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07.12.2010  |  von  |  0 Kommentare

Freiburg Bewährungsfrist für die Städtepartnerschaft

Freiburg  -  Freiburg – Die einzige deutsch-iranische Städtepartnerschaft zwischen Freiburg und Isfahan, die seit zehn Jahren besteht, ist vom Freiburger Gemeinderat in seiner Sitzung auf den Prüfstand gestellt, aber trotz scharfer Kritik am iranischen Regime und seinem Präsidenten für unverzichtbar befunden worden. Sie erhielt eine weitere, nicht zeitlich begrenzte Bewährungsfrist.

Hoffnungsträger vor dem Rathaus in Freiburg: Vor zwei Jahren versprach der ehemalige iranische Staatspräsident Mohammed Khatami, der einzigen deutsch-iranischen Städtepartnerschaft Freiburg – Isfahan neues Leben einhauchen zu wollen. „Ich tue alles, was ich mit meinen Händen dazu beitragen kann.“  Bild: Bild: Zurbonsen



Bewährungsfrist für die Städtepartnerschaft

„Es gibt wenige unserer neun Städtepartnerschaften, die so mit Leben gefüllt sind", berichtete Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon.

Für die Fortsetzung der Partnerschaft setzten sich vor allem Axel Gräfingholt vom Freundeskreis Freiburg-Isfahan und Hubertus Fehrenbacher, der Leiter des Theaters im Marienbad, ein. Sie begrüßten, dass die Stadt an der Partnerschaft festhalte, weil jede Reise in den Iran über eine „politische Konnotation" verfüge. Die Beziehung müsse noch offensiver gestaltet werden. Ein kulturelles Embargo wäre tödlich, betonte Fehrenbacher. Auf die Menschenrechtsverletzungen im Iran wies CDU-Stadtrat Daniel Sander hin, der die Städtepartnerschaft schon länger sehr kritisch beäugt. „Passt eine Stadt mit Fahrradverbot für Frauen zu unserer Fahrradmetropole?“ fragte er in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Auch passe die Hinrichtung von Regimegegnern nicht zum liberalen und offenen Freiburg. Enttäuscht stellte Sander fest: „Die Städtepartnerschaft hat politisch nichts bewirkt!“

Die Städtepartnerschaft ermögliche einen Dialog, der mithelfe, die Verhältnisse zu ändern, argumentierte Fraktionschefin Maria Viethen (Bündnis 90/die Grünen), die offen zugab, dass es sie vor ihrer ersten Reise nach Isfahan ängstlich gewesen sei. Richtig mulmig vor der Reise war es auch SPD-Fraktionschefin Renate Buchen. Doch wenn der Kontakt zu Isfahan abgebrochen werde, spiele das nur den Hardlinern in die Hände. Für Michael Moos (Unabhängige Listen) hat die Städtepartnerschaft eine friedensstiftende Aufgabe. Zu der gibt es laut Sascha Fiek (FDP) keine Alternative.

Der Freundeskreis Freiburg – Isfahan berichtete, er führe regelmäßig deutsch-iranische Kultur-, Theater-, Frauen-, Sport- und Jugendprojekte mit großem Erfolg durch. Fatima Chahin-Dörflinger, erste Vorsitzende des Freundeskreises, hat schon 20 Bürgerreisen von Freiburg nach Isfahan organisiert, die letzte im Herbst dieses Jahres. Auch die Bürger aus Isfahan kommen seit Jahren regelmäßig in den Breisgau, darunter Fotografen, Religionslehrer, Musiker, Handwerker, überdies viele Studenten und Professoren.

Die Fortsetzung der deutsch-iranischen Städtepartnerschaft wurde von zahlreichen Vereinen, der ev. Kirche und den Bürgervereinen begrüßt. Auch das auswärtige Amt sprach sich für eine weitere Kontaktpflege aus. In einem Schreiben an die Fraktionsvorsitzenden im Freiburger Gemeinderat bezeichnete der stellvertretende Dekan des evangelischen Stadtkirchenbezirks, Pfarrer Wolfgang Schmidt, die Städtepartnerschaft als „einmalige Chance zum interkulturellen Lernen“ für Iraner wie für Freiburger. Sowohl im Blick auf den Islam wie auch im Blick auf den Westen trage die Beziehung nach Isfahan dazu bei, Unkenntnis und Vorurteile auf beiden Seiten in der konkreten Begegnung und im persönlichen Kontakt abzubauen.

Neues Leben möchte Mohammed Khatami der einzigen deutsch-iranischen Städtepartnerschaft Freiburg – Isfahan einhauchen. „Ich tue alles, was ich mit meinen Händen dazu beitragen kann“, versprach der ehemalige Staatspräsident des Iran, der zwischen 1997 und 2005 an der Spitze seines Landes stand, bei seinem Besuch im Rathaus und in der Universität, „ich bin sehr glücklich über diese Partnerschaft.“ Khatami hielt sich vor zwei Jahren zu Gesprächen und Diskussionen mit Freunden und Studenten der Hochschule in Freiburg auf. Während der Amtszeit von Mohammed Khatami war die erste und bisher einzige deutsch-iranische Städtepartnerschaft zwischen Freiburg und Isfahan im Jahre 2001 geschlossen worden. Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon bremste die offiziellen Kontakte vor fünf Jahren. Er könne die Aufforderung des iranischen Staatspräsident, Mahmud Ahmadinedschad, zur „Tilgung Israels von der Landkarte“ nicht akzeptieren und wolle schon gar nicht Gefahr laufen, dass ein Besuch von ihm instrumentalisiert würde.

Deshalb lebt die Partnerschaft seither hauptsächlich von bürgerschaftlichen Reiseaktivitäten. Auf offizieller Ebene dagegen herrscht Funkstille. Sein Sprecher bekräftigte jetzt, der OB wolle sich von dem Regime nicht missbrauchen lassen. Walter Preker wiederholte die Position des OB, der nicht nach Isfahan reisen werde, solange Präsident Mahmud Ahmadinedschad mit Gewalt und Terror gegen Israel drohe. Offiziell werde weiterhin „nichts gehen“ zwischen Freiburg und Isfahan.

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