Mein

Freiburg Combino-Flotte bald wieder vereint

sri_tram.jpg
Combino-Reklamation: von der Schiene auf den Tieflader. | Bild: Schneider

Freiburg (bar) Das Ende des Combino-Chaos ist absehbar: Ende Oktober wird auch die letzte sanierte Straßenbahn - die mit der Nummer 279 - in Freiburg eintreffen. Von da an ist der Fuhrpark der Freiburger Verkehrs AG (VAG) mit insgesamt 18 Combinos wieder komplett. "Diese Fahrzeuge sind dann endgültig in technisch einwandfreiem Zustand", sagt VAG-Betriebsleiter Thomas Ruff. Dabei bezieht er sich auf Aussagen des Gutachters, der im Auftrag der technischen Aufsichtsbehörde des Regierungspräsidiums in Stuttgart an dem mehrere hundert Millionen Euro teuren Sanierungspaket der Niederflurtram mitgewirkt hat.

Das weltweite Chaos war in Freiburg ausgelöst worden, als hier im April 2002 eine Schraube im Combino 272 brach. Der 272er wurde später in Prag völlig auseinandergenommen, bis hin zur Bodenplatte. "Zerstörend geprüft", nennt das VAG-Vorstand Rolf-Michael Kretschmer. Weltweit 450 Trams holte der Hersteller Siemens im Jahr 2004 von den Gleisen, unter anderem in Hiroshima, in Amsterdam, in Bern, in Basel und eben auch in Freiburg.

Im Kern hatten die Ingenieure der als barrierefreier, durchgängig niederfluriger "Traumtram" gewähnten Straßenbahn einfach die Kraftübertragungen in Kurven falsch berechnet. Und das bei einem Stückpreis von zwei Millionen Euro. "Wenn der Combino immer nur geradeaus fahren müsste, hätten wir nie ein Problem gehabt", sagt Ruff. Aber auch die Qualität des Gleisnetzes ist wichtig, und die ist in Freiburg deutlich schlechter als etwa in Düsseldorf, weshalb die Rheinländer auch weniger Probleme hatten.

Siemens musste in einem ganzen Paket von Sanierungsmaßnahmen in den Fahrzeugen die Wagenkasten aufwändig versteifen, Freiwegdämpfer und Wenk-Schwank-Lager zwischen die einzelnen Wagenteile bauen, das Fahrgestell gegen den Wagen mit einem größeren Freiheitsgrad von 1,5 anstatt ursprünglich 0,7 Grad ausstatten, um die Kurvenkräfte besser auf den Combino abzuleiten.

Kritiker behaupten, der Combino würde durch den Wegfall der Drehgestelle samt Verlagerung der Technik aufs Dach künftig mehr Abrieb an Gleisen und Rädern und damit für die VAG Mehrkosten in opulenter Höhe verursachen.

Dem halten Kretschmer und Ruff mit Nachdruck entgegen, dass auch bei den alten Trams viel Technik auf dem Dach sitze und dass vor allem das generelle Problem nicht etwa die Dachlast, sondern vielmehr die mangelnde Kraftverteilung vom Gleis in den Wagen bis hin ins Dach sei. "Wir haben bis jetzt jedenfalls nicht feststellen können, dass wir mit den Combinos mehr Verschleiß hätten", so Ruff. Deswegen würden auch bei den Sanierungen der Strecken nach Günterstal und Zähringen keine "combino-freundlichen" Gleise gelegt. Wenn aber Bögen erneuert werden, würde man flachere Radien einplanen.

Ruff hat 1981 zum ersten Mal Trams für Freiburg geordert, von diesen GT8 fahren derzeit noch zehn. Wenn die Combino-Flotte komplett ist, werden es noch fünf sein: "Die brauchen wir für die Spitzen im Morgenverkehr oder für die SC-Spiele." Die anderen fünf sollen verkauft werden, so ist einer nach Ulm geliefert worden, der dort als Werkstattwagen fungiert.

Nach Einschätzung von Kretschmer hat die VAG das Chaos "gut überstanden". Konkrete Zahlen, sei es in Sachen Schadensersatz von Siemens oder eigener Mehrkosten, wollte er nicht nennen.

Sichern Sie sich jetzt SÜDKURIER Digital und erhalten Sie dazu das iPad Air 2. Sie erhalten damit die Digitale Zeitung und Zugang zu allen Inhalten bei SÜDKURIER Online.
Exklusive Bodenseeweine
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
Freiburg
Freiburg
Freiburg im Breisgau
Freiburg
Glottertal/Breisgau
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren
    Jetzt Newsletter anfordern:
    © SÜDKURIER GmbH 2017