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Sigmaringen Kraftvolle Virtuosität begeistert

Vor einer Woche brillierte sie in London, jetzt war Henriette Gärtner in Sigmaringen zu Gast

Sigmaringen – Der Star des Abends in einem hochkarätigen Klavierkonzert der Gesellschaft für Kunst und Kultur Sigmaringen war die inzwischen weit über Deutschlands Grenzen bekannte Pianistin Henriette Gärtner, die ihren vor einer Woche mit überwältigendem Erfolg in London gespielten „Deutsch-Italienischen Abend“ wiederholte.

Wer bei früheren Auftritten schon über ihre perfekte Technik und kraftvolle Virtuosität erstaunt war, dem verschlug es an diesem Abend die Sprache: Was sie da an technischen Schwierigkeiten, geballten Oktaven- und Akkordgängen, weiträumigen Sprüngen und Tonrepetitionen im schnellstem Tempo in Verbindung mit einer ausgefeilten Pedalbehandlung sicher meisterte, war kaum zu glauben. „Haarsträubendend“, umschrieben es einige Zuhörer. Das Programm begann italienisch mit der Sonate V in C von Baldassare Galuppi mit drei Sätzen voller melodischer Einfälle, aber auch Herausforderungen an die Fingerfertigkeit. Die sieben Bagatellen op. 33 von Beethoven waren keinesfalls Abfallprodukte des Komponisten, sondern wurden unter den Händen der Künstlerin mit der nötigen Technik, aber auch Musikalität zu geschliffenen Diamanten mit charakteristischen Themen und Stimmungen. Den Abschluss des ersten Teils machte die Sonate in cis op. 27,2 von Beethoven. Sie fasste den ersten Satz als edlen Trauermarsch mit einer unendlichen Sehnsuchtsmelodie auf, den zweiten tänzerisch als einen kurzen Augenblick ohne Schmerzen, den dritten, dabei nahm sie Beethovens Vorschrift „agitato“ wörtlich: ein wilder Ausbruch der Leidenschaft.

Und dann kam der zweite Teil des Programms mit Transkriptionen vorwiegend aus dem 19. Jahrhundert in dem ein pianistisches Feuerwerk abgebrannt wurde. In der Übertragung von Bachs berühmter Orgeltoccata in d nützt der Lisztschüler Carl Tausig den ganzen Klavierumfang aus und imitiert die Orgelmanuale durch das Spiel in verschiedenen Lagen Henri Herz schrieb Variationen über ein Thema aus „Aschenbrödel“ von Rossini. In ihnen mischen sich raffinierte Technik bis hin zu Ein-Finger-Glissandi und eine unvorstellbare Klangfülle mit Anklängen an die damalige Salonmusik. Dagegen wirkte die Rigoletto-Paraphrase nach Verdi von Franz Liszt fast brav, zumal die Pianistin allen virtuosen Aufwand des Komponisten über Glitzerwerk und Melodienseligkeit vergessen ließ.

Mit der stimmungsvollen Übertragung von Schumanns Lied „Der Nussbaum” von Leah Levinson lenkte sie in ruhigere Bahnen ein, bevor sie sich in Carl Tausigs wahnwitzige Bearbeitung von „Ritt der Walküren“ aus „Die Walküre“ von Richard Wagner stürzte, die noch einmal sowohl der Pianistin als auch dem Flügel mit dem vierfachen Forte die letzten Kraftreserven abverlangte. Trotz dieser Schwerarbeit nahm Henriette Gärtner die standing ovations und Blumensträuße lächelnd und entspannt entgegen. Sie bedankte sich mit einer Sigmaringer Erstaufführung: dem Albumblatt „Ahnung“ des diesjährigen Musikjubilars Robert Schumann, das vor wenigen Monaten zufällig in Überlingen gefunden wurde.

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