Nach Starkregen war er für gewöhnlich im Einsatz – und muss es nun nicht mehr sein. Nachdem er Ende letzten Jahres bei der Rhodia Acetow GmbH in die Altersteilzeit gegangen war, gab er nun in feierlicher Runde auch sein Ehrenamt ab – an Nachfolger Andreas Allgeier.
Nicht nur in der Heimat des 61-Jährigen – in Duisburg – ist der mittelalterliche Begriff „Runz“ ein Fremdwort, erklärt er, „auch in Freiburg kennen das Wort für einen von Menschen gemachten Wasserlauf nur die Alteingesessenen.“ Er selber hatte über viele Jahre so intensiv mit den Runzen in Freiburg zu tun, dass das ganze traditionsreiche und doch topaktuelle Geschehen rund um Freiburgs Bächle und Gewerbebäche ihm völlig selbstverständlich über die Lippen kommt. Vom alljährlichen Bachabschlag – wenn nämlich sämtliche Runzen für zwei Wochen trockenfallen, bis zum Wogenglätten, wenn den einen zu viel und den anderen zu wenig Wasser fließt – Roland Fastrich war dafür zuständig.
Das heißt: Er war zuständig fürs Organisieren von Abläufen – vor Ort tun die Arbeit dann der Runzknecht – seit Jahren ist das Volker Kaltenbach – und sein Stellvertreter, zum Beispiel Laub von den Rechen fischen, oder noch brisanter: die Stellfalle schließen, um anrückendes Hochwasser kontrollieren zu können. „Vor Ort war ich dann als Runzmeister natürlich auch“, erzählt Roland Fastrich, „oft als erster, um zu schauen, ob die Lage tatsächlich so dramatisch war wie sie uns am Telefon geschildert worden war.“
Dramatisch wird die Lage an der Dreisam allerdings tatsächlich schnell. Bei 90 Zentimetern Wasserstand greifen Runzmeister und Runzknechte deshalb schon am Stellwerk am Sandfang in der Oberau ein. Bei 1,20 Metern Wasserstand ist dann Hochwasseralarm. „Das gab's immer wieder“, sagt Roland Fastrich, „einmal mitten an Heiligabend.“ Winterliche Einsätze sind heutzutage oft kritischer als in früheren Zeiten: Zwar stammt das Freiburger Runz-Bewässungssystem aus dem Mittelalter, inzwischen aber wurde das Stellwerk mit Technik mit viel Elektronik und Hydraulik ausgestattet – und funktioniert längst ohne körperliche Schwerstarbeit. Allerdings ist es seither äußerst empfindlich gegen Vereisung: Dann nämlich tut sich auf Knopfdruck gar nichts mehr.