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Freiburg Fachkräftesuche in Moschee

15.06.2012
Freiburg -  Konkrete Schritte zum Abbau des Fachkräftemangels in den Unternehmen am südlichen Oberrhein hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Freiburg eingeleitet. Sie verabredete Kooperationen mit der türkisch-islamischen und alevitischen Gemeinden in Offenburg, der Fachhochschule Offenburg und mit dem Goethe-Institut in Barcelona.

Bauboom: Dem Baugewerbe in Südbaden scheint derzeit die Sonne, was auf eine stabile Konjunktur schließen lässt.  Bild: Zurbonsen

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Wie IHK-Präsident Steffen Auer (Lahr) in einer Pressekonferenz in Freiburg prognostizierte, könnten auf dieser Ebene bis zu 3000 Fachkräfte mit guten Deutschkenntnissen in drei Jahren gewonnen werden.

Bis zum Jahr 2015 fehlten am südlichen Oberrhein ungefähr 30 000 Fachkräfte in den über 50 000 Betrieben zwischen Achern, Auggen und Unadingen. Gesucht werden jedoch nicht nur Ingenieure, sondern auch Köche, Hotel- und Restaurantfachleute, Mechatroniker und Berufskraftfahrer. „Wir können allein das Problem nicht lösen und nur einen kleinen Beitrag zur Beseitigung des Fachkräftemangels leisten“, sagte Auer, „zuerst müssen sich die Unternehmen selbst um ihre Fachkräfte kümmern.“ In vielen Betreiben sei der Fachkräftemangel jedoch „noch nicht ganz oben angekommen“, da der doppelte Abi-Jahrgang das Problem überdecke, so Auer.

Die IHK trägt mit ihren aktuellen Aktivitäten in der Ortenau und Katalonien gezielt dazu bei, die Firmen für den Fachkräftemangel zu sensibilisieren. Auer will nach eigenem Bekunden während seiner Amtszeit (bis 2016) durchschnittlich 1000 neue Fachkräfte jährlich in den Kammerbezirk holen. Die sollen zum Teil unter Studienabbrechern in der Hochschule Offenburg (zirka 200) und auch in Barcelona (zirka 100) gewonnen werden, wo vom Goethe-Institut bereits Deutschkurse für arbeitslose und wechselwillige Spanier angeboten werden.

Bei der Gewinnung zusätzlicher Fachkräfte für die Region setzt die Kammer vor allem auf eine Zusammenarbeit mit der türkisch-islamischen Gemeinde sowie der alevitischen und sunnitischen Gemeinde in Offenburg. Dort könnten 1000 bis 2000 junge Leute für eine duale Ausbildung gewonnen werden, kündigte Steffen Auer an. Die IHK möchte vor allem technisch interessierte junge Leute ansprechen, die schon gut Deutsch sprechen. Die Unternehmen sind sogar bereit, selbst bei der Verbesserung der Deutschkenntnisse zu helfen und Kurse zu finanzieren.

Die Gespräche der Kammer mit den überwiegend islamischen Gemeindemitgliedern – unter anderem in einer Moschee – seien gut besucht (80 Teilnehmer) gewesen und sehr vielversprechend verlaufen. „Wir sind auf offene Ohren gestoßen“, berichtete Hauptgeschäftsführer Andreas Kempff. Die Kammer hat mit den türkischen Partnerorganisationen und der Agentur für Arbeit Offenburg eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, die auch weitere Beratungsangebote und Workshops für türkische Jugendliche vorsieht.

Die Aussichten für die Fachkräfte am südlichen Oberrhein sind aktuell hervorragend. IHK-Präsident Steffen Auer urteilte: „Es brummt!“ Wie aus einer Konjunkturumfrage unter 1000 regionalen Unternehmen hervorgeht, bezeichnen 95 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend. Insbesondere die Industrie und das Baugewerbe könnten sich über volle Auftragsbücher freuen, teilte der IHK-Präsident mit. Viele Firmen planten Investitionen in Kapazitätserweiterungen und in Personalaufbau. Nur elf Prozent der befragten Betriebe rechnen mit eine Verschlechterung ihrer Lage. Nach Einschätzung von Steffen Auer gibt es „keine Anzeichen für eine drohende Konjunkturflaute“, allenfalls „gewisse Unsicherheiten“ wegen der Eurokrise. Größte Sorgenkinder der Unternehmer bleiben laut IHK die hohen Rohstoff- und Energiepreise.