Atmosphärisch dicht und von der Durchschlagskraft einer musikalischen Bombe, das war das Benefizkonzert der Feuerwehrkapelle (FWK) Stetten a.k.M. in und für die katholische Pfarrkirche St. Mauritius. Was die rund 50 Musiker unter Leitung von Joachim Wagner zu Gehör brachten, war nicht nur Blasmusik auf Höchstniveau. Sie schafften es auch, das Gotteshaus in ihr Konzert mit einzubinden, so als ob die altehrwürdige Kirche ein Bestandteil, ja fast ein Mitglied der FWK wäre.
Die Akustik kam besonders beeindruckend beim Auftritt des Tubaensembles zur Geltung. Die ebenso tiefen wie soften Töne umschmeichelten das Ohr. Ihr majestätisches Erscheinungsbild dominierte aber nicht, sondern verband sich mit der Atmosphäre der Kirche zu einem musikalischen Gotteslob. Die traditionelle irische Melodie „Greensleeves“ entpuppte sich auch in der Tubaversion als pure Romantik, wie ein in Noten gegossener Gruß aus einer anderen und viel schöneren Welt.
Das Konzert hatte mit dem altböhmischen „Heiliger-Wenzel-Choral“ begonnen, einer Komposition, die fast so alt ist, wie die Stettener Pfarrkirche selbst, die um das Jahr 1275 errichtet worden ist. Der „Heiliger-Wenzel-Choral“ wurde von Karel Belohoubek 1996 arrangiert und gehört heute zum Repertoire zahlreicher Blaskapellen. Mit „Christus factus est“, einem Stück von Anton Bruckner aus dem Jahr 1884, stellte die FWK ein Werk vor, mit dem der Komponist seiner damaligen, von der Romantik geprägten Zeit deutlich voraus war und die musikalischen Grenzen überschritt.
Für ein weiteres eindrucksvolles Klangerlebnis, verbunden mit einer Zeitreise in das Barockzeitalter, sorgten die Trompeten-Solisten Gerhard Braun und Oliver Müller. Sie erweckten das Trompetenkonzert von Antonio Vivaldi in seiner barocken Klangfülle zu neuem Leben. Mit „Jesus bleibet meine Freude“ von Johann Sebastian Bach, einem Zeitgenossen Vivaldis, erreichte das Stettener Konzert einen thematischen wie musikalischen Höhepunkt.
„Jesus berühre mich“ erwies sich als eine flotte Glaubensbezeugung, deren frischer Touch alle, falls überhaupt noch vorhandene Wehmut wie ein Frühlingssturm weg wehte. „You raise me up“, ist eine moderne Version einer alten irischen Weise. „Du erhebst mich, dass ich auf Bergen stehen kann. Du ermutigst mich mehr zu sein als ich bin!“ ist eine der aufmunternden Zeilen aus diesem Lied, die Ansager Andreas Neusch entsprechend vortrug. Judit Fauler mit dem Saxophon-Solo krönte das Stück mit einen fast schon märchenhaften Akzent. Die Melodie führte ins Innerste des Zuhörers, führte den Gläubigen zur Anbetung des einen Gottes.
Mit dem Choral „Großer Gott wir loben Dich“, fand das Konzert, zu dem schätzungsweise rund 250 Besucher in die Pfarrkirche gekommen waren, seinen krönenden Abschluss. Der Erlös des Konzerts ist für die noch laufenden, umfangreichen Renovierungsarbeiten an der Pfarrkirche bestimmt.
