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Freiburg Bürger wollen keine Altlasten am Berg

31.07.2012
Freiburg -  Giftige Hinterlassenschaften des Kappler Bergwerks sollen für neues Baugebiet ausgebaggert und umgelagert werden

Der Protest in Kappel macht sich bemerkbar.  Bild: Schneider

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Mit einer Bürgerbeteiligung, wie es sie in Freiburg noch nie gab, will das Umweltdezernat die geplante Sanierung der Altlast Kappel in Angriff nehmen. Dafür wird jetzt die Frist um zwei Monate bis Ende November verlängert, in der die Anwohner ihre Bedenken vortragen können. Und die gibt es reichlich.

Die seit Jahren aktive Interessengemeinschaft sieht im bisherigen Konzept jede Menge Widersprüche und fühlt sich veräppelt. Der grüne Landtagsabgeordnete Reinhold Pix schlägt ein Moderationsverfahren wie zum Pumpspeicherkraftwerk in Atdorf vor.

Sattes Grün umgibt die Neuhäuser Straße, die Freiburg-Kappel und Kirchzarten trennt. Jürgen Fiederlein berichtet von Ringelnattern, Fledermäusen und Kammmolchen, die seinen Garten, die Wiese und den Wald daneben beleben. Die Idylle ist akut bedroht, wenn die Sanierung der Altlast wie geplant realisiert wird. Dann bekommt der Schulleiter nächstes Jahr vorübergehend eine 3000 Quadratmeter große Asphaltfläche neben sein Reihenhäuschen, auf der giftige Schlämme aus den Zeiten des Bergwerks zwischengelagert werden. Der metallhaltige Dreck soll dann in 7100 Lkw-Ladungen auf einer steilen Serpentine hoch transportiert und in den kesselförmigen Hang eingebaut werden. Fiederlein hält das Sanierungskonzept für abwegig. So wie wohl fast alle Anwohner. Unstrittig ist: So eine Sanierung hätte die Stadt noch nicht erlebt. 45 000 Kubikmeter belasteter Erdaushub, 23 000 Lastwagenfahrten, 22 000 Quadratmeter abgeholzter Wald.

Seit 25 Jahren sind verschiedene Versuche gescheitert. Genau so lange gibt es die Interessengemeinschaft, und genau so lange analysiert Jürgen Fiederlein alle Gutachten und Pläne. Er kämpft auf allen Ebenen: juristisch, biologisch, technisch. Und seit gut einer Woche verstärkt politisch. Mit 30 Mitstreitern hat er den Bürgerverein „Neuhäuser Straße“ gegründet. „Wir sorgen uns um die nachfolgenden Generationen,“ sagt Vorsitzender Fiederlein, „in 50 Jahren gibt es keine HPC, keinen Eisele, keine Treubau mehr.“

Die Treubau AG hat die belastete Fläche am Fuß der Abraumhalde des früheren Bergwerks gekauft. Vorher hatte das 2,4 Hektar große Areal Nikolaus von Gayling gehört. Der Forstbesitzer, dem der ganze Berg gehört, war sich mit seinem Sanierungsspezialisten Gerhard Eisele aus Rottenburg nicht einig. Die Sanierung stand mal wieder auf der Kippe. Nun haben Treubau und Eisele die gemeinsame „Projektgesellschaft Kappel mbH“ gegründet. Ihr Ziel ist es, aus der verseuchten Fläche ein Baugebiet zu machen und mit dem Gewinn die mindestens vier Millionen Euro teure Sanierung zu finanzieren. Das Ingenieurbüro HPC aus Rottenburg hat die Pläne dazu erarbeitet.

Die Stimmung schwankt zwischen Misstrauen und Angst, genährt durch behördliche Zurückhaltung. „Wir fühlen uns an der Nase herumgeführt“, sagt der pensionierte Banker und stellvertretende Vorsitzende Franz-Jürgen Römmeler. Den Berechnungen von Ingenieuren traut der junge Bürgerverein nicht. Er hält es für ausgeschlossen, dass der aufbereitete Schlamm oben am Hang hält. Vor allem dort, wo er nur aus Sand besteht. Die komplizierte Formel zur Ermittlung der Standsicherheit komme gerade so auf den Mindestwert.

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