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Wilhelmsdorf Hund Henning ist Menschenversteher

Wie Psychologin Stefanie Maier auf dem Ringgenhof in Wilhelmsdorf ihren Hund bei der Therapie von Suchtkranken einsetzt

Ein eingespieltes Team: Diplom-Psychologin Stefanie Maier und Hund Henning.
Ein eingespieltes Team: Diplom-Psychologin Stefanie Maier und Hund Henning. | Bild: Bild: Stohr

Henning läuft schwanzwedelnd über den Asphalt. Sein Ziel scheint klar: Am Raucherhäusle der Fachklinik Ringgenhof biegt er rechts ab und stupst nacheinander verschiedene Patientenhände mit seiner Schnauze an. Freudiges Lachen ertönt, manche Patienten beginnen mit ihm zu reden, andere streichen mit ihren Händen über sein schwarzes Fell. Kurze Zeit später kehrt er wieder zu seinem Frauchen zurück, das hinter ihm entlang des Weges läuft.

„Henning fühlt sich hier zuhause“, sagt Stefanie Maier, Diplom-Psychologin und Leiterin der Doppeldiagnose-Station des Ringgenhofs. Seit einem Jahr setzt die 39-Jährige den Labrador-Rüden bei ihrer Arbeit in der Suchthilfe ein. „Passives tiergestütztes Aktivieren“ nennt sie das und erklärt: „Der Hund ist überall dort, wo ich auch bin, aber er steht nicht im Mittelpunkt meiner Arbeit mit den Patienten.“ Stattdessen verbreitet Henning gute Atmosphäre.

Wie das geht, führt er gerne vor und macht das, was ihm als Labrador im Blut liegt: Er wendet sich den Menschen zu. Leise, unaufdringlich und unspektakulär läuft er herum, sucht sich Leute aus und fragt auf Hundeart nach Kontaktaufnahme an. Wer will, antwortet und streichelt – wer nicht will, tut's nicht. So wie auf der Doppeldiagnose-Station, auf welcher derzeit zehn Patienten mit Suchterkrankung und einer zusätzlichen psychiatrischen Erkrankung behandelt werden. Hier geht es in der Therapie vor allem darum, Patienten zu aktivieren. Die offizielle Gruppentherapie hat noch nicht begonnen, dennoch sitzen schon alle Männer im Kreis und warten. Das ist Hennings Zeit. Soeben steht er vor einem Patienten und blickt ihn mit seinen dunklen Hundeaugen erwartungsvoll an. Eine Hand nähert sich dem Hundekopf und krault hinter den Ohren.

„Solche Szenen vor der Gruppentherapie schaffen meist eine gelöste Stimmung unter den Patienten“, sagt Stefanie Maier, „ich habe den Eindruck, dass Patienten durch die Kontaktanfrage des Hundes und das Streicheln mit ihren Gefühlen verbunden werden.“ Sie findet prinzipiell jegliche Arbeit mit Tieren geeignet, um Patienten einen Zugang zu deren Gefühlswelten finden zu lassen. „Bei vielen unserer Patienten lässt sich das Bedürfnis nach Nähe über den Tierkontakt einfacher stillen, als über den Kontakt zu Menschen.“

Manchmal wollen die Patienten in der Gruppentherapie über den Hund reden oder sie überlegen, weshalb der Hund nun zu wem geht, was er wohl gerade denkt oder weshalb er etwas Bestimmtes macht. Gleichzeitig beobachtet Stefanie Maier verschiedene Reaktionen ihrer Patienten auf den Hund – Reaktionen, die sie in ihrer Arbeit unterstützen. „Durch die Mensch-Tier-Begegnungen erhalte ich immer wieder Erkenntnisse, die ich künftig intensiver in der Therapie umsetzen möchte.“

Zwischenzeitlich trabt Henning treu an Stefanie Maiers Seite über den grünen Rasen des Ringgenhof-Geländes. Acht Wochen war er alt, als sein erster Arbeitstag in der Suchthilfe der Zieglerschen begann. „Von Kollegen und Arbeitgeberseite gab es kaum Bedenken, den Hund für das passive Aktivieren auf dem Ringgenhof einzusetzen und diese Innovation einzuführen“, sagt Stefanie Maier, die das damalige Hunde-Kind gleichzeitig zum Gehorsam erziehen musste. „Sitz“, sagt sie zu Henning und hält die Hand mit ausgestrecktem Arm parallel zum Boden.

Der Rüde setzt sich und bewegt sich erst wieder von der Stelle als sie ihn von 50 Meter Entfernung herruft. „Ich habe ihn auf Gesten und Worte konditioniert“, sagt sie und erklärt, was ein Hund für diese Arbeit neben Gelehrigkeit noch alles mitbringen muss: „absolut nicht aggressives Verhalten, kein Verteidigungsverhalten, Menschenfreundlichkeit und offenherziger Charakter.“

Beziehung zu sich selbst und zu anderen schaffen gilt als ein Schwerpunkt in der Arbeit mit Suchtkranken. Dass Hunde dieses Ziel unterstützen können, davon ist Stefanie Maier nicht nur überzeugt: „Ich glaube an die Hundehaltung“, sagt Stefanie Maier, „ich habe im ganzen vergangenen Jahr keine einzige negative Erfahrung gemacht“.

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