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Wald Beruf mit Anspruch und Sinn

13.10.2012
Wald -  Die Dorfhelferinnenstation Wald wird 50 Jahre alt. Der Beruf hat sich im Laufe der Jahrzehnte verändert.

Dorfhelferin Lioba Merkle bei einem ihrer ersten Einsätze bei der Wäsche.  Bild: Dorfhelferinnenwerk Sölden

Die Einsatzleiterin der Dorfhelferinnen-station Wald, Christa Riffler (links), mit Dorfhelferin Helga Laicher.  Bild: Häusler

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Früher fuhr man mit ihr von Hof zu Hof und pries sie an, heute ist sie aus vielen Familien nicht mehr wegzudenken: die Dorfhelferin. Die Dorfhelferinnenstation Wald feiert am 19. Oktober ihr 50-jähriges Bestehen. Gegründet wurde sie am 1. November 1962 von der Pfarrei Kloster Wald und den Gemeinden Wald, Gaisweiler, Hippetsweiler, Reischach, Riedetsweiler und Rothenlachen. Pfarrer Willibald Branner war Einsatzleiter.

In den Anfängen, als man mit der Dorfhelferin in der Gemeinde von Hof zu Hof fuhr und sie anpries, war das Thema noch neu und so begegnete man den jungen Frauen sehr reserviert. Einer der hiesigen Landwirte attestierte der städtisch aussehenden Dorfhelferin, dass diese nicht für die Landwirtschaft geeignet sei, weiß Christa Riffler, Einsatzleiterin der Dorfhelferinnenstation Wald und Regionale Einsatzleitung Bodensee-Hohenzollern des Vereins Dorfhelferinnenwerk Sölden. Doch die Dorfhelferin strafte diese Behauptung Lügen. Teilweise waren bis zu drei Dorfhelferinnen bei der Station Wald beschäftigt. 1964 zählte die Dorfhelferinnenstation bereits 206,5 Einsatztage. Von 1983 bis 1997 befand sich im Pfarrhaus Sentenhart die Dorfhelferinnenwohnung. Von 1983/84 bis 1998 war Helga Stoll Einsatzleiterin, dann übernahm Christa Riffler diese Funktion.

„Ich würde nicht sagen, dass die Arbeit nachlässt, sondern die Krankenkassen bezahlen weniger Einsätze oder verweisen an Anbieter ohne Fachkräfte“, sagt Christa Riffler (43). Sie sieht den Beruf Dorfhelferin als besondere Aufgabe. „Wenn die Mutter ausfällt, ist die Familie in einer Notlage. Durch die heutige Berufswelt ziehen Familien dorthin, wo sie den Beruf ausüben und Familie oder Bekanntschaften weit weg sind. Die Familie braucht dann Unterstützung, damit der Vater wieder zur Arbeit kann“, fährt sie fort. Nur ein geringer Prozentsatz brauche diese Hilfe von außen, der Großteil der Familien hilft sich selbst, durch Großeltern und Familie.

Weitere Informationen

Eine der Ersten, die den neuen Beruf „Dorfhelferin“ 1960 erlernte, ist die heute 71 Jahre alte Lioba Merkle. Sie lebt in Murg im Landkreis Waldshut. Damals hatten sehr wenige junge Frauen in den Dörfern die Möglichkeit, eine Ausbildung zu erlernen, erzählt sie dem SÜDKURIER. Die Dorfhelferinnen mussten an ihren Einsatzorten zuerst das Vertrauen der Bauersfamilien gewinnen. Mit ihrem sorgfältigen Umgang mit Lebensmitteln und ihrem fachlichen Können überzeugten sie sehr schnell. In erster Linie waren es landwirtschaftliche Einsätze. Berge von Wäsche wurden damals noch in großen Kesseln gekocht und von Hand gewaschen. „Das war schon mühsam und anfangs Knochenarbeit.“

Die Familien mussten einen Beitrag, der von der Station fest gelegt war, selbst bezahlen, was oft viel Geld für sie war. Die täglichen Kosten lagen anfänglich bei 2 bis 4 Mark, später bei 5 bis 6 Mark. Erst ab 1972 beteiligte sich die Landwirtschaftliche Krankenversicherung an den Kosten, 1974 zogen die gesetzlichen Krankenkassen nach, erinnert sich Lioba Merkle, die später Regionale Einsatzleiterin war. Anfänglich verdienten Dorfhelferinnen 264 Mark im Monat bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 60 Stunden. „Man erhält viele Einblicke ins reelle Leben, es erfordert von Seiten der Einsatzfamilien einen großen Vertrauensvorschuss. Es war für mich ein anspruchsvoller, sinngebender Beruf, bei dem viel Dankbarkeit zurückkam“, blickt sie zurück.

Bürgermeister Werner Müller ist Vorsitzender des Kuratoriums der Dorfhelferinnen-Station Wald, das aus jeweils drei Pfarrgemeinderäten und Gemeinderäten besteht. „Der Bürgermeister steht sehr hinter dieser Arbeit für Familien in seiner Gemeinde“, lobt Einsatzleiterin Christa Riffler. „Neu ist, dass wir immer öfters mit dem Jugendamt zusammenarbeiten, besonders im Landkreis Tuttlingen ist die Zusammenarbeit intensiv.“ Frauen wurden speziell zu Haushaltsorganisations-Trainerinnen (HOT) ausgebildet. Das Haushaltsorganisations-Training wurde zwischen 2000 und 2003 unter der Leitung des Deutschen Caritasverbandes entwickelt. „Familien werden angeleitet, damit sie Haushalt, Kinder und Finanzen wieder auf die Reihe bringen“, beschreibt Riffler. Dorfhelferin Helga Laicher, die bei der Station Wald arbeitet, ist HOT-Trainerin. Ebenso gehört Marianne Krom seit vielen Jahren zur Station Wald.

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