Mein
 

Sigmaringen Sicherheit bei Flüchtlings-Unterkünften auf dem Prüfstand

Reaktionen auf Anschlag in Villingen-Schwenningen

Auf Anfrage des SÜDKURIER zu dem Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen erklärte Landrätin Stefanie Bürkle gestern, dass sie über den Vorfall nur vom Hörensagen wisse. Bezüglich einer Aussage zu Sicherheitsvorkehrungen in und um die vom Kreis betreuten Gemeinschaftsunterkünfte verweist sie auf Tanja Sauter, Fachbereichsleiterin für Recht und Ordnung im Landratsamt. „Wir haben im Moment keine Sicherheitsdienste im Einsatz“, sagte Tanja Sauter und begründete dies, dass die Situation bis dato „wegen einer inneren oder äußeren Gefahrenlage so nicht eingeschätzt“ worden sei.

Sechs Gemeinschaftsunterkünfte hat das Landratsamt bekanntlich im Kreis zu betreuen. Und sie hätten jeweils eigene Verwaltungskräfte, also mindestens einen, stets vor Ort. Die soziale Beratung und Betreuung sei dem Kreisverband der Caritas übertragen worden, die ebenfalls stets mit einer Fachperson vertreten sei. Zudem befände sich die Behörde im ständigen Kontakt mit der Polizei. Auch wenn Tanja Sauter den Sachverhalt von Villingen-Schwenningen nicht exakt kennt, bezweifelt sie, dass daraus ad hoc neue Konsequenzen gezogen werden müssten. Schließlich wäre dort ein Security-Dienst installiert gewesen. „Aber das Thema ist bei uns auf einem ständigen Prüfstand“, versicherte Tanja Sauter.

In Ostrach treffen sich regelmäßig Helfer und Flüchtlinge, wobei das Thema „Sicherheit“ noch nie zur Debatte stand, wie eine Betreuerin gegenüber dem SÜDKURIER versicherte, die ihren Namen nicht nennen will. Als „hinterhältig und feige“ bezeichnet sie den Anschlag auf das Flüchtlingsheim. Sie hofft inständig und ist auch überzeugt, dass es in Ostrach nie zu einem solchen Vorfall kommt. In dem Ort gebe es auch keine zentrale Unterkunft, sondern die Asylbewerber leben in verschiedenen Wohnungen.

Auch Gernot Fischer von der Flüchtlingshilfe Meßkirch hatte gestern von dem Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft gehört. Angesichts der Tatsache, dass in der Gemeinschaftsunterkunft des Kreises in Meßkirch vor allem Familien untergebracht sind, sieht er die Lage in Meßkirch sehr ruhig. Angesichts der politisch aufgeheizten Lage sei man aber nicht davor gefeit, dass so etwas auch in Meßkirch passieren könnte, befürchtet er. Fischer fasst seine persönliche Meinung über den Vorfall so in Worte: „Wenn man bei der Bundeswehr war und weiß, wie so eine Handgranate funktioniert, dann ist diese Tat schon ein Tiefpunkt der Menschenverachtung. Was nach einer Explosion passiert, kann niemand wollen.“

Seitens des Polizeipräsidiums Tuttlingen, das für die Erstaufnahmestelle in Meßstetten und für die Flüchtlingsunterkunft in Neuhausen ob Eck zuständig ist, heißt es, dass die bisherige Konzeption, verstärkt Streife zu fahren, auch nach dem Vorfall in der Doppelstadt fortgesetzt wird. Angesichts der Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte im gesamten Bundesgebiet seien sich die Mitarbeiter der Sicherheitsfirmen bei den Unterkünften vor Ort der Gefahren bewusst und auch bei dem Vorfall in Villingen-Schwenningen sei es ja so gewesen, dass ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma den Sprengkörper bemerkt habe. Seitens des Polizeipräsidiums Konstanz heißt es, dass solche Straftaten sehr ernst genommen würden und die Polizei mit ihren Schutzmaßnahmen fortfahren werde. Die hierbei eingesetzten Kräfte seien über den Vorgang informiert und entsprechend sensibilisiert worden. Generell erfolge der Schutz von Unterkünften für Asylbewerber und Flüchtlinge bedarfsorientiert in Abstimmung mit den behördlichen Trägern und auf Basis von individuellen Gefährdungsbewertungen. Diese Gefährdungsbewertungen berücksichtigten auch die regionale Kriminalitätslage. Die Ermittlungsergebnisse zu dem Vorgang in Villingen-Schwenningen blieben insoweit noch abzuwarten.

Regionale Produkte von Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein auf SÜDKURIER Inspirationen. Gleich Newsletter abonnieren und sparen!
Wahre See-Liebe – Neue SEEStücke auf SÜDKURIER Inspirationen!
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
Sigmaringen
Sigmaringen
Sigmaringen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren