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Freiburg Freiburg wächst rasant an seine Grenzen

24.04.2010


Freiburg – Von Krise in Freiburg keine Spur. „Freiburg bleibt auch im Jahr nach dem größten Einbruch der deutschen Wirtschaft in der Nachkriegsgeschichte weiter auf Erfolgskurs“, teilte die Freiburg Wirtschaft, Touristik, Messe GmbH (FWTM) mit.

Die Zahl der Arbeitsplätze wächst, die Arbeitslosenquote sinkt. Es wird aber immer schwieriger, die Bürger und Neubürger mit preiswertem Wohnraum zu versorgen. In vielen Fällen müssen die Einwohner schon 43,8 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Miete aufwenden.

Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon räumte Defizite bei der Versorgung mit preiswertem Wohnraum in Freiburg ein. Er sagte in einer Pressekonferenz jedoch zu, dass die Stadt alles unternehme, mehr sozialen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Dabei gehe es jedoch nicht nur um Mietwohnungsbau, sondern auch um bezahlbare Eigentumswohnungen und Reihenhäuser. Salomon widersprach Forderungen nach einem neuen Stadtteil nach dem Vorbild von Vauban oder „Rieselfeld“, wo rund 12 000 Menschen Wohnung auf der grünen Wiese gefunden haben. Der OB sage mit Hinweis auf den bestehenden Flächennutzungsplan und Naturschutz: „Es kann kein neues Rieselfeld geben.“ Der OB setzt auf Nachverdichtung, die bis 2020 ausreichen werde, die Bürgerschaft mit ausreichend Wohnraum zu versorgen.

Freiburg wächst seit über 20 Jahren: von 178 672 Menschen in 1987 auf 219 892 im vergangenen Jahr. Der Bevölkerungszuwachs soll bis 2015 weiter gehen und erst nach 2020 zurückgehen. Um Wohnraum zu schaffen, hat die Stadt aktive Wohnungspolitik betrieben, indem sie unter anderem im aktuellen Flächennutzungsplan brach liegende Wohnungsbauflächen aktivierte, den Bau von Wohnungen förderte und Haushalte mit niedrigem Einkommen finanziell unterstützte. An diesem Weg einer aktiven Wohnungsbauförderung will die Stadtspitze weiter festhalten, um damit das Angebot auszuweiten und den Anstieg des Mietniveaus einzudämmen.

Freiburg verfügt über rund 9000 eigene Wohnungen und 5900 Belegungsrechte. Dennoch forderte Wirtschaftsförderer Bernd Dallmann weitere Anstrengungen. Er bezeichnete die Beschaffung von preiswertem Wohnraum als größte kommunalpolitische Herausforderung der nächsten Jahre.

Es besteht tatsächlich Handlungsbedarf im Mietwohnungsbau besteht. 920 Haushalte stehen in der Notfallkartei des Amtes für Wohnungswesen und suchen dringend eine neue, bezahlbare Wohnungen, die knapp sind. 2007 und 2008 herrschte beinahe Stillstand im Mietwohnungsbau. Aktuell werden von öffentlichen und privaten Bauherren 293 Sozialwohnungen unter anderem im Rieselfeld, im Vauban und an der Berliner Allee mit großzügiger Unterstützung des Landes in Höhe von 23,7 Millionen Euro gebaut. Damit flossen rund 96 Prozent der Landesmittel nach Freiburg, was für eine professionelle Arbeit des Amtes für Wohnungswesen sprach. Im laufenden Jahr will das Land seine Förderung auf 12,5 Millionen Euro halbieren.

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen sei es gelungen, betonte der Wirtschaftsförderer, neue Arbeitsplätze zu schaffen, die Kernkompetenzen (Gesundheit, Umwelt, Mikrosystemtechnik) erfolgreich weiter zu entwickeln und das positive Image des Standorts als „Green City“ international auszubauen. Während die Arbeitslosenquote mit 6,4 Prozent auf die niedrigste Rate und damit auf rund 6500 Arbeitslose im Frühjahr 2010 seit 20 Jahren gefallen sei, hätte sich die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im gleichen Zeitraum um 23,2 Prozent auf 101 167 verbessert und damit auch Baden-Baden (plus 17,2Prozent), Heidelberg (plus 14,5), Ulm (plus 11,7), Karlsruhe (plus 9,1) und sogar den Landesdurchschnitt (plus 8,4 Prozent) übertroffen. „Wir haben in den vergangenen 20 Jahren eine ausgesprochen positive Entwicklung hinter uns, die keine andere Stadt in Baden-Württemberg vorzuweisen hat“, bilanzierte Wirtschaftsförderer Bernd Dallmann von der FWTM GmbH. Freiburg habe eine „signifikant bessere Entwicklung“ genommen als zum Beispiel Stuttgart, Mannheim und Heilbronn. „Kein anderer Standort im Südwesten Deutschlands verwertet die bestehenden Chancen und Potenziale so gut wie Freiburg“, lautete das Eigenlob der FWTM.