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Sigmaringen Ganz großes Theater in Sigmaringendorf

07.07.2009
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Die Waldbühne Sigmaringendorf feierte am Samstag eine glanzvolle Premiere mit Hugo von Hofmanthals „Jedermann“.

Wenn man das Stichwort „Laienbühne“ hört, dann denkt man unwillkürlich an fröhliche Komödien, lustige Unterhaltung oder Historienspiele – und man denkt natürlich an die Waldbühne in Sigmaringendorf. Dort ging es am Samstag-abend mehr nachdenklich als fröhlich zu: „Jedermann“ hatte Premiere. Und für die Zuschauer dürfte wohl klar sein: „Das war ganz großes Theater.“ Hauptdarsteller Alexander Speh bot eine Leistung, die so manchem prominenten Schauspieler gut anstehen würde. Die absolute Textsicherheit, die ausgeprägte Mimik und Gestik (und durchaus auch der Körpereinsatz) gingen weit über das hinaus, was man von einem Laiendarsteller erwarten kann.

Jedermann, Gott, der Tod und der Teufel treten nach dem Vorbild spätmittelalterlicher Mysterienspiele als Personifikationen auf. Und sie tun es in Sigmaringendorf in einer Weise, die den Zuschauer berührt, aufrüttelt und seine Seele mitten in das Geschehen hinein zieht. „Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ wurde am 1. Dezember 1911 im Berliner Zirkus Schumann unter der Regie des berühmten Dramaturgen Max Reinhardt uraufgeführt. Hugo von Hofmannsthal hatte das Stück geschrieben, das in einer Rohfassung von 1905 noch in prosaischen Dialogen gehalten war. Die heute bekannte Fassung besticht mit einer altertümlichen Sprache, die sich der Reimform bedient, ohne jedoch zwanghaft zu wirken. Gerade dies stellt höchste Anforderungen an die Schauspieler.

Dies gilt auch für das Publikum. Denn es ist keine Frage, dass man den Inhalt des Stückes und seine Aussage nur dann verstehen kann, wenn man sich mit höchster Konzentration dem widmet, was da auf der Bühne geschieht. Es ist fast schon ein Spiegel, der da vorgehalten wird. Es ist das Abbild einer Zeit wo der Mammon (gespielt von Benjamin Speh) nahezu alles, die Menschlichkeit oft fast nichts ist. Jedermann 2009 ist die Realität.

Das Stück, das seit vielen Jahren bei den Salzburger Festspielen für Furore sorgt, handelt von Reichtum und dem rechten Glauben. Gott (Ivo Speh, Vater des Hauptdarstellers in einer Rolle, die ihm liegt) hat genug von den Menschen, die sich von ihm abwenden. Als Zeichen seiner Macht schickt er den Tod (beeindruckend: Bernhard Rebholz) auf die Erde. Er soll Jedermann holen. Einen vergnügungssüchtigen Mann, dem das Geld alles und das Wohl seiner Mitmenschen nichts ist. Zwar zeigt er ein kleines Maß an Milde, wenn er der Familie eines Schuldners eine geringe Unterstützung gewährt oder einem alten Mann eine Münze gibt, nicht wissend, dass dieser eigentlich Gott ist. Doch all das genügt nicht.

Als er erfährt, dass er nur noch eine Stunde zu leben hat, da sucht er Unterstützung –und findet sie nicht. Alleine und hilflos steht er da und es ist mehr als beeindruckend, wenn Nadja Kiesewetter als Verkörperung der guten Taten Jedermanns deutlich macht: Gerne würde sie Jedermann auf seinem letzten Weg begleiten, doch sie ist zu schwach. Schließlich hat er sie nicht gerade pfleglich behandelt. Es war viel zu wenig des Guten, was der Lebemann getan hat. Dass der Glauben als Person (Allroundgenie und Regieassistentin Esther Rebholz in einer Glanzrolle) auftritt ließ sicher so manchen Zuschauer auch über sein eigenes Handeln nachdenken. Denn klar ist: Jedermann ist zwar eine Figur eines Schauspiels, aber die Jedermänner sind auch im wahren Leben überall zu finden.

Es wäre müßig, das Geschehen im Einzelnen zu beschreiben. Man muss es selbst gesehen haben, wie Jedermann für seine hübsche Buhlschaft (überzeugend: Birgit Wolf) bereit ist, viel Geld auszugeben, wie Freunde wegen des Geldes zu ihm stehen und ihn aber auch verlassen und wie er zum Schluss dann doch dank des christlichen Glaubens zu seinem Frieden findet.

Regisseur Joachim Link konnte nicht nur auf ein fulminantes Bühnenbild mit einer imposanten Treppe als Blickfang zurückgreifen, er hat vor allem eine Auswahl an Akteuren, die schon viele Jahre Bühnenerfahrung mit sich bringen. Das gilt auch für Johannes Henne, der als Teufel, eine mehr als beeindruckende Leistung bot und sich nicht scheute engen Kontakt zum Publikum zu halten. Da zuckte so mancher Zuschauer zurück und war sich nicht mehr sicher, ob es Spiel oder Wirklichkeit ist, was da geschieht.

Mag in Stuttgart derzeit der Welt ältester Schauspieler Johannes Heesters als Gott im „Jedermann“ auf der Bühne stehen, und mögen die Salzburger Festspiele ebenfalls eine phänomenale Treppe haben, wer großes Theater liebt, der braucht nicht unbedingt in die Landeshauptstadt oder nach Österreich zu fahren. Die Waldbühne in Sigmaringendorf hat auch viel zu bieten – und die legendäre Theaterwurst wird es in Salzburg auch nicht geben.

Weitere Aufführungen des „Jedermann“ sind jeweils um 20.30 Uhr am 11. Juli, 18. Juli, 25. Juli, 1. August. Am 22. August, 28. August, 29. August und 5. September ist die Aufführung um 20 Uhr und wer sich „Jedermann“ nachmittags anschauen will, der kann das am 23. August und 6. September um 14.30 Uhr tun.

Waldbühne "Jedermann"
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