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Freiburg 250 gelungene Beispiele für grenzenlose Nachbarschaft

12.06.2012
Freiburg -  Das Land feiert sich und sein 60-jähriges Bestehen unter anderem mit einer Landesausstellung, die in Freiburg gezeigt wird und vom baden-württembergische Ministerpräsident, Winfried Kretschmann (Grüne), eröffnet wurde. Die Präsentation steht unter dem Motto „Liebe Deinen Nachbarn“ und unternimmt einen Streifzug durch zwei Jahrhunderte wechselvoller Nachbarschaft zwischen dem deutschen Südwesten, Frankreich und der Schweiz.

Rundgang im Augustinermuseum Freiburg: Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit Begleitern vor einer Guillotine, die in der Landesausstellung „Liebe Deinen Nachbarn“ gezeigt wird.  Bild: Zurbonsen

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Die Ausstellung ist im Freiburger Augustinermuseum bis zum 30. September zu sehen.

Der Regierungschef zeigte sich nach einem Rundgang sehr angetan von der Präsentation, die Professorin Paula Lutum-Lenger vom Haus der Geschichte (Stuttgart) zusammengestellt hat. Ihn habe die quasi handgreifliche Zusammenstellung von Freud und Leid unter den Nachbarn beeindruckt, sagte Kretschmann. Aktuell gefalle ihm an den Nachbarn, dass sie wie Baden-Württemberg auf die europäischen Werte wie Freiheit, Solidarität und Nachhaltigkeit setzten. Auf die Fluglärmprobleme zwischen Deutschen und der Schweizern angesprochen, sagte Kretschmann, die Nachbarn müssten den Streit aushalten, ihn aber friedlich und konstruktiv lösen.

Die Ausstellung zeigt Deutsche, Schweizer und Franzosen beispielsweise als Gastgeber und Gäste, als Verbündete und Feinde, als Partner und Konkurrenten, aber auch als grenzenlos Verliebte. 49 Geschichten vom Aufeinandertreffen unbekannter oder auch berühmter Nachbarn aus zwei Jahrhunderten entfalten in der Ausstellung ein bewegendes Beziehungspanorama des Dreiländerecks. Es gehe darum „Aspekte von Nachbarschaft“ aufzuzeigen, so Lutum-Lenger.

Die Große Landesausstellung wirkt mit Außeninstallationen in die Stadt hinein: An 15 Orten in Freiburg, an denen sich wichtige Ereignisse der Nachbarschaftsgeschichte festmachen lassen, weisen speziell entworfene Sitzbänke auf diese prägenden Begegnungen hin. Zur Ausstellung hat das Team des Hauses der Geschichte ein attraktives Begleitprogramm mit Vorträgen und Zeitzeugengesprächen auf die Beine gestellt. In Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Kino Freiburg gibt es zudem eine Reihe mit ausgewählten Filmen. Für Schulklassen werden Überblicksführungen, Schüler aktivierende Führungen sowie Workshops zur Migrationsgeschichte im Dreiländereck angeboten. Für die Gestaltung der Ausstellung zeichnet das renommierte Büro Holzer Kobler Architekturen, Zürich, verantwortlich.

Insgesamt 250 Exponaten dokumentieren das ganze grenzüberschreitende Beziehungsgeflecht des Dreiländerecks. Dazu gehören auch die anrührenden Geschichten von den „Schweizerkindern“ aus dem Südwesten und dem Elsass, die im und nach dem Krieg bei Familien in der Schweiz Anschluss, Ernährung und Erholung von der harten Zeit daheim fanden. Zwischen 1940 und 1956 nahmen Schweizer Familien für mehrere Monate rund 68 000 unterernährte Kinder aus Frankreich und 50 000 aus den deutschen Besatzungszonen auf. Die Ausstellung eröffnet auch schmerzhafte Aspekte. Dafür stehen die Gedenktafeln für die vielen deutschen Soldaten, die in Napoleons Diensten ihr Leben lassen mussten. Und da ist unglückliche Liebesgeschichte einer Deutschen und eines Franzosen, die sich das Leben nahmen, da sie für ihre Liebe im Nazi-Deutschland keine Zukunft sahen.

Es gehe darum „Aspekte von Nachbarschaft“ aufzuzeigen, so Lutum-Lenger. Die Nachbarn erscheinen als Freunde, Feinde, Gastgeber, Verbündete und Retter, aufgezeigt anhand zweihundert Jahren wechselvoller Geschichte im Dreiländereck. Das Motto der Ausstellung „Liebe Deinen Nachbarn“ sei durchaus provokativ, sagte die Ausstellungsleiterin. Die Lebenserfahrung lehre, wie schwer es manchmal sei, mit den Nachbarn liegevoll umzugehen. Das ist auch heute noch so, wie eine Straßenumfrage am Ende der Ausstellung zeigt: Längst nicht jeder beantwortet die Frage nach der Liebe zum Nachbarn auf der jeweils anderen Rheinseite oder über die schweizerisch-französische Grenze hinweg mit einem herzlichen „Ja“.