Mein

Freiburg Konflikt um Rheintalbahn erfolgreich entschärft

Freiburg – Der Konflikt um die Rheintalbahn entspannt sich. Bahn und Bürger rücken im Oberrheintal wieder enger zusammen.

Beifall für Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon für eine couragierte Rede zur Rheintalbahn.
Beifall für Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon für eine couragierte Rede zur Rheintalbahn. | Bild: Bild: Zurbonsen

„Es müssen alle an den Tisch und alles auf den Tisch“, sagte Bahnchef Rüdiger Grube anlässlich seines dritten Besuchs an der Rheintalbahn, wo er zusammen mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus einen symbolischen Startschuss für Probebohrungen für einen Güterzugtunnel unter Offenburg vollzog. Beide sagten auf ihren Stationen in Offenburg, Kappel-Grafenhausen, Herbolzheim, Buggingen und Bad Bellingen zu, sich ernsthaft und ohne Vorbehalte um die beste Güterzuglinie durchs Oberrheintal zu suchen.

Nach Abschluss der Goodwill-Tour zog Mappus eine positive Bilanz. „Der konstruktive Dialog zeigt, dass wir auf dem Weg zu einem bürgerfreundlichen Ausbau große Fortschritte erzielt haben“, so der Ministerpräsident. Er forderte den Freiburger grünen Oberbürgermeister Dieter Salomon auf, die Grünen im Landtag davon zu überzeugen, dass die Rheintalbahn auch aus dem Landeshaushalt mit finanziert werden müsse, was diese als verfassungswidrige bezeichnet hatten. Bahnchef Rüdiger Grube wiederholte seine Zusage, die Rheintalbahn nicht gegen die Widerstände der Bürger zu planen und zu bauen. „Es ist ehrlich gemeint, wenn ich sage, dass wir ergebnisoffen die beste Lösung suchen“, versicherte der Bahnchef.

Landesverkehrsministerin Tanja Gönner lobte die Versprechungen. „Ich bin froh darüber, dass Bund und Bahn inzwischen von der Notwendigkeit überzeugt sind, die Menschen bei den Ausbauplänen mitzunehmen“, sagte Gönner. Ob das in der Gemeinde Kappel-Grafenhausen und deren Nachbarschaft gelingen wird, ist nicht sehr wahrscheinlich. Elf Bürgermeister kämpften im vollbesetzten Rathaus von Kappel gegen eine autobahnparallele Güterzugtrasse über ihren Gemeindegrund und für die Verwirklichung der Bahnplanung, die mitten durch Lahr, Ettenheim, Herbolzheim und Kenzingen führt. Ihr Motto: Die Bahn müsse an die Bahn und dürfe nicht an die Autobahn. Dafür gebe er sogar sein letztes Hemd, sagte der Sprecher einer Bürgerinitiative, der prompt sein schwarz-gelbes Protest-T-Shirt („Bahn an die Bahn“) auszog und es dem Bahnchef schenkte. Dagegen mahnte Herbolzheims Bürgermeister Ernst Schilling Bahn und Land: „Schauen Sie nicht auf die Bürgermeister, sondern auf die Bürger.“ Trotz der Widersprüche zwischen Kappel-Grafenhausen und Herbolzheim ist der Konflikt um die Rheintalbahn entschärft worden. Der Stimmungswandel am südlichen Oberrhein trägt nicht nur den Namen Rüdiger Grube. Die Fortschritte beim bürgerfreundlichen Aus- und Neubau verdankt die Rheintalbahn maßgeblich dem Konflikt ums Bahnhofsprojekt in Stuttgart. Bahn und Landespolitik legen plötzlich großen Wert darauf, dass sich „Baden 21“ nicht zu „Stuttgart 21“ entwickelt. Zur Problemlösung am südlichen Oberrhein hat vor allem der vor anderthalb Jahren von Bund, Bahn und Land eingerichtete und auch mit regionalen Vertretern besetzte Projektbeirat gestellt.

„Auf dieser Basis wollen wir in den regionalen Arbeitsgruppen den offenen und Lösung orientierten Dialog fortsetzen und besonders beim Lärmschutz Fortschritte erzielen“, so Landesverkehrsministerin Tanja Gönner. Nach Ansicht der Bürgerinitiativen kommen zukünftig weder Bund noch Bahn an Empfehlungen und Entscheidungen des Projektbeirates vorbei. Grube und Mappus ließen sogar durchblicken, dass sie die Bildung eines Projektbeirates nach dem Vorbild vom südlichen Oberrhein zukünftig bei allen Großprojekten – nicht nur bei denen der Bahn – befürworten würden. Die betroffenen Bürger müssten von Anfang an allen Planungen beteiligt werden, so empfahl Mappus.

Nach den Sommerferien wollen Grube und Mappus wieder in den Oberrheingraben kommen. Jetzt schon ist der Konflikt um die Rheintalbahn erfolgreich entschärft worden. Dafür ernteten Bahn und Land viel Beifall der Bürger – und auch der Bürgerinitiativen. „Es war ein erfolgreicher Tag für unsere Anliegen“, sagten die Sprecher der Bürgerinitiative „IG Bohr“. Trotz der aufgeweichten Fronten wird die neue Güterzuglinie nicht so schnell wie geplant kommen. Adalbert Häge von „Igel“ in Freiburg bleibt skeptisch: „Ich rechne mit einer Fertigstellung nicht vor 2025 bis 2030!“

Ihre Meinung ist uns wichtig
Besonderes vom Bodensee
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
Buchenbach
Freiburg
Freiburg
Freiburg im Breisgau
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren
    Jetzt Newsletter anfordern:
    © SÜDKURIER GmbH 2017