Polizei vor „Hetzjagden“ auf mutmaßliche Täter. Sie riet zu Vorsicht und Besonnenheit bei Stallwachen.
Die Polizei ordnet die Serie von Tierquälereien einem sexuell motivierten Täter zu, einem so genannten „Sodomist“. Alle Tiere wurden an den Hinterläufen bzw. im Genitalbereich verletzt. Nach Einschätzung der Polizei muss der Täter gute Informationen und Ortskenntnisse besitzen, da er Tiere auch auf versteckt im Wald liegende Koppeln und sogar in bewachten Ställen angriff. „Und er müsse sich sehr sicher fühlen, da er Taten auch am helllichten Tag beginge, sagte Polizeisprecher Karl-Heinz Schmid.