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Stetten am kalten Markt Gemeinsam für das Bestmögliche

Der SÜDKURIER gibt einen aus: Gemeinderäte diskutieren im Soldatenfreizeitheim über Kommunalpolitik

Stetten a.k.M. – Die Schulverkehrs-Verbindung vom Heuberg in die Kreisstadt war eines der großen Themen beim kommunalpolitischen SÜDKURIER-Stammtisch am Donnerstagabend im Haus Heuberg. Gemeinsam mit den Freien Wählern (FW) und der Initiative Lebenswertes Stetten (ILS) diskutierte Gregor Moser, Leiter der Lokalredaktion, die neuste Entwicklung, nach der der Schülerbus nach Sigmaringen nach den Pfingstferien eingestellt werden und die Schüler dann wieder mit dem Zug ab Storzingen zu den weiterführenden Schulen gelangen sollen.

"Das ist ein faules Ei", befand Adrian Schiefer (Freie Wähler) und bezweifelte so wie alle anderen am Tisch, dass die vom Landratsamt und dem Land vorgebrachte Lösung funktionieren wird. "Es gibt soviele Möglichkeiten, die man nicht am Schreibtisch vorsehen kann", stellte es fest. So bleibe das Problem mit dem Umsteigen bei der Bus-Zug-Kombination bestehen und manche Schüler müssten bis zu vier Mal das Transportmittel wechseln. "Das ist ein Irrsinn." Sandra Rupp (FW) setzte hinzu, dass vor diesem Hintergrund immer mehr Eltern sich entschieden, ihre Kinder nach Ebingen zu schicken. Schiefer spannte den Bogen und erläuterte den Hintergrund, den es nun neu zu überdenken gelte: Um den Bahn-Standort Storzingen zu stärken, sei es dazu gekommen, die Schüler per Bus dorthin zu bringen, damit sie die Bahn nutzen. Das durch den Wegfall der Schulbusverbindung nach Sigmaringen frei werdende Geld habe die Kreisverwaltung dann für die Verbesserung des Busangebots insgesamt auf dem Heuberg eingesetzt. "Jetzt wollen wir uns die Zahlen vom Landkreis kommen lassen", stellt Schiefer fest.

Konkret: Der Gemeinderat solle darüber informiert werden, in welchem Umfang das vor Jahren verbesserte ÖPNV-Angebot von der Bevölkerung genutzt wird. "Früher sind die Busse drei mal leer nach Kreenheinstetten gefahren und jetzt fahren sie fünf mal leer dorthin", fasst Lothar Löffler (ILS) die Meinung am Tisch zusammen. Und: "Wenn man unnötig was macht, sollte man das ändern", entwickelt Schiefer den Gedanken fort. Für den Gemeinderat sei es wichtig, sich zu positionieren. Und Sandra Rupp fasst mit Blick auf die rund 150 Schüler, die zur Schule nach Sigmaringen fahren müssen, zusammen: "Ich habe nie verstanden, warum es Kürzungen auf dem Rücken einer so großen Gruppe gibt."

Martin Biebl (ILS) spricht ein anderes Problem im Zusammenhang mit der Bahn an. Wer, so wie er nach Stuttgart zur Arbeit mit dem Zug fahren will, der habe ein Problem. Sechs Stunden hin und zurück brauche er mit dem Zug zur Arbeit und daher folgert er: "Die überörtliche Verbindung ist schlecht. Da sollte man auch ansetzen."

Auf das Thema Schule zurückkommend gibt Florian Dreher (ILS) zu bedenken, dass die Gemeinschaftsschule in Stetten über Jahre hinweg durch die Gemeinde weiterentwickelt und viel Geld investiert wurde. Dank einer engagierten Schulleiterin sei man gleich zu Beginn beim Thema Gemeinschaftsschule mit dabei gewesen und das habe sich bezahlt gemacht, schaue man auf die Entwicklung der Schülerzahlen und auf den Zustrom aus den umliegenden Gemeinden. Hier funktioniere das Mobilitätsangebot gut, freut sich Schiefer und stellt mit Blick auf die Entwicklung der Gemeinde fest: "Wenn wir wachsen wollen, müssen wir für Familien interessant sein. " Dreher ergänzt: "Es gibt viele ländliche Gegenden, wo die Jugend abwandert." Da sei die Garnisonsgemeinde in einer besseren Lage, stimmen die Kommunalpolitiker überein. Dank der Bundeswehr gebe es Arbeit vor Ort und andererseits "ist es wichtig, dass wir dem interkommunalen Gewerbegebiet auf dem Gelände der ehemaligen Graf-Stauffenberg-Kaserne beigetreten sind und den Stein so ins Rollen brachten", sagt Dreher. Schiefer ergänzt: "Und in 20 Minuten Fahrtzeit gibt es im Kreis Tuttlingen Arbeitsplatzpotenzial ohne Ende." "Wenn man sieht, wie viele Vereine es hier gibt und wie sich die Leute teils mehrfach engagieren und wie das gelebt wird, ist das einzigartig", hebt Dreher einen weiteren Standortvorteil hervor.

