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Sigmaringen Ohne Sprache keine Zukunft: Afrikanerin integriert sich durch Eigeninitiative

01.02.2012


Ohne die deutsche Sprache ist ein integriertes Leben schwierig. Die Afrikanerin Abibetu Qyinbo hat gerade ihren Integrationssprachkurs beendet. Nun sucht sie eine Ausbildungsstelle.

Gestern fand in Berlin der fünfte Integrationsgipfel der Bundesregierung statt. Über Integration wird derzeit wieder viel diskutiert. Dabei wird auch deutlich, dass Migranten es alleine oft schwer haben – und dass ohne die deutsche Sprache ein integriertes Leben bei uns nur schwer möglich ist. Negative Beispiele gibt es genug. Es gibt aber auch Menschen, die auf dem langen Weg der Integration schon ein großes Stück hinter sich gebracht haben. So wie Abibetu Qyinbo, die gerade ihren Integrationssprachkurs beendet hat.

Die 29-Jährige Nigerianerin ist seit 2007 in Deutschland. Und wenn man ihr ein Kompliment über ihr gutes Deutsch macht, dann lächelt sie leicht verlegen und ein zartes „Dankeschön“ kommt über ihre Lippen. Der Zusatz, dass es aber noch besser werden muss, den vergisst sie nicht. Für Carmen Vöhringer und Karin Lehmann vom Migrationsdienst des Caritasverbandes Sigmaringen ist Abibetu ein sehr gutes Beispiel für jemand, der motiviert ist, sich zu integrieren. Die Afrikanerin wohnt mittlerweile in Gammertingen und ist mit einem Deutschen verheiratet.

Das Landratsamt Sigmaringen hatte sie verpflichtet, einen 600-stündigen Integrationskurs, sowie einen 45-stündigen Orientierungskurs zu machen. So bekam sie Kontakt mit den beiden Sozialarbeiterinnen, die alles Weitere koordiniert haben. Das war in diesem Fall etwas einfacher. Denn die junge Frau mit dem sympathischen Lächeln konnte bereits etwas Deutsch. Sie war als Asylbewerberin ins Land gekommen und zunächst in einer Gemeinschaftsunterkunft in Freiburg untergebracht. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie keinen Anspruch auf den Besuch eines Integrationskurses. Trotzdem konnte sie in der Domstadt freiwillig an der Volkshochschule einen Deutschkurs machen.

Die 120 Euro Gebühren hat ihr späterer Mann übernommen. „Sonst wäre es nicht gegangen“, sagt sie. Aber sie wollte unbedingt die Sprache lernen, die Sprache eines Landes, in dem sie für sich eine gute Zukunft sah. Den Integrationskurs in Sigmaringen hat zum Teil das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bezahlt, weil Abibetu eine Verpflichtung hatte, die in der Regel für Neuzugewanderte ausgestellt wird. Die Teilnehmer müssen in der Regel pro Unterrichtsstunde 1 Euro selbst bezahlen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Abibetu regelmäßig zum Kurs nach Sigmaringen gekommen. Die Tickets musste sie selbst bezahlen, weil sie verheiratet ist und ihr Mann ein Einkommen hat.

Der Kurs – Abibetu hat ihn beim Kolping-Bildungswerk gemacht- ist kein Honigschlecken und man muss sich schon anstrengen, wenn es etwas bringen soll. „Die meisten Teilnehmer sind sehr motiviert und möchten gerne den Integrationskurs absolvieren. Nur ganz wenige sitzen ihre Stunden im Kurs ab, um die Verpflichtung zu erfüllen“, sagt Carmen Vöhringer. Die Afrikanerin, die mit Menschen aus vielen Regionen der Welt teilgenommen hat, gehört da nicht dazu. „Es hat sogar richtig Spaß gemacht“, sagt sie. Und wenn es Probleme irgendwelcher Art gibt, dann stehen Vöhringer und Lehmann auch nach Ende des Kurses hilfreich zur Seite.

Das gilt auch beim Umgang mit der deutschen Bürokratie. „Da gibt es immer wieder Dinge, die geklärt werden müssen und wir können bei vielem helfen“ meint Karin Lehmann. Der Caritasverband Sigmaringen bietet seit vielen Jahren Beratung und Hilfe für fremde Menschen an, „das ist ein wichtiger Teil unseres Grundauftrags“, meint Vöhringer, „es ist aber gut, dass der Bund diese Arbeit mit unterstützt.“ Die Sozialarbeiterinnen treffen sich dreimal im Jahr beim „Runden Tisch“ mit Vertretern der Sprachkursträger, dem Jobcenter, der Ausländerbehörde und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Dort werden Neuerungen sowie Probleme besprochen und gemeinsam diskutiert. Denn das Ziel ist für alle gleich: Menschen, die in Deutschland eine neue Heimat finden wollen, möglichst schnell zu integrieren.

Dazu gehört auch die Frage des Ausbildungs- oder Arbeitsplatzes. Wenn Abibetu Qyinbo ihre Prüfungsergebnisse bekommen hat, dann will sie sich um eine Lehrstelle als Altenpflegerin umsehen. „Das würde mir sehr Spaß machen“, sagt sie. Allerdings hat sie nur acht Jahre Schule hinter sich. Sie ist aber durchaus bereit, einen deutschen Schulabschluss nachzuholen, wenn das möglich ist. Vielleicht nimmt sie eine Ausbildungsstelle aber auch so. Denn motiviert ist Abibetu Qyinbo bis unter die Haarspitzen.

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