Könnte eine Bürgergenossenschaft die Versorgungslücke schließen, die durch das endgültige Aus der Schlecker-Filiale für Stetten a.k.M. und das Umland entstanden ist? Mit dieser Frage hat sich der Stettener Ralf Merz intensiv beschäftigt. Er ist der Meinung, dass es nur auf diesem Weg möglich ist, eine Versorgung mit Drogeriemarktartikeln in der Garnisonsgemeinde sicherzustellen.
Die Ausgangslage in Stetten ist rasch beschrieben. Nach der Schließung der Schlecker-Filiale gibt es im Ort und im Umland keine Einkaufsmöglichkeit für Drogerieartikel mehr. Einziger Ausweg ist die Autofahrt in die jeweils 16 Kilometer entfernten Nachbarstädte Albstadt oder Sigmaringen. In dieser Entwicklung sieht Ralf Merz nicht nur den praktischen Nachteil einer zusätzlichen Autofahrt in eine der Nachbarstädte. Für ihn geht es um die Erhaltung der innerdörflichen Infrastruktur in der Heuberggemeinde überhaupt. Die Lösung dieses Problems könne, so Merz, nicht ausschließlich Aufgabe der Kommunalpolitik oder des Mittelstandes sein. Jeder Einzelne müsse Interesse zeigen, die dörfliche Infrastruktur zu erhalten. Seine Idee, so argumentiert der Stettener weiter, diene auch dem noch vorhandenen Einzelhandel in der Garnisonsgemeinde. Es gehe, so seine Schlussfolgerung, um weitaus mehr als nur um die Frage, ob Eltern für Babynahrung 16 Kilometer weit fahren müssen. Merz: „Wer einen Drogeriemarktartikel braucht, wird nicht nur deswegen in die Stadt fahren, sondern auch gleichzeitig beispielsweise seinen Lebensmittelbedarf einkaufen.“ Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Sigmaringen oder Albstadt fahren müsse, sei einen halben Tag lang unterwegs.
Der ehemalige Polizist, Bankangestellte und Krankenpfleger verfolgt die Bemühungen der ehemaligen Schlecker-Angestellten, die sich bemühen, eine Drogeriemarktkette für die Ansiedlung in der Heuberggemeinde zu gewinnen, mit Sympathie. Allerdings hat Merz Bedenken, ob das gelingt. Er erinnert an die Ansprüche der Ketten was die Verkaufsfläche anbelangt. Allerdings teilt er das Argument der ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen, die damit argumentieren, in Stetten sei der Absatz trotz der kleinen Verkaufsfläche immer gut gewesen.
Seine Alternatividee ist nun die, dass sich Menschen aus Stetten und den Umlandgemeinden zu einer Genossenschaft zusammenschließen. Merz: „Es müssten sich beispielsweise 1000 Mitglieder finden, von denen jeder einen oder mehrere Anteile über 250 Euro zeichnet.“ Er ist sich sicher, auch ein weiteres Problem lösen zu können. Es geht um den Preis im Großhandel für die Genossenschaft. Im Normalfall sei es so, dass die großen Ketten wegen der Einkaufsmenge einen günstigeren Preis bekommen, als kleine Abnehmer. Aber auch hier ist Merz optimistisch. Es sei eine Verhandlungssache, sagt er.
Ralf Merz hat bereits vor Monaten eine Internetinitiative ins Leben gerufen. Fast 300 Personen haben sich bislang aus der Region für seine Ideen, zu denen auch ein Car-Sharing-Projekt gehört, interessiert.
