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Berlin / Freiburg Buhrufe statt Halleluja: Viele Gegner bei Papst-Besuch

Papst Benedikt wird in Deutschland nicht nur auf fromme Christen treffen - seine Gegner formieren sich schon. Protest-Hochburg ist das multikulturelle Berlin. Aber auch in Freiburg wollen Gegner auf die Straße gehen. Mit Abstimmung!

Kirche: 'Millionenkosten für Papstbesuch sind angemessen'

Begeistert: Papst Benedikt XVI. hat den Zuspruch sichtlich genossen.
Begeistert: Papst Benedikt XVI. hat den Zuspruch sichtlich genossen.
Bei ihrer Ausrufung trug „Gegenpäpstin“ Rosa I. eine rote Mitra und schwarze Sonnenbrille, ihr Gefolge warf Bonbons und Konfetti in die Menge. Viele Katholiken mögen solch schrille Szenen wie im Juli vor der Katholischen Akademie in Berlin-Mitte als Blasphemie empfinden - für andere sind es wichtige Zeichen des Protests.

Heidenspaß statt Höllenangst

Wenn Papst Benedikt XVI. im September nach Deutschland kommt, wird er nicht nur mit „Halleluja“-Rufen begrüßt. Etliche religionskritische Bündnisse haben sich gebildet, um gegen den mehrtägigen Staatsbesuch des Pontifex bunt und lautstark zu demonstrieren. Schwerpunkt der Proteste wird Berlin sein, wo mehr Muslime als Katholiken leben. Die Multikulti-Hauptstadt ist seit jeher kein leichtes Pflaster für die Kirche.

Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. wurde 1996 bei seiner Fahrt mit dem Papamobil durch die Stadt mit Farbeiern beworfen. Diesmal erwartet allein das Bündnis „Der Papst kommt“, das zeitgleich zur Rede Papst Benedikts im Bundestag am 22. September demonstrieren will, bis zu 20 000 Menschen am Brandenburger Tor. Aber auch in Freiburg („Freiburg ohne Papst“) und Erfurt („Heidenspaß statt Höllenangst“), den weiteren Stationen des Heiligen Vaters, wollen Bündnisse auf die Straße gehen, um gegen die Visite zu protestieren.

Kirche ist gelassen

Die Kirche sieht die Ankündigungen gelassen. Öffentliche Meinungsäußerung sei ein demokratisches Grundrecht, heißt es aus den Bistümern. Demonstrationen seien solange zu respektieren und zu tolerieren, solange sie nicht wie jüngst beim Weltjugendtag in Madrid in Gewalt ausarteten. Ob das Berliner Bündnis tatsächlich am Brandenburger Tor unweit des Reichstagsgebäudes demonstrieren darf, ist indes noch unklar. Die Polizei will den Bereich über die Bannmeile um den Bundestag hinaus als erweiterte Sicherheitszone einstufen, während der Heilige Vater im Parlament seine Rede hält.

Die Versammlungsbehörde erteilte daher für die Kundgebung keine Genehmigung. Dagegen will das Bündnis vor Gericht ziehen. In Berlin haben sich die Gegner schon bei einigen Demos warmgelaufen, etwa Ende Juli, als das Bündnis „Der Papst in Berlin? What the Fuck!“ vor der Katholischen Akademie aufkreuzte. Die Ausrufung von „Gegenpäpstin“ Rosa I. war dabei scherzhaft gemeint. Die Gruppe lehnt jegliche Religion ab, insbesondere die katholische. Es sei an der Zeit, „die katholische Kirche in die Realität der säkularen Gesellschaft zu holen und den Papstbesuch zu einem Fiasko zu machen“, stellte eine Sprecherin des Bündnisses klar.

Demonstration gegen Geschlechter- und Sexualpolitik

Nicht alle Gegner des Papstbesuchs sind derart radikal in ihren Forderungen. Aber anders als beim Weltjugendtag vor einer Woche, wo sich die Anti-Papst-Proteste vor allem an den immensen Kosten des Besuchs entzündeten, sind die Motive der deutschen Aktivisten überwiegend politischer Natur. Die größte der Berliner Protestgruppen, das Bündnis „Der Papst kommt“, hat zwar nicht per se etwas gegen gläubige Katholiken. „Wir nehmen den Besuch des Papstes aber zum Anlass, um gegen seine menschenfeindliche Geschlechter- und Sexualpolitik zu demonstrieren“, sagt Jörg Steinert vom Lesben- und Schwulenverband (LSVD), der das Bündnis initiiert hat.

Dieses umfasst Vereine wie die Deutsche Aids-Hilfe, Pro Familia oder Terre des Femmes. Zudem sind - bis auf CDU/CSU - Gruppierungen aller im Bundestag vertretenen Parteien dabei, etwa die Jusos oder die Liberalen Schwulen und Lesben in der FDP (LiSL). Sie alle wendeten sich gegen die Politik des Papstes in vielen Gesellschaftsbereichen, betont Bündnissprecher Steinert: So seine restriktive Haltung bei Kondomen und Abtreibungen sowie dessen „fortwährende Diskriminierung“ homosexueller Menschen.

Den feierlichen Gottesdienst im Olympiastadion, zu dem um die 70 000 Gläubige erwartet werden, wolle man dagegen nicht „stören“, versichert Steinert. „Wir sind nicht gegen Religionsausübung oder die Existenz der Katholischen Kirche.“ Manch Gläubiger könnte sich trotzdem in seiner Religiosität verletzt fühlen, wenn die Gegenkundgebungen losgehen. Das LSVD-Bündnis will in Berlin-Mitte gleich vier Konkurrenz-Päpste und -Päpstinnen auftreten lassen. (dpa)

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