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Sigmaringendorf Kreisbauernverband hat Imagepflege nötig

09.01.2012
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Beim traditionellen Dreikönigstreffen des Kreisbauernverbandes Biberach-Sigmaringen ging es auch um die Frage, wie die Landwirte ihr Ansehen bei den Verbrauchern verbessern können. Marketingexperte Professor Klaus Koziol machte dazu Vorschläge.

Die Präsenz von Politikern hielt sich beim Dreikönigstreffen des Kreisbauernverbandes Biberach-Sigmaringen (der SÜDKURIER berichtete) dieses Jahr deutlich in Grenzen. Kein Wunder: Im vorigen Jahr stand eine Landtagswahl vor der Tür. Gekommen war der CDU-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen, Thomas Bareiß. Für ihn ist klar: „Im landwirtschaftlichen Bereich ist es heutzutage immer wichtiger, zusammenzuarbeiten.“ So wolle man in den kommenden zehn Jahren die erneuerbaren Energien verdoppeln und da sei der Bauernverband ein wichtiger Gesprächspartner. Bareiß stellte nicht in Abrede, dass es in der Raumschaft Probleme gebe und Nachholbedarf nicht nur im Verkehrsbereich gibt. Aber: „Noch keiner Generation ging es in Württemberg-Hohenzollern so gut wie der jetzigen.“

Knapp 50 Prozent der Fläche im Landkreis Sigmaringen wird landwirtschaftlich genutzt. Für Landratsstellvertreter Rolf Vögtle ist deshalb klar, dass die Bauern nach wie vor einen hohen Stellenwert in der Region haben. Was die erneuerbaren Energien betrifft, zeigte sich Vögtle überzeugt, dass der Landkreis die Vorgaben erfüllen kann. „Wir müssen die Weiterentwicklung erneuerbarer Energien mit der Produktion von Nahrungsmitteln in Einklang bringen“, lautet seine Forderung. Im Bereich von Milch, Fleisch und Eiern sei der Landkreis autark. Es werde mehr produziert, als verbraucht werde – und das in bester Qualität. Nach der Einschätzung Vögtles ist das Image der Bauern im Landkreis gut.

Und dieses Image, das war auch das Thema von Professor Klaus Koziol, dem Leiter der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Der Marketingexperte, mehrfache Buchautor und Dozent an der Katholischen Hochschule Freiburg analysierte die Landwirtschaft aus der Sichtweise des Außenstehenden, objektiv, fundiert – und mit einer gehörigen Portion Humor. Grundannahme: Das Ansehen ist entscheidend für die Kaufentscheidung von Produkten. Dass er dabei ausgerechnet Coca Cola als positives Beispiel anführte, das brachte ihm so manchen zweifelnden Blick ein. Trotzdem: Der Wert dieses Unternehmens geht in die Milliarden, also muss was dran sein. Und wie ist es mit der Landwirtschaft? Wie schafft man es, dass die Menschen gegenüber den Produkten eine positive Emotionalität entwickeln? „Sie müssen eine Marke kreieren“, sagt der Professor. Sei die gut gemacht, dann erzähle sie eine positive Geschichte. Red Bull, Harley Davidson – jeder kenne diese Marken. Doch nicht das Produkt bürge für den Erfolg, es sind die Emotionen. Für den Redner ist klar: „Bauern sind so wichtig, wie Hebammen“ – und das gelte es „herüberzubringen“.

Welches Bild hat der Verbraucher vom Bauern? Da ist einerseits die romantische Verklärung, wie sie von speziellen Zeitschriften verbreitet wird oder in Sendungen, wie „Bauer sucht Frau“ – und es gibt die knallharten Nachrichten über Lebensmittelskandale. Wer Milch auf die Straße schütte oder Produkte vernichte, der erreiche zwar Aufmerksamkeit – aber auch eine negative Emotionalität der Verbraucher.

„Wie wollen sie gesehen werden?“ fragte der Professor. Ist es faszinierend, Bauer zu sein? Man müsse den Leuten die Geschichte erzählen, warum man mit Lieb und Seele Landwirt sei. „Niemand ist so nahe am Menschen dran, wie sie“, ist Koziol überzeugt. Wichtig seien auch Begrifflichkeiten. „Sie schaffen Mittel zum Leben, also Lebensmittel“, laute die Feststellung. „Das hört sich doch ganz anders an, als wenn sie Ferkel produzieren“, sagt der Marketingexperte.

Für Koziol ist klar: „Erfolg kann man nur haben, wenn man die Arbeit mit Leidenschaft betreibt.“ Und diese Leidenschaft müsse man rüberbringen. Das würde dann auch die Begeisterung für landwirtschaftliche Berufe erhöhen. „Sie müssen Allianzen schließen, um ihr positives Ansehen auf den Markt bringen.“ Zum Schluss hatte er gleich noch eine neue Bauernregel mitgebracht: „Ist das Ansehen positiv und klar, dann freut es den Bauern das ganze Jahr.“

Es müsse bewusst auf den Höfen gezeigt werden, dass man eine positive Einstellung zu seinen Produkten habe, forderte Stefan Käppeler, der Vorsitzendes des Vereins zur landwirtschaftlichen Fortbildung. Und er merkte noch eine Gabe an, die in der Region besonders vorhanden sei: Bauernschläue. Der Kreisbauerntag endetet mit einem Neujahrsempfang, bei dem auch die Sternsinger nicht fehlen durften – und zünftige Blasmusik vom Musikverein Sigmaringendorf.

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