Freiburg Bundestagswahl wird spannend
22.07.2009
Freiburg (jo) Dieses Mal könnte es ein richtig enges Rennen werden: Die SPD will bei der Bundestagswahl am 27. September mit allen Mitteln das Direktmandat im Wahlkreis 281 – Freiburg und Umland – verteidigen. CDU-Kontrahent Daniel Sander fühlt den Bundestrend im Rücken – und hofft auf einen Coup. Aber auch Kerstin Andreae und die Grünen sehen eine Außenseiterchance.
Gernot Erler, seit 1987 Abgeordneter im Bundestag und seit 1998 Inhaber des Freiburger Direktmandats, hat jetzt noch einmal das Thema Überhangmandat aufs Tapet gebracht. Er spricht von einer „Politisierung der Erststimme“. Der Wahlkreis 281 mit der Stadt Freiburg und 19 Umlandgemeinden soll nicht durch ein weiteres CDU-Überhangmandat der Option Schwarz-Gelb noch eine zusätzliche Stimme in Berlin einbringen.
Freiburg ist neben Mannheim, Stuttgart II und Lörrach-Müllheim einer von nur vier Wahlkreisen in Baden-Württemberg, in denen die Genossen 2005 ein Direktmandat erringen konnten. Bei den Erststimmen lag Erler mit 45,1 Prozent der Stimmen um 10,7 Prozentpunkte vor der damaligen CDU-Kandidatin Conny Mayer. Es war der größte Vorsprung eines SPD-Kandidaten in Baden-Württemberg. Die SPD will den Wahlkreis halten, deshalb wird sich von Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier über SPD-Chef Franz Müntefering, Fraktionschef Peter Struck bis zu Bundestags-Vize Wolfgang Thierse die komplette Führungscrew im Wahlkampf für ihren Staatsminister ins Zeug legen.
Die CDU hält mit Bundeskanzlerin Angela Merkel dagegen, die ebenfalls in Freiburg auftreten wird. „Seit 1998 war die Ausgangslage nicht mehr so gut“, meint Wahlkreiskandidat Daniel Sander mit Blick auf die jüngsten Umfragen. Die CDU liegt derzeit leicht über dem Ergebnis von vor vier Jahren, die SPD krebst rund zehn Prozentpunkte unter ihrem 2005er-Resultat herum. Ministerpräsident Günther Oettinger hat darum für die CDU schon das Ziel ausgerufen, alle 38 Wahlkreise im Bundesland direkt zu gewinnen – und damit auch Freiburg, wo die CDU jedoch lange nichts mehr gerissen hat. Titelverteidiger Erler muss allerdings bei dieser Wahl auf die Schützenhilfe der Grünen verzichten. Deren Kandidatin Kerstin Andreae wird – anders als bei den vergangenen beiden Wahlen – ihren Wählern nicht mehr die Weitergabe der Erststimme an den SPD-Kollegen empfehlen. Schließlich kann sich Andreae eine kleine eigene Chance aufs Direktticket ausrechnen. „Wenn nicht jetzt, wann dann“, sagen viele Grünen in ihrer Hochburg angesichts einer schwächelnden SPD. Nicht zu vergessen: Bei der Europawahl lagen die Grünen auf Platz eins, wenn man die Ergebnisse aus dem Bundestagswahlkreis zusammenrechnet.
Kerstin Andreae und Gernot Erler haben als Spitzenkandidaten ihrer Parteien für Baden-Württemberg ihren Platz im Parlament sicher. „Drei Abgeordnete können für Freiburg mehr erreichen als zwei“, meint Daniel Sander, dessen einzige Chance der Direkteinzug ist. Es wäre ein Überhangmandat. Gernot Erler will jedoch verhindern, dass Sander zum lachenden Dritter wird. Erler wirbt um Grünen-Wähler.