-9°
-14°
-8°
-13°
Tipp
Partnersuche
FW2748
Winter Spezial
Blitzmeldungen < 1 von 1 > weiter Fenster schließen
0 Blitzmeldungen
Region wählen
Tipps der Redaktion
Region wählen
Region wählen

Sigmaringendorf 

10.07.2007  .

Dramatik rund um Notre Dame

[0]

sig_glocke_3.jpg
Bernhard Rebholz machte den Quasimodo richtig sympathisch.

Quasimodo" bedeutet "halb geformt" und ist der Name des Glöckners von Notre Dame. Quasimodo ist aber auch der Titel des weltberühmten Romans von Victor Hugo, der Generationen bewegte und am Samstag auf der Waldbühne in Sigmaringen zu einem Leben voller Dramatik und Liebesweh erwachte. Das war keineswegs "halb geformt", sonder einmal mehr eine Vorstellung der Extraklasse. Spielleiter Joachim Link und seine Schauspielertruppe begeisterten mit einer absolut professionellen Vorstellung. Dies wurde auch durch den schon frenetischen Schlussapplaus deutlich, der mehr als verdient war.

"Der Glöckner von Notre Dame" ist die Geschichte eines Mannes, der im Glockenturm der Kathedrale im Paris des 15. Jahrhunderts aufgewachsen ist. Entstellt, behindert in der Sprache und im Gang, aber von unbändiger körperlicher Kraft lebt er zwischen Glocken und Wasserspeiern. Er wird von der Bevölkerung abgelehnt, als Scheusal verhöhnt. Sein einziges Vorrecht: Er darf die Glocken läuten. Bernhard Rebholz spielte diese Rolle mit Inbrunst und einem bemerkenswerten Umgang mit der besonderen Körperlichkeit des Glöckners. Eine hervorragende Maske, genau den richtigen stimmlichen Ausdruck und die Natürlichkeit der Bewegungen verleihen der Figur eine ganz besondere Ausdruckskraft.

Der Bucklige verliebt sich in die schöne Zigeunerin Esmeralda. Die wird aber auch von Archidiakon Frollo begehrt, einem Priester, den die Fleischeslust so sehr quält, dass er sich selbst geißelt. In blinder Eifersucht ersticht er den Kommandeur der Stadtgarde Phöbus Chateaupers. Den mimt Alexander Speh, dem die Rolle des Weiberhelden durchaus steht. Im geht es nur "um das Eine" und der Charmeur ist dabei durchaus erfolgreich. Dass ihm das einen Messerstich einhandelt - den er aber überlebt - das mag so manche Zuschauerin als gerechte Strafe empfinden.

Der die frevlerische Hand führt, das ist Manfred Nusser. Es fällt schwer zu unterscheiden, ob er die Rolle des Archidiakons Frollo nur spielt, oder ob er gar selbst der Bösewicht ist. Dass ihm das Dramatische liegt, das hat er (der im normalen Leben ein wirklich netter Mensch ist) schon mehrfach bewiesen. Diesmal wuchs er aber fast schon aus sich heraus. Den Zuschauern in den ersten Reihen mögen sich da teilweise die Nackenhaare gestellt haben ob der Mimik des Schauspielers, die den ganzen Schmerz der Welt und den Zwiespalt zwischen der fleischlichen Begierde und dem kirchlichen Amtes so eindringlich widerspiegelte. Dass er die hübsche Esmeralda lieber als Hexe verbrennen lassen will, als sie einem anderen zu überlassen, das ist auch das Ergebnis eines verletzten Stolzes. Quasimodo rettet die Verdammte - und muss zum Schluss dann doch mit ansehen, dass sie sterbend auf dem Boden liegt. Als er sich neben die Tote legt, da kommt dann schon so manches Tränchen. Liebe ist halt auch was Trauriges.

Für Esther Rebholz ist die hübsche Esmeralda eine Glanzrolle. Die Mimin verlieh der Romanfigur genau das richtige Leben, mal nachdenklich, mal verschmitzt, mal frech und mal mit verliebtem Blick. Mit genau dem richtigen Maß an Sexappeal war Esmeralda der Applaus des Publikums sicher. Es dürfte aber keine Frage sein, dass auch die anderen Akteure in ihren Rollen glänzten. Armin Sauter als Poet und mit Esmeralda zwangsverheirateter Ehemann gefiel auch als sympathischer Verkünder des Abspanns. Mit bemerkenswerter Textsicherheit und enormer Spielfreude bescherten die rund 30 Schauspieler dem Publikum einen Theaterabend, der andere Angebote sicher in den Schatten stellte. Die herrlichen Kostüme und die situationsgenau eingesetzte Lichttechnik taten ein Übriges dazu, dass die Premiere am Samstag zu einem weiteren Teilchen im großen Mosaik der langen Erfolgsgeschichte der Waldbühne wurde. Der "Glöckner" verdient das höchste Prädikat.

Weiter Aufführungen sind an den Samstagen im Juli jeweils um 20 Uhr sowie an bestimmten Terminen im August. Die letzte Aufführung ist am 1. September. Kartentelefon 07571/3520, Infos und Spieltermine im Internet www.waldbuehne.de

Bildergalerie im Internet:

www.suedkurier.de/bilder

sig_glocke_4.jpg
sig_glocke_4.jpg
sig_glocke_5.jpg
Alexander Speh (rechts) als Herzenstöter: Hat er Glück bei Esmeralda?
sig_glocke_1.jpg
Armer Poet: Armin Sauter hat als Schauspieler Erfolg.

Weitere Artikel zu: Sigmaringendorf

KOMMENTARE []

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet sein.

Autor: KARLHEINZ FAHLBUSCH
weitere Artikel des Autors