"Für uns ist es wichtig, die Infrastruktur zu halten und auszubauen", sagt er. Und Schiefer ergänzt, dass die vorhandene Infrastruktur und deren Erhalt nach dem Abzug der Franzosen über Jahre auch ein Problem gewesen sei. Beim Thema Ärztversorgung herrscht Übereinstimmung, dass die derzeit noch gut ist, in Zukunft aber ein Problem darstellen wird. Ärzte ins Amtshaus zu bringen, sei wegen des Zugangs und dem Fehlen eines Aufzugs nicht realistisch. Ein anderer Standort-Faktor sei die Breitbandanbindung und da werde derzeit in den Gremien daran gearbeitet. "Es gibt Unterschiede in der Gemeinde, die müssen angeglichen werden", fasst Biebl zusammen. Beim Bahnhof in Storzingen und beim Goreth-Haus gebe es noch viel Potenzial, was man damit macht. Bei einer touristischen Nutzung des Bahnhofs stelle sich die Frage, wer das übernimmt, wirft Reiner Letsch (FW) ein und verweist auf die Möglichkeit, dort Pendlerwohnungen zu schaffen. "Bei einem Fahrradhostel könnte vielleicht eine der ansässigen Gastronomien die Patenschaft übernehmen." Sandra Rupp verweist auf Lösungen, die es ermöglichen, per Plastikkarte ein- und auszuchecken. "Wir stehen am Anfang eines Prozesses", fasst Schiefer zusammen.

Beim Thema Gesteinsabbau herrscht am Tisch Übereinstimmung, dass der bislang nicht erkundete Standort oberhalb von Storzingen der beste wäre. "Es wird aneinander vorbeigeschafft", bedauert Dreher und erinnert, dass es seitens der Firma Stingel die Aussage gab, dass, sollte es Gegenwind aus der Gemeinde geben, man sofort mit den Abbau-Plänen stoppen werde. Mit Blick einen Abbau bei Glashütte oder bei Beuron-Thiergarten, fasst Schiefer zusammen: "An beiden Standorten gibt es so viele Nachteile, dass man sie nicht umsetzen kann. Wir wollen uns dem Abbau nicht verschließen aber man sollte sich den Standort an der Bundesstraße ansehen." Die Frage, stimmen die Kommunalpolitiker überein, sei letztlich, ob sich Unternehmen gegen den Willen der Bürger durchsetzen. Und Löffler bekundet: "Einerseits darf man keinen Feldweg dunkel teeren, damit sich die Tiere beim Drüberlaufen nicht die Pfoten verbrennen und andererseits darf es so einen Eingriff in die Natur geben mit. Diese Verhältnismäßigkeit verstehe ich nicht."

Als positiv werten es die Gemeinderäte, dass es auch gegen Widerstände gelungen ist, 78 Hektar Wald aus der Bewirtschaftung herauszunehmen, um so Ökopunkte zu generieren. Für die Arbeit im Gemeinderat gibt es von allen Seiten viel Lob am Tisch. "Die Gemeinderatsarbeit ist sehr angenehm", befindet Reiner Letsch und angesichts vieler einstimmiger Beschlüsse im Rat verweisen die Räte darauf, dass vieles schon vor den Ratssitzungen diskutiert werde, in und zwischen den Fraktionen. Auch sei die Verwaltung so offen, Beschlussvorschläge nochmals abzuändern, um Einstimmigkeit herzustellen. Es sei ein Prozess, das Beste für die Gemeinde herbeizuführen, bei dem alle Fraktionen und die Verwaltung gemeinsam an einem Strang ziehen. "Unnötige Dinge können wir uns da gar nicht erlauben", sagt Schiefer. Man habe die Liste mit den Pflichtaufgaben stets vor Augen. Die Kür sei der Spielplatz oder die Gestaltung des Schmeie-Ufers bei Storzingen gewesen. Biebl zollt dabei auch dem Bürgermeister und seinem Team Respekt: "Die Kommunikation der Verwaltung ist unheimlich fair und offen." Wichtig und gut finden es die Räte auch, dass in der Verwaltung schon vor Jahren Listen erstellt wurden, in denen Gerätschaften erfasst und nach Alter strukturiert wurden, sodass notwendige Anschaffungen vorauszuplanen sind. "So sind wir nicht mehr oft mit Überraschungen konfrontiert", sagt Schiefer. Ins Kontor geschlagen habe in diesem Jahr indes die notwendig gewordenen Sanierung der Brücken auf Stettener Gemarkung. Viel Geld werde auch die Sanierung "Unterer Guldenberg" binden. Ein Zukunftsthema für die mittelfristige Finanzplanung, befindet Schiefer, könnte im Haushalt dagegen der Bau eines Kreisverkehrs bei der Volksbank sein.

Die Aktion

In seiner Reihe "Der SÜDKURIER gibt einen aus" diskutiert Gregor Moser, Leiter der Lokalredaktion in Meßkirch, regelmäßig vor Ort mit Leserinnen und Lesern aus dem Verbreitungsgebiet. Nach einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem CDU-Ortsverband in Stetten vor einigen Tagen ist nun ein Stammtisch mit dem SPD-Ortsverein in Planung, das nach den Pfingstferien stattfinden soll. (mos)

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