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Wald Heimschule Kloster Wald: Fiktiver Flugzeug-Abschuss wird bei Theater zum Thema

Schüler der Heimschule Kloster Wald führen das Theaterstück "Terror" von Ferdinand von Schirach auf und beziehen das Publikum in die fiktive Gerichtsverhandlung mit ein. Am Ende entscheiden die Zuschauer auf Freispruch.

Wie würden Sie entscheiden, darf man einige Leben gegen viele Leben abwägen? Steht die Würde des Menschen an vorderer Stelle, die Verfassung, das eigene Gewissen oder der Befehl des Vorgesetzten? Um genau um diese Fragen drehte sich die Handlung des zweieinhalbstündigen Theaterstücks "Terror" von Ferdinand von Schirach mit dem der Kurs "Literatur und Theater" der zwölften Klasse am Vorabend des Laetare-Wochenendes an der Heimschule Kloster Wald beeindruckte.

Das Stück stellt eine Gerichtsverhandlung dar. Die Zuschauer wurden zu Beginn der Verhandlung zu Schöffen (Laienrichtern) erklärt, die mit den Vorsitzenden über Schuld und Strafe entscheiden. Die Schöffen wurden darauf hingewiesen, dass sie ausschließlich über das urteilen dürfen, was sie hier in der Verhandlung hören werden. "Urteilen Sie ruhig und gelassen und denken Sie daran, dass vor Ihnen ein Mensch sitzt. Bleiben Sie bei ihrem Urteil selbst Menschen", mahnte die Wachtmeisterin alias Emily Weber. Die Regie hatte die Rollen mehrfach besetzt und aufgesplittet. Die Akteurinnen schafften es hervorragend, eine authentische, spannungsreiche Gerichtsatmosphäre zu erzeugen und erhielten am Ende langanhaltenden Applaus. Buchstäblich eine Stecknadel hätte man fallen hören können, so intensiv ließen sich die Zuschauer auf die Verhandlung ein. Vor Gericht stand Major Lars Koch. Der Kampfpilot der Bundeswehr hatte eine, von einem Terroristen entführte Linienmaschine mit 164 Menschen an Bord, entgegen seinem ausdrücklichen Befehl abgeschossen. Ein Terrorist hatte diese Linienmaschine zu seiner Waffe gemacht und geplant, diese in die, mit 70 000 Menschen vollbesetzte Allianz-Arena in München stürzen zu lassen.

Der Angeklagte Major Lars Koch (Antonia Mortsch) sagt aus.
Der Angeklagte Major Lars Koch (Antonia Mortsch) sagt aus.

Alle 164 Passagiere kamen zu Tode. In der Beweisaufnahme kamen eindrucksvoll die Verteidiger, Staatsanwälte, der Angeklagte und Zeugen zu Wort. Die Verteidigung argumentierte nachdrücklich, die Staatsanwälte und Vorsitzenden stellten ihre Fragen fordernd, nachhakend. Das Publikum erhielt Einblicke in die Gesetzeslage und ähnlich gelagerte Fälle. In der Aussage des Piloten konnte es den Gewissenkampf nachempfinden, den er mit sich ausgefochten hatte und schließlich erkannte, dass er es nicht fertigbringe, 70 000 Menschen sterben zu lassen. Doch die Zuschauer verstanden auch die Beweggründe der Witwe Meiser. Ihr Mann, der unter den Passagieren war, sei nicht zu Tode gekommen, sondern getötet worden, klagte sie an. Die Fragen, ob die Passagiere, die das Cockpit stürmen wollten, dies in der verbleibenden Zeit geschafft hätten, und warum das Stadion nicht evakuiert wurde, konnten in der Verhandlung nicht geklärt werden. "Schwierig, da etwas zu sagen. Jeder hat Recht", sagte Ute Oebbecke aus Überlingen nach der Beweisaufnahme. Nach den Plädoyers gaben die Schöffen in der Verhandlungspause durch das Schreiten durch eine zweigeteilte Eingangstür ihre Stimme ab. Die Mehrheit stimmte für Freispruch. Der Vorsitzende des Gerichts verkündete nachfolgend das Urteil. Zusammenfassend erklärte die Vorsitzende, dass es zu akzeptieren sei, dass das Recht nicht in der Lage sei, jedes moralische Problem zu lösen. Die Zuschauer regte das Stück zum Nachdenken an. Das war auch daran zu sehen, dass sich die Gäste nach Vorstellungsende rege über ihre Entscheidungsfindung austauschten.

Die Akteurinnen erhielten für ihre eindrückliche Vorstellung lang anhaltenden Applaus.
Die Akteurinnen erhielten für ihre eindrückliche Vorstellung lang anhaltenden Applaus.

Aktive und Ergebnis

  • Besetzung: Vorsitzende: Sara Bix/ Arianna Heinzmann, Pauline von Pezold, Lou Hillebrand; Verteidiger: Lena Neuhaus, Charlotte Schubert/ Clara Göler, Theresa Engelhard; Angeklagter Major Koch: Antonia Mortsch/ Natascha Reddemann, Staatsanwältinnen Albertine von Thüngen, Katharina Kitt; Zeugin Meiser: Sarah Lehmann; Zeuge Lauterbach: Anna Göbes; Wachtmeister: Emily Weber; Gerichtsprotokollantin: Susanne Pantel.
  • Regie: Susanne Pantel, Emily Weber
  • Technik: Lorena Weber
  • Abstimmung: 53 entschieden auf schuldig, 125 auf Freispruch. (sah)

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