Mein

Leute:  Whitney Houston: Vom Superstar zum menschlichen Wrack

12.02.2012
Whitney Houston dies at 48

Dieses Bild stammt vom 15. September 2004 und zeigt Whitney Houston bei ihrem Auftritt bei den Music Awards in Las Vegas.  Bild: Brendan Mcdermid (EPA FILE)



Whitney Houston wurde nur 48 Jahre alt. Ihr Tod ist der Schlussstrich unter einem unaufhaltsamen Abstieg.
Quiz: Wie gut kannten Sie die “Queen of Pop”?

Vor dem „Beverly Hilton“-Hotel in Los Angeles verwehren Polizisten und private Sicherheitskräfte Schaulustigen und Reportern den Zutritt. Die legendäre Prominenten-Herberge legt Wert auf große Diskretion – auch in der Todesstunde ihrer Klienten. Während auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine Gruppe von Fans leise den Mega-Hit „I Will Always Love You“ anstimmt und geladene Gäste für eine Grammy-Party eintreffen, liegt am Samstagabend in einer Suite im vierten Stock immer noch die Leiche von Popstar Whitney Houston, Ermittler sichern Spuren. Hier hatte gegen 15.20 Uhr ein Leibwächter die 48-Jährige, deren 1992 produziertes Album „The Bodyguard“ sich 44 Millionen-mal verkauft und ihr den größten Triumph ihrer Karriere beschert hatte, leblos aufgefunden – Medienberichten zufolge in der Badewanne.



Mark Rosen, der Polizeichef von Beverly Hills, schilderte später die Chronologie des Wettlaufs um ihr Leben. Um 15.23 Uhr ging ein Notruf ein, nachdem der Leibwächter zuvor Hotel-Security informiert hat. Zwei, maximal drei Minuten später seien die ersten Beamten vor Ort gewesen – und hätten bereits Sanitäter und Hotelangestellte vorgefunden, die Wiederbelebungsmaßnahmen auf dem Fußboden vornahmen. Ein Notarzt-Team war routinemäßig vor Ort, weil am Abend ja unten im Ballsaal die traditionelle Grammy-Vorabendparty des Musikproduzenten und Sony-Direktors Clive Davis stattfand – jenem renommierten Plattenmanager, der Houston vor fast 30 Jahren entdeckt und auf den Weg zum Ruhm gebracht hatte.

Im „Beverly Hilton“ stellte Davis damals die junge Künstlerin vor. Und nun schließt sich auf fatale und surreal wirkende Weise der Kreis: Die Hotel-Show, auf der Houston singen sollte, wurde schnell zu einer musikalischen Totenehrung umgestaltet. Denn auch die Nähe der Mediziner konnte Whitney Houston nicht mehr helfen. Eine halbe Stunde lang bemühten sie sich darum, ihr Herz wieder zum Schlagen zu verbringen – vergeblich. Am Samstag um 15.55 Uhr wurde sie offiziell für tot erklärt. Ihr r Lebengefährte Ray-J, ein Hip-Hop-Künstler, identifizierte den Leichnam.

Von „Foulplay“, also Fremdverschulden, sei beim frühen Tod des Weltstars nicht auszugehen, hieß es gestern aus Kreisen der Ermittler. Es seien keine Drogen, aber Medikamente bei ihr gefunden worden. Eine Autopsie soll nun endgültige Klarheit bringen, ein Ertrinken während eines Bades scheint durchaus möglich.

Doch wer Antworten auf die Frage nach Schuld oder Ursachen finden will, muss nur einen Blick auf Details des Lebenslaufs von Whitney Houston richten – oder die letzten beiden Abende in ihrem Leben. Von Donnerstag stammen die letzten Video- und Fotoaufnahmen der Künstlerin. Die Bilder zeigen sie vor dem „Tru“-Nachtclub in Hollywood. Ihr Verhalten wird in kalifornischen Medien als „desorientiert“ und „aggressiv“ geschildert. Augenzeugen zufolge sei sie unsicher und schwankend auf den Beinen gewesen. Es sei sogar zu einer tätlichen Auseinandersetzung mit einer Finalistin der TV-Serie und Talentshow „X-Factor“ – für die Houston zuletzt als Jurorin im Gespräch war – gekommen.

