Freiburg (wol) Mika Ginzler und Michl Glimsche laufen aufgeregt zwischen den hölzernen Barhockern und Tischen umher. Aufmerksam und konzentriert schauen sie sich um, immer auf der Suche nach ihrem nächsten Verhandlungspartner. In der Hand halten sie, fest umklammert, ihre für sie so kostbare Ware: einen dicken Stapel Panini-WM-Fußballbilder. Die neun und zehn Jahre alten Jungs ziehen durch den nur spärlich beleuchteten hinteren Gastraum der Kneipe „Tacheles“. Derzeit treffen sich hier jeden Donnerstag Sammler von Panini-Bildern zu einer Tauschbörse.
Mehr als zwanzig Menschen sind dieses Mal gekommen – vom neunjährigen SC-Freiburg-Fan über die Diätassistentin bis zum Geologen. Ganz unterschiedliche Menschen, die eines gemeinsam haben: das Sammelfieber.
Dietmar Eck ist weniger entspannt als die anderen Tauschenden. Der 38-jährige Sozialarbeiter steht unter Zeitdruck. Seine Frau will ihn abholen, sie wollten schon vor zehn Minuten gehen, aber er will einfach nicht fertig werden. Sie lehnt derweil an der Theke und rollt ein wenig genervt mit den Augen. Sie hat bereits geahnt, dass es so kommt. „Er ist einfach ein Fußballverrückter. Und bei den Sammelbildchen kommt bei ihm das Kind im Manne durch“, sagt sie.
Eine Weile wird sie noch auf ihn warten müssen und teilt damit das Schicksal mit einem jungen Mann, der im Nebenraum sitzt. Der wollte eigentlich mit einer Freundin einen Kaffee trinken gehen, aber jetzt sitzt er ganz allein vor seinem Cappuccino.
Die Freundin ist leidenschaftliche Panini-Sammlerin, und bevor sie nicht ein paar gute Tauschgeschäft abgeschlossen hat, ist an gemütlichen Kaffeeklatsch nicht zu denken.
Viele der älteren Börsenbesucher sammeln bereits seit den frühen achtziger Jahren. Das allererste Sammelalbum der Marke Panini erschien schon 1961 in Italien, damals mit Spielern der Mannschaften der ersten italienischen Liga. Zur Fußballweltmeisterschaft 1970 in Mexiko wurde dann das erste WM-Album aufgelegt, zunächst nur für den italienischen Markt. In Deutschland gibt es die Klebebilder seit 1974 zu kaufen. Wer ein Album aus diesem Jahr besitzt, kann damit richtig Geld verdienen – sofern das Sammlerherz es zulässt, die Kollektion zu verkaufen. Beim Internetportal ebay bieten Menschen mehr als 250 Euro für ein komplettes Heft aus der Zeit. Zur WM 2010 sind laut Panini-Pressestelle weltweit eine Milliarde Tütchen mit fünf Milliarden Bildern im Umlauf, bei der letzten WM 2006 wurden allein in Deutschland 160 Millionen Tütchen verkauft, von der aktuellen WM-Kollektion bislang 120 Millionen.