Die öffentlichste Nase Freiburgs kriegt eine drauf – eine Maske nämlich. Immer wieder war der steinernen Erkerfigur an der Südostecke des Rathauses von Lieferautos die Nase abgeschliffen worden. Nun wird statt dauernder Nasenkorrektur ein komplettes Face-Lifting gemacht: Das gesamte Antlitz wird als Maske neu modelliert und kann bei einem weiteren Autounfall einfach ausgetauscht werden.
In der Werkstatt von Bildhauermeister Armin Hellstern auf der Haid stehen Objekte in allen Stadien der Restaurierung: Nepomuk-Statuen, Marienfiguren, Maßwerkteile. Mittendrin ein Steinkopf original aus dem Jahr 1545, dessen Gesichtsfront fast bis zur Unkenntlichkeit abgeschliffen ist. Eine Kopie des intakten Kopfes sitzt auf der Erkerfigur am Rathaus, da, wo die Rathausgasse beginnt. Seit es Lieferlaster gibt, die in die Gasse einbiegen, schwebt die herausragende Nase in höchster Gefahr: Alle naslang schrammt ein Laster vorbei und die Nase ist weg. Kaum ist sie aufwändig neu modelliert und anmontiert, kommt der nächste Laster – so geht das nun schon seit Jahren.
Weil so eine Nasenkorrektur nicht gerade billig ist, hat man schon viel überlegt und alles wieder verworfen. Nun machen Christine Paarmann-Steinmetz vom städtischen Gebäudemanagement als Nasenexpertin der Stadtverwaltung und Restaurator Armin Hellstern als Nasenexperte der Handwerker einen erneuten Anlauf. Ursprünglich hatten sie überlegt, eine täuschend ähnliche Maske aus Kautschuk oder Silikon zu fertigen. Das hat, so Hellstern bedauernd, gar nicht geklappt: „Da kriegen wir die Oberfläche nicht so hin, dass sie wie Stein aussieht, außerdem ist das ein Wabbelkopf.“
Jetzt aber haben sie das passende Maskenmaterial gefunden: Sand und Edelzemente. Die werden gemischt und gegossen, fertig ist das neue Gesicht, etwa fünf Kilo schwer und bald mit bombenfestem Silikat- oder Epoxidharzkleber an der Rathausfigur befestigt. Falls noch Make-up nötig sein sollte, kommt Silikatkreide zum Einsatz. Wenn nun ein Laster vorbeischrammt, zerspringt das Gesicht vielleicht, aber ein neues liegt in der Werkstatt von Armin Hellstern parat.
Früher, schätzt Hellstern, brauchte man für die Nasenkorrektur alles in allem etwa eine Woche und 3000 Euro, nun kostet das Face-Lifting einen Tag Arbeit und rund 450 Euro. Auch Christine Paarmann-Steinmetz hat wieder Hoffnung geschöpft, dass das Dauernasenproblem kleiner wird. Ende nächster Woche soll das erste Steingesicht Premiere haben; dann wird es an die Erkerfigur geklebt, die wieder mal ihre Nase verloren hat. Hellstern hat übrigens eine Idee, wozu so ein Antlitz noch gut sein könnte: „Wär' das nicht eine schöne Maske für eine neue Rathaus-Zunft? De Steinäpfel von Freiburg!“