Das war nicht mehr die bildschöne Whitney Houston aus den 80er und 90er Jahren, mit einem einzigartigen Sex-Appeal und tadellosem Auftreten. 24 Stunden später habe sie dann an der Bar im „Beverly Hilton“ lange und lautstark gefeiert.

Der letzte freiwillige Aufenthalt in einem Rehabilitations-Zentrum datiert vom Mai 2011. Damals suchte Houston erneut Hilfe für ihre Alkohol- und Drogenabhängigkeit. „Whitney hat das Programm begonnen, um ihren seit langem stattfindenden Erholungsprozess zu fördern“, hatte damals ihre Publizistin kommentiert. Diese Aussage war ein weiterer klarer Hinweis auf den verzweifelten Kampf der sechsfachen Grammy-Gewinnerin gegen die Sucht. Kurz vor ihrem Comeback-Versuch 2009 hatte sie der US-Talkmasterin Oprah Winfrey offenbart, dass Marihuana und Kokain die Drogen der Wahl während ihrer turbulenten, von körperlichen Übergriffen geprägten und im Jahr 2007 geschiedenen Ehe mit dem Sänger Bobby Brown waren.

Houston und Brown haben eine gemeinsame Tochter – Bobbi Kristina, die heute 19 Jahre alt ist und bei ihrer Tante Dionne Warwick lebt. Im Jahr 2000 waren Houston und ihr Gatte auf einem Flughafen in Hawaii mit Marihuana im Reisegepäck aufgefallen. Zwei Jahre später fiel dann in einem Interview ein legendärer Satz: „Crack is cheap. Crack is wack.“ Sie verdiene zu viel, um sich mit der „billigen“ und „dummen“ Modedroge Crack abzugeben, wetterte Houston – und räumte gleichzeitig ein, andere Substanzen zu nutzen.

Schmerzhaft deutlich wurde der unaufhaltsame Abstieg von Whitney Houston, die künstlerisch Stars wie Mariah Carey und Christina Aguilera beeinflusste und mehr als 170 Millionen Platten verkaufte, für Millionen Fans während ihrer „Nothing but Love“-Tour 2010. Ihre Stimme, die drei Oktaven beherrschte, war von gelegentlichem Krächzen und Heiserkeit geprägt, die hohen Noten konnte sie nicht mehr treffen. Bei manchen Konzerten – wie in Australien oder London – zeigten die Fans ihr keine Liebe mehr, verließen die Arena und forderten teilweise ihr Geld zurück. Ein Teil ihrer Europa-Tour wurde abgesagt.

„Der größte Teufel bin ich selbst. Ich bin entweder mein bester Freund oder mein schlimmster Feind“, hatte Whitney Houston damals zum Kampf mit ihren inneren Dämonen offenbart. Zwei Jahre später gab es für das Fernsehpublikum einen weiteren schockierenden Einblick in den tiefen Fall der früheren Pop-Diva: In der Reality-Serie „Being Bobby Brown“ ihres Ehemanns zeigte sie sich als zu Profanitäten und Streit neigende Frau, die in ihren Zimmern Drogen-Utensilien, leere Bierdosen und Müll angehäuft hatte. Was für ein Unterschied zum früheren eleganten Glamour-Girl mit der perfekten Stimme und dem zunächst perfekten Image, die angesichts ihrer zierlichen Statur immer so zerbrechlich wirkte.

Und wie trauert Hollywood um den toten Star, der im August in dem Film „Sparkle“ zu sehen sein wird? Mit der bewährten Devise “The Show Must Go On”. In Windeseile änderten die Produzenten der gestrigen „Grammy“-Verleihung die Dramaturgie, es sollte nun auch ein Tribut an Whitney Houston werden – gesungen von Jennifer Hudson, die mit ihrer Stimmgewalt Houston nahekommt. Und wer die Hollywood-Dramaturgie kennt, kann sich vorstellen, wie diese Ehrung enden sollte: Mit Whitney Houstons größtem Hit „I Will Always Love You“.

Leute
Der liebe Gott...
...gibt uns Geschöpfe wie Whitneys Körper - auf Zeit vielleicht in aller Schönheit - vielleicht ...
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln