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Freiburg „Studiengebühren abschaffen“

28.11.2009


Freiburg (sil) Nach zehn Tagen der Besetzung werden die Studierenden konkret: In einer großen Demonstration haben sie der Stadt, der Unileitung und der CDU einen Katalog mit Forderungen übergeben. Knapp 2000 Studierende zogen durch die Innenstadt, legten Straßen- und Tramverkehr zeitweise lahm.

Er zuckt und zittert, wirft die Arme in die Höhe, reißt den Kopf zurück – und bricht zusammen. Ein letzter Seufzer entweicht den Lippen hinter der Atemschutzmaske, ein letztes Aufbäumen lässt den weißen Schutzanzug rascheln. Unter dem Motto „Bildungsgrippe“ haben die Audimax-Besetzer zu einer Demonstration durch Freiburg aufgerufen, um ihre Forderungen an Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne), Universitätsrektor Hans-Jochen Schiewer und Daniel Sander (CDU) zu übergeben. Stundenlang hatten nachts zuvor über den Forderungen gebrütet und sie diskutiert. „Um vier Uhr morgens stand der Katalog“, erzählt Jakob Lohmann, der ihn mit sieben Kommilitonen überbrachte.

„Die Regelstudienzeit in den Bachelor- und Masterstudiengängen muss verlängert werden, auch fordern wir die Abschaffung der Studiengebühren“, erläuterte Clemens Weingart die Forderungen an Unileitung und das Land Baden-Württemberg. „Ich erwarte vom Rektorat, dass es sich mit uns an einen Tisch setzt, um das zu diskutieren.“ Es täte gut daran, sich ernsthaft mit der Sache auseinanderzusetzen, so die kaum versteckte Drohung.

Unirektor Schiewer stellte sich am Fahnenbergplatz der Protestschar, griff zum Megafon und bekräftigte seinen Willen zu Verhandlungen. „Die Forderungen sind eine gute Basis, um konkret ins Gespräch einzutreten“, erklärte er und lud die Studierenden zu einer Diskussion im Hörsaal 2004 am Donnerstag um 20 Uhr ein. „Nicht Sie laden uns ein, wir laden Sie ein – und zwar ins Audimax“, schallte es Schiewer daraufhin entgegen.

Kaum besser erging es dem Oberbürgermeister, bei dem die Delegation eine knappe halbe Stunde zuvor aufgeschlagen hatte. Ihre Forderungen: Die Abschaffung der Kindergartengebühr und billige Wohnungen für Studenten. Besonders begehrten die Studenten gegen die Pläne der Stadt auf, den Rotteckring umzugestalten, wobei die Grünfläche vor dem Kollegiengebäude II einem großen Platz weichen soll. „Auf die Wiese kacken doch eh nur die Hunde“, entfuhr es Salomon daraufhin. Nichtsdestotrotz zeigte sich der Oberbürgermeister solidarisch mit den Demonstranten und marschierte mitten im Protestzug wahlkampfwirksam durch die Kaiser-Joseph-Straße.

Die Geschäftsstelle der CDU an der Eisenbahnstraße war die letzte Station der Demonstranten. Dort nahm Stadtrat Daniel Sander die Forderungen entgegen und versprach, sie weiterzuleiten. Von dort marschierten die Studierenden wieder über den Rotteckring zurück zum KG II. Dieser war zeitweise voll gesperrt, auch hatte die Demonstration den Tramverkehr in der Bertold- und Kaiser-Joseph-Straße für knapp anderthalb Stunden zum erliegen gebracht. Begleitet wurde der Protest von einem Aufgebot der Polizei, die sich aber im Hintergrund hielt. Die Demonstration sei deutlich größer ausgefallen als angekündigt, sagte Harry Hochuli, Leiter der Polizeireviers Nord. Das habe man jedoch ebenso toleriert wie die Tatsache, dass einige Studenten in ihrer Verkleidung an die Grenze zum Vermummungsverbot stießen. „Das Motto Bildungsgrippe lässt uns da Spielraum“, erläuterte Hochuli die Linie der Polizei.