Mein

Wilhelmsdorf In jedem steckt ein echter Artist

13.05.2011


Zirkusfortbildung für Menschen mit und ohne Behinderung

Wilhelmsdorf – Dass Träume mitunter auch wahr werden können, beweist ein Projekt der Behindertenhilfe der Zieglerschen. Das Konzept der „Integrativen Zirkusfortbildung“ bietet Menschen mit und ohne Behinderung die Möglichkeit, sich ein kindliches Gemüt zu bewahren. Die Behindertenhilfe verfügt dank ihrer Zirkusensembles „Mühlani“ und „Rotach-Hi“ über langjährige Erfahrung in diesem Bereich. Das Konzept wurde gemeinsam mit der TSG Wilhelmsdorf und dem Sozialpädagogen Bruno Zühlke, bekannt auch als Theaterpädagoge und künstlerischer Therapeut, entwickelt.

Menschen mit und ohne Behinderung erfahren im gemeinsamen Training die speziellen Erfordernisse, Möglichkeiten und Grenzen der Zirkusarbeit und beschäftigen sich über mehrere Tage hinweg intensiv mit Elementen aus den Bereichen Clownerie, Jonglage, Akrobatik und Equilibristik – da bleibt viel Raum für Individualität und das Wecken von ungeahnten, vielleicht lange schlummernden Fähigkeiten.

Schauplatz ist die Sporthalle im Haus Höchsten in Wilhelmsdorf. „Erst mal richtig warm werden“, ruft Bruno Zühlke seiner Gruppe zu. Max, William, Lena, Sven, Daniel, Uwe, Christine, Niklas und Helga spielen „Luftklavier“, um die Finger beweglicher zu machen. Man sieht aufmerksame Bewohner und Schüler der Haslachmühle, aber auch Lehrer, einen angehenden Sportstudenten, einen Praktikanten aus der Realschule und andere – insgesamt also ein breites Feld von Beteiligten. Mit einem Ball im Nacken über eine Bank balancieren? Gar nicht so einfach. „Jetzt ein bisschen schwerer“, gibt Bruno Zühlke den Takt vor. „Wenn der Ball an seinem höchsten Punkt ist, klatschen wir und versuchen, ihn mit einer Hand zu fangen.“

„Die Konzeption, Menschen mit und ohne Behinderung in die Zirkusfortbildung mit einzubeziehen, hat sich seit Jahren gut bewährt“, sagt Helge Afflerbach vom Sportbereich der Behindertenhilfe Wilhelmsdorf. Lernen, sich in eine fremde Gruppe zu integrieren, sich auf neue Dinge zu konzentrieren, eigene Ideen entwickeln – vieles ist gefragt, vieles ist möglich. „Unsere Aufgabe ist es, vorhandenes Potential zu entdecken und zu fördern. Wenn man nicht unter Zeitdruck ist, kann man das Besondere hervorbringen“, betont Afflerbach. Wenn dann nach jahrelanger Zirkusarbeit ganz neue Identitäten entstehen – warum nicht? Uwe ist längst Charlie Chaplin geworden, William ein Meister der Mimik und Christine lebt auch im Alltag als Tänzerin auf.

Am letzten Tag der Fortbildung gibt's wie immer eine „Werkstattaufführung“ vor großem Publikum. Für alle Beteiligten ein echtes Highlight.

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln