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Freiburg Festliche Weihnacht hinter Gittern

Die Fenster sind vergittert, doch hin und wieder geht im Knast ein Türchen auf – nicht nur in der Adventszeit.
Die Fenster sind vergittert, doch hin und wieder geht im Knast ein Türchen auf – nicht nur in der Adventszeit. | Bild: Schneider

Freiburg (goe) Lange Tische mit Kuchen und belegten Brötchen stehen in der Sporthalle, in einer Ecke füllen Helfer Kaffee in Thermoskannen, vorne auf der Bühne kündigt der Moderator gerade einen Chor an. „Frohe Weihnachten“ steht in großen, grünen Buchstaben an der Wand unter dem Basketballkorb, ringsum zwischen den vergitterten Fenstern kleben Sterne aus Aluminiumpapier. Die Häftlinge des Freiburger Gefängnisses feiern Weihnachten. Der freundliche Herr mit kurzen grauen Haaren und Brille, der das Bühnenprogramm moderiert, heißt Manfred Leonhard Hermges. Bei den jährlich stattfindenden Wahlen haben ihn seine Mithäftlinge zu einem von fünf Insassenvertretern gemacht. Eine seiner Aufgaben: Mit der Anstaltsleitung die Weihnachtsfeier zu organisieren.

„Das Programm wird weitgehend von Gefangenen gestaltet“, sagt Hermges. Die Gefängnis-Gitarrengruppe, die ein ehrenamtlicher Mitarbeiter von draußen leitet, hat ebenso ihren Auftritt wie ein Solotrompeter, der auch zu den Häftlingen gehört. Dazu kommen Gäste von draußen, zum Beispiel der Swingchor Freiburg, den Hermges gerade anmoderiert hat. „Die Weihnachtsfeier und das Sportfest im Sommer sind die eigentlichen Highlights des Jahres“, sagt er. „Da kann man mal vom Knastalltag abschalten.“

460 Männer leben im Haupthaus des Freiburger Gefängnisses, 320 sind zur Weihnachtsfeier gekommen – und 86 von ihnen haben Besuch: Jeder Gefangener darf zur Weihnachtsfeier einen Gast einladen, wenn es sich dabei um einen engen Verwandten handelt und die Person der Anstaltsleitung bekannt ist, zum Beispiel durch regelmäßige Besuche. Die meisten Häftlinge haben ihre Frauen zu Gast, zwischen den langen Männerreihen an den Tischen sitzen immer wieder Paare. Die Stimmung ist locker, es wird Kuchen gegessen und viel geredet, vorne an der Bühne auch geklatscht und mitgesungen. „Während einer Weihnachtsfeier ist noch nie etwas vorgefallen“, sagt Thomas Rösch, der Anstaltsleiter, „nicht mal eine Schlägerei.“ Und Hansjörg Schwaab, der Leiter des Vollzugsdienstes, ergänzt: „Da achten die Gefangenen selbst drauf.“ Manche helfen auch mit beim Auf- und Abbau, sagt Schwaab: „Meistens langstrafige Häftlinge aus der Sportgruppe – allein könnten wir das gar nicht bewältigen.“ Auch diese Weihnachtsfeier bleibt entspannt; einziger Zwischenfall: Einige Häftlinge rauchen heimlich auf der Toilette, denn in den Gemeinschaftsräumen des Gefängnisses herrscht inzwischen Rauchverbot. Sie werden entdeckt, bevor der Rauchmelder Alarm auslöst. Zum Abschluss der Feier spielt der chilenische Sänger Marco de Lahuen, der in Freiburg lebt. Im vorigen Jahr war er auch schon hier, eine Freundin hatte den Kontakt hergestellt. „Die Stimmung ist wunderbar“, sagt er, „keine Aggression, sehr intensiv.“ Zu Beginn hat er auch schon gespielt, ein paar Balladen. „Jetzt gebe ich noch mal richtig Gas“, sagt er, „ich spiele mit all meiner Power.“ Das kommt an: Das Publikum klatsch begeistert.

Die Feier, sagt Anstaltsleiter Rösch, sei ein Gemeinschaftsereignis für die Häftlinge: Menschen aus 52 Ländern leben im Gefängnis, 20 Prozent sind Muslime, sie alle hören zusammen Lieder und essen belegte Brötchen. Die gehören ebenfalls zu den Attraktionen der Feier: „Der Käse, die Wurst, auch der Kuchen – das kommt alles von draußen“, erklärt Hermges. „Das sind Sachen, wie wir sie sonst nicht kriegen.“

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