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Veringenstadt Jahrhundert-Hochwasser: Die Lauchert hinterlässt Spuren

Das Jahrhundert-Hochwasser hat sich aus der Mühlgasse in Veringenstadt noch nicht zurückgezogen. Die Schäden in einigen Wohnungen sind immens, nicht immer wird die Versicherung helfen. Für vom Flutwasser besonders betroffene Menschen wurde ein Spendenkonto eingerichtet.

Es haben sich bislang nur wenige Kiebitze aus weiter Ferne in die vor 763 Jahren gegründete Stadt Veringen getraut, um die vor einer Woche kräftig über die Ufer getretene Lauchert zu beäugen. Sie scheint sich auf den ersten Blick in ihr Flussbett weitgehend zurückgezogen zu haben. Doch dieser Schein trügt. Am Ende der Straße „Im Städtle“ bräuchte man Gummistiefel, um das Straßenpflaster trockenen Fußes überqueren zu können.

Wer denkt schon an eine Jahrhundertflut?

Die letzten Häuser dieser schmucken Altstadt hatte es arg in Mitleidenschaft gezogen. Ein Mann ist herausgetreten und wartet ungeduldig auf einen Versicherungsvertreter. Es ist Winfried Freiheit. In die Wohnung des 53-Jährigen drang das Lauchertwasser bis zu 75 Zentimeter hoch ein, reichte also fast bis an seine Gardinen. „Und das Schlimmste ist, wenn du dastehst und nichts mehr tun kannst!“ Seine normale Hausratsversicherung habe ihm schon signalisiert, dass sie dafür nicht aufkommen würde. Er hätte eine Elementarversicherung für Elementarschäden wie Sturm, Hagel, Erdbeben oder Überschwemmung abschließen müssen. Doch wer denkt schon an eine Jahrhundertflut, fragt sich Winfried Freiheit.

Jetzt hofft er über die Gebäudeversicherung wenigstens Böden und Türen ersetzt zu bekommen. So sehr es ihn getroffen hat, so sehr tröstet er sich damit, dass es längt nicht so schlimm gekommen ist, wie es in jenen Städten mit den großen Strömen der Donau oder Elbe der Fall gewesen ist. „Wenn man ins Bayerische hineinguckt – die sind viel ärmer dran!“

Weiterhin "Land unter" in der Mühlgasse

Arm dran sind freilich auch die Bewohner der Mühlgasse. Dort heißt es weiterhin „Land unter“, weil die Schächte voll Wasser sind, das nicht ablaufen kann. Da würde auch kein Pumpen helfen, solange der Pegel der Lauchert noch so hoch steht.

Fürchterlich zugerichtet worden ist das Erdgeschoss des Mehrgenerationenhauses. Selbst in der dort befindlichen Spülmaschine machte sich die Lauchert breit. Johanna Benz ist die Leiterin und sie erzählt, dass die Feuerwehr die Türe ihres Gemeindebüros im Nebenraum habe aufsägen müssen. „Die Schränke hatten sich auf den Bauch gelegt“, zeigt sie auf zerstörtes Mobiliar. Sie sei damit befasst, die Schäden für die Stiftung Liebenau zu dokumentieren. Der Gebäudeschaden sei über die Versicherung bereits abgeklärt. Die Inventarversicherung würde von der Stiftung der St.-Anna-Hilfe geprüft.



Johanna Benz trägt mit ihrem sozialen Engagement die Sonne im Herzen. Sie schwärmt vom enormen Zusammenhalt der Mitbewohner von Veringenstadt während dieser Hochwassertage. „Wenn wir das in diesem Geist mitnehmen können für das zukünftige Zusammenleben, wäre das sehr gut!“ Als weiteren Schritt hat ihre Institution zusammen mit der Stadtverwaltung von Veringenstadt ein Spendenkonto eingerichtet, dass in Abstimmung mit den Pfarrern beider Konfessionen die vom Flutwasser besonders betroffenen Menschen unterstützen will.

Spendenkonto

Die Stadt Veringenstadt und das Mehrgenerationenhaus haben gemeinsam ein Spendenkonto eingerichtet, die den von der Lauchertüberflutung betroffenen Menschen zu Gute kommt: Bei der Hochenzollerischen Landesbank Kreissparkasse Sigmaringen, Kontonummer 28.783, BLZ 653.510.50. Außerdem findet am Samstag. 18 Uhr, eine ökume nischer Abendkreis im Simon-Grynäus-Haus statt, zu dem alle Kreisbewohner eingeladen sind.

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