Ein wirklich zauberhaftes Theatererlebnis [0]
"Wer bist denn du?" fragt Dorothee. Es ist die Vogelscheuche in Person von Verena Benz (rechts) Die brillierte nicht nur als Vogelscheuche, sondern auch in der schwierigen Aufgabe der Regieassistenz. Bilder: Fahlbusch
Ein Hund als Bühnenstar? Pyrotechnik und Nervenkitzel an einem lauen Sommerabend? Kinder und Jugendliche, die beweisen, dass für sie die Bühnen wirklich die Bretter sind, die die Welt bedeuten? So was gab es am Samstagabend auf der Waldbühne in Sigmaringendorf. Zwar auf Kies statt auf Holzbrettern, dafür aber mit riesigem Talent und der Garantie für beste Unterhaltung. Mit dem "Zauberer von Oos" präsentierte der Theaterverein Waldbühne eine ungewöhnliche Geschichte und beschenkte die Premierenzuschauer mit einem wirklich zauberhaften Abend. Mit dem diesjährigen Jugendstück dürfte der Waldbühne wieder einmal ein großer Saisonerfolg ins Haus stehen. Der Zauberer von Oz ist ein Kinderbuch des US-amerikanischen Schriftstellers Lyman Frank Baum. Die Erzählung erschien 1900 unter dem Originaltitel The Wonderful Wizard of Oz (später auch unter dem Titel The Wizard of Oz) mit Illustrationen von William Wallace Denslow. Wegen des großen Erfolges schrieben Baum und andere Autoren zahlreiche Fortsetzungen. Die erste deutschsprachige Übersetzung erschien 1940 in der Schweiz. Viele US-Amerikaner sind mit dieser Erzählung aufgewachsen und mit ihr so vertraut wie deutschsprachige Mitteleuropäer mit den Märchen von Hänsel und Gretel oder Rotkäppchen. Zu ihrem Bekanntheitsgrad und Wiedererkennungswert trugen vor allem die Verfilmungen bei, deren bekannteste mit Judy Garland in der Rolle von "Dorothy" im Jahr 1939 entstand (Der Zauberer von Oz). Schon vor zwölf Jahren hat die liebenswerte Geschichte die Herzen der Waldbühnen-Fans erobert. Damals wie heute wurden viele musikalische Elemente mit eingebaut. Der bekannte Jazz-Vibraphonist Wolfgang Lackerschmid hat dafür extra die Musik für die Akteure in Sigmaringendorf geschrieben. Und seine musikalische Heimat ist dann auch unverkennbar. Die Gesangspassagen bereiteten - vermutlich aus Premierenfieber - den Akteuren ab und zu kleine Schwierigkeiten. Aber darüber kann man getrost hinwegsehen, wenn man die Leistungen der Nachwuchsschauspieler berücksichtigt, die durchaus nicht laienhaft das Publikum in ihren Bann zogen. Die Geschichte ist eigentlich schnell erzählt: Dorothea (Lisa Maier unheimlich natürlich und locker) und ihr Hund Toto (der kleine White-Scotch-Terrier stahl den menschlichen Schauspielern fast die Show) haben sich vor einem aufkommenden Wirbelsturm in eine kleine Hütte geflüchtet. Und just diese kleine Hütte wird vom Wirbelsturm erfasst und in das Land Oos geweht. Dort angekommen lernen Dorothea und Toto zuerst die lieben Mampfler kennen. Dann die böse Westhexe und die gute Nordhexe. Das Mädchen und Toto möchten aber nicht im Lande Oos bleiben! Die gute Nordhexe (Daniela Hahn, vertrauenserweckend und beschützend) gibt ihnen den Rat zum Zauberer von Oos zu gehen. Der wird sicher wissen, wie sie wieder nach Hause kommen können. Auf dem Weg zum Zauberer von Oos lernen sie zuerst die Vogelscheuche (Verena Benz in einer Paraderolle), dann den Blechmann (Gerold Felix Rebholz ausdruckstark und in einem wirklich blechernen Kostüm) und den Löwen ( Wolfgang Henne überzeugte durch ausdruckstarkes Spiel) kennen. Diese drei Wesen haben aber auch ihre Wünsche. Die Vogelscheuche möchte gerne Verstand, der Blechmann gerne ein Herz, und der ängstliche Löwe gerne Mut bekommen. So machen sich alle Fünf auf den Weg zum Zauberer zu kommen. Ein langer, beschwerlicher Weg steht ihnen bevor. Zugegeben: Der Kampf mit der bösen Hexe des Westens (Johanna Speh, sicher nur auf der Bühne so wild und bösartig) war teilweise schon etwas gruslig und so mancher kleine Zuschauer kuschelte sich eng an Mama oder Papa, aber mit dem, was Kindern oft im Fernsehen geboten wird, hatten diese Sequenzen des Stücks nichts zu tun. Dass die Hexe den Kampf verliert und zerfliest, das ist ein Spiel, wie man am Ende eindeutig feststellen konnte. Denn inzwischen hatte Dorothea samt Hund wieder nach Hause gefunden und die sehr große Schauspielertruppe konnte sich unversehrt den riesigen Applaus abholen. Spielleiter Gerold Rebholz ist auch dieses Jahr wieder ein großer Wurf gelungen. Wie gewohnt, hat er viele Komparsen mit ins Stück eingebaut, und damit auch dem Nachwuchs die Chance gegeben, einmal Theaterluft zu schnuppern. Verena Benz bewies nicht nur als Vogelscheuche ihr großes Talent. Sie debütierte auch als Regieassistentin und hat damit den Spielleiter entlastet und bewiesen, dass sie auch hinter der Bühne ihr Talent einsetzen kann.
Waldbühne Weitere Aufführungen am 23., 24. und 30. Juni (samstags immer 20 Uhr, sonntags immer 14.30 Uhr) und an allen Sonntagen im Juli jeweils um 14.30 Uhr. Kartenvorbestellung und Auskunft: Tel. 07571 3520, Fax 07571/2987, info@waldbuene.de Informationen auch im Internet unterwww.waldbuehne.de
Textsicher trotz der vielen Passagen: Lisa Maier als Dorothee.
Bekommt wieder Mut: Johannes Henne als Löwe.
Blechmann Gerold Felix Rebholz und Bürgermeister Alois Henne.
Vater des Erfolgs: Spielleiter Gerold Rebholz.